Grimme-Preis zeichnet herausragende deutschsprachige Fernsehproduktionen aus © Grimme-Institut

Nominierungen für den 60. Grimme-Preis 2024

Der Grimme-Preis, der sich als „Wegweiser für Qualitätsproduktionen im deutschen Fernsehen“ versteht, feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. Am 18. Januar 2024 wurden die Nominierungen für den renommierten deutschen Medienpreis bekannt gegeben. Mehr als 750 Einreichungen sind in Marl eingegangen, 64 Produktionen und Einzelleistungen sind auf der Shortlist. Wir stellen die Anwärter auf einen Grimme-Preis 2024 im Wettbewerb Information & Kultur vor und verraten, wo man sie kostenlos sehen kann. 

Die bunte Republik Deutschland und ihre Widersacher

„Wie wichtig das Wissen, die Auseinandersetzung und der verantwortungsbewusste Umgang mit der deutschen Geschichte ist, zeigen die aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussionen und Ereignisse“, betont das Marler Institut in seiner Nominierungs-Meldung.

Anwärter auf einen Grimme-Preis in der Kategorie Information & Kultur ist u. a. die Doku-Trilogie „Einzeltäter“ von Julian Vogel (CORSO Film für ZDF/ZDF – Das kleine Fernsehspiel). Diese thematisiert die rassistischen Anschläge in München (2016), Halle (2019) und Hanau (2020) und gibt den Hinterbliebenen eine Stimme. Auch der Dokumentarfilm „König hört auf“ von Tilman König (Neue Bioskop Film für MDR) greift den erstarkenden Rechtsradikalismus auf und wie man ihm entgegentreten kann. Der Film ist eine kritische Würdigung des langjährigen Jenaer Jugendpfarrers Lothar König, der als unbequeme Galionsfigur der linken Szene gilt.

„Songs of Gastarbeiter – Liebe, D-Mark und Tod“ von Cem Kaya (Film Five/filmfaust für WDR/rbb/ARTE) erzählt von der türkisch-deutschen Migrationsgeschichte, beginnend in den 1960er Jahren. Die individuellen wie gesellschaftlichen Folgen des Zuzugs von Gastarbeiter:innen nach Deutschland werden mit jeder Menge Archivmaterial und noch mehr Musik erzählt. Ankerpunkt des Films ist die zunächst eigenständige, später hybride türkische bzw. türkisch-deutsche Musikszene. Zum Kinostart 2022 war Filmemacher Cem Kaya Gast der Reihe DOK Premiere vom Haus des Dokumentarfilms. Bei unserem Branchentreff DOKVILLE 2022 wurde „Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod“ zudem in einem Video vorgestellt.

Soziogramme

Eine (Stadt-)Gesellschaft im Wandel begleitet die Doku-Serie „Capital B – Wem gehört Berlin?“ des mehrfachen Grimme-Preisträgers Florian Opitz (Port au Prince/Fruitmarket für rbb/WDR/ARTE). Das fünfteilige Soziogramm der Hauptstadt startet mit dem Mauerfall im November 1989 und zeigt die Stadtentwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven und über mehrere Jahrzehnte – vom „Sommer der Anarchie“ über „Größenwahn“ bis hin zu „Arm, aber sexy!“. Bei DOKVILLE 2023 stellten Florian Opitz, Editorin Annette Muff und RBB/ARTE Redakteur Søren Schumann ihr Projekt erstmals ausführlich der Öffentlichkeit vor.

Der industrielle Wandel und seine Auswirkungen sind Themen der Langzeitbeobachtung „We are all Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden“ der Grimme-Preisträger:innen Ulrike Franke und Michael Loeken (Filmproduktion Loekenfranke für WDR). Mit viel Feingefühl porträtieren die Filmschaffenden Menschen, die ihren Heimatorten Detroit und Bochum die Treue halten und auf neue Perspektiven hoffen. Welche Auswirkungen haben die Schließung des Opel-Werks in Bochum 2014 für die Region und welche Parallelen kann man zum langjährigen Niedergang der ehemaligen „Motor City“ Detroit ziehen? „We are all Detroit“ war DOK Premiere vom Haus des Dokumentarfilms im März 2022.

Zwischen Krieg und Frieden

Die vielfältigen Folgen der schwelenden Konflikte und andauernden Kriege auf der ganzen Welt greifen mehrere Produktionen auf. Darunter finden sich die „ARD Story: Inside Rheinmetall – Zwischen Krieg und Frieden“ (NDR/WDR) über den deutschen Rüstungskonzern, die „Monitor“-Ausgabe „Die Märtyrer-Kinder – Im Herzen des Nahostkonflikts“ (WDR) sowie die Dokumentarfilme „Drei Frauen – ein Krieg“ von Luzia Schmid über die Fotografin Lee Miller, die Journalistin und Schriftstellerin Martha Gellhorn und die Fotoreporterin Margaret Bourke-White (EIKON Media/SD Cinematografica für rbb/WDR/ARTE) sowie „Ukraine – Kriegstagebuch einer Kinderärztin“ von Carl Gierstorfer (DOCDAYS Productions für rbb/ARTE).

Tipp: Etliche der für den Grimme-Preis 2024 nominierten Produktionen sind derzeit kostenlos in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender zu sehen. Links in der Nominierungsübersicht.

Weitere Nominierungen

Des Weiteren sind in der Kategorie „Spezial“ (Wettbewerb „Information & Kultur“) Anne von Petersdorff, Georg Tschurtschenthaler, Christian Beetz und Pedro Barbadillo für die Aufbereitung des außergewöhnlich umfangreichen Recherchematerials in der Doku-Serie „Juan Carlos. Liebe, Geld, Verrat“ (SKY) nominiert. Diese ist mittlerweile auch im Free TV verfügbar und steht bis Mitte Januar 2025 in der ARD Mediathek. Für ihre journalistischen Leistungen kann sich das Rechercheteam hinter der Dokumentation „China. Macht. Essen“ (ARD/SWR/BR/MDR/rbb) Hoffnungen auf einen Grimme-Preis machen. Die aufwändige Berichterstattung in Lang- und mehreren Kurzformaten hat die geopolitische Instrumentalisierung der Welternährungsorganisation durch China zum Thema.

Nominierungen im Wettbewerb Information & Kultur

Titel

Produktion

Verfügbarkeit

„ARD Story: Inside Rheinmetall – Zwischen Krieg und Frieden“

NDR/WDR

verfügbar bis 24.10.2024 in der ARD Mediathek

„Capital B – Wem gehört Berlin?“
Port au Prince/Fruitmarket für rbb/WDR/ARTE

verfügbar bis 01.10.2025 in der Arte Mediathek

„Die Karte der Schönheit“

Sein+Hain Film/Marcelo Busse Filmproduktion für ZDF/3sat

derzeit nicht in der Mediathek
„Drei Frauen – ein Krieg“
EIKON Media/SD Cinematografica für rbb/WDR/ARTE
derzeit nicht in der Mediathek
„Einzeltäter“
CORSO Film für ZDF/ZDF – Das kleine Fernsehspiel

verfügbar bis 20.07.2025 in der ZDF Mediathek

„Erhebe dich, du Schöne“
FAMA Film/Ma.ja.de Filmproduktion für ZDF/3sat/SRG SSR
derzeit nicht in der Mediathek
„IchDuWir – Wer pflegt wen?“
U5 Filmproduktion für ZDF/3sat

verfügbar bis 18.03.2024 in der 3sat Mediathek

„Joko Winterscheidt Presents – The World’s Most Dangerous Show“

27 Kilometer Entertainment/Florida Entertainment/K2H Klamroth2Hohenfeld für Amazon Prime Video

verfügbar bei Amazon Prime Video (Abo)

„Jonny Island“
Petra Mäussnest & DOCDAYS Productions für ZDF/3sat

verfügbar bis 18.04.2024 in der 3sat Mediathek

„Jung & Naiv“-Folge #650 mit dem Wirtschaftshistoriker Adam Tooze
YouTube
„König hört auf“
Neue Bioskop Film für MDR

derzeit nicht in der Mediathek

„Milliardenspiel – Die geheime Welt der Superreichen“
btf für ZDF

verfügbar bis 12.12.2028 in der ZDF Mediathek

„Monitor: Die Märtyrer-Kinder – Im Herzen des Nahostkonflikts“
WDR

verfügbar bis auf Weiteres in der ARD Mediathek

„Monobloc – Auf der Spur des meistverkauften Möbelstücks aller Zeiten“
PIER 53 Filmproduktion für NDR

verfügbar bis 05.03.2024 in der ARD Mediathek

„Songs of Gastarbeiter – Liebe, D-Mark und Tod“
Film Five/filmfaust für WDR/rbb/ARTE

verfügbar bis 24.01.24 in der ARTE Mediathek

„Stalingrad – Stimmen aus Ruinen“
Schmidt & Paetzel Fernsehfilme für rbb/NDR/ARTE

verfügbar bis 18.04.2024 in der ARD Mediathek

„Ukraine – Kriegstagebuch einer Kinderärztin“
DOCDAYS Productions für rbb/ARTE

verfügbar bis 06.02.2024 in der ARTE Mediathek

„We are all Detroit: Bochum – eine Stadt im Wandel“
Filmproduktion Loekenfranke für WDR
derzeit nicht in der Mediathek
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Elisa Reznicek
Elisa Reznicek leitet die Online-Redaktion beim Haus des Dokumentarfilms und ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Hauses zuständig.
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