Vom 05.03.–26.03.26 laufen zwölf Dokumentarfilme im Kino an. Mit dabei sind KINOLEBEN, MEIN NEUES ICH, NO MERCY, ELON MUSK UNCOVERED, ICH WAR ZEUGE und ON THE BORDER.
Ausgehend von der Aussage der ukrainischen Regisseurin Kira Muratowa, Filme von Frauen seien „härter“, befasst sich Isa Willinger in ihrem Dokumentarfilm NO MERCY mit der weiblichen Filmsprache und untersucht das Werk bedeutender Regisseurinnen wie Catherine Breillat, Monika Treut und Céline Sciamma. Dabei widmet sich Isa Willinger der Frage, was die Werke dieser Kolleginnen auszeichnet und welche Rolle Macht und Geschlecht bei ihrer Arbeit spielen. Damit bietet NO MERCY einen spezifisch weiblichen filmhistorischen Kontext und setzt sich anhand ausführlicher Interviews mit den Regisseurinnen mit gesellsftlichen Normen und patriarchalen Strukturen auseinander, die im Kino ebenso wirksam sind wie im Alltag.
Buch & Regie: Isa Willinger; Kamera: Bernadette Paaßen, Siri Klug, Doro Götz; Schnitt: Lena Hatebur, Niki Mossböck; Produzent:innen: Ira Tondowski, Alex Tondowski, Sabine Gruber, Peter Drössler, Verleih Real Fiction; © 2026.
ON THE WAVE von Peter Wolf und Axel Gerdau ist ein Porträt des Extremsportlers Sebastian Steudtner, geboren 1985 in Esslingen, der am 29. Oktober 2020 im portugiesischen Nazaré den Weltrekord für die mit 26,21 Metern höchste, jemals gesurfte Welle errungen hat. Anhand von Interviews, spektakulären Surfszenen und privaten Archivbildern gehen Regisseure Peter Wolf und Axel Gerdau dem Lebenslauf und der Leidenschaft eines Grenzgängers nach, der Rückschläge überwunden und den Profisport Surfen nachhaltig verändert hat. ON THE WAVE bietet sensationelle Sportbilder in 4K Cinemascope und Dolby Atmos auf einer Reise rund um den Globus als Erzählung über Extreme, persönliche Träume und das Streben nach Glück.
Buch & Regie: Peter Wolf, Axel Gerdau; Produzent: Leopold Hoesch (BROADVIEW pictures); Kamera: Johannes Imdahl (BVK), Jonas Julian Köck; Surf-Aufnahmen: Gastao Entrudo Alex Laurel, Jose Roque; Schnitt: André Hammesfahr (BFS); Verleih mindjazz; © 2026.
ELON MUSK: DAS TESLA-EXPERIMENT, ein investigativer Dokumentarfilm von Grimme-Preisträger Andreas Pichler zeichnet anhand aufwändiger Recherchen und vielseitiger Interviews mit Ex-Mitarbeitern, Experten, Whistleblowern und Unfallopfern die Karriere von Elon Musk nach, der die Firma Tesla seit 2024 zum weltweit führenden Elektroauto-Konzern aufbaute. Die exklusiven Einblicke der Filmemacher zeigen, mit welchen Risiken der Wettlauf um selbstfahrende Autos verbunden war und dass die „Autopilot”-Funktion von Tesla schon angewandt worden war, als sie offensichtlich noch nicht straßentauglich und entsprechend gefährlich war. Der Film illustriert auch Musks Wandel vom Unternehmer zum Unterstützer und Einflüsterer von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump und zeigt die unheilvolle Verknüpfung von wirtschaftlicher mit politischer Macht.
Regie: Andreas Pichler; Buch: Andreas Pichler, Anne von Petersdorff, Christian Beetz; Produzent: Christian Beetz (Beetz Brothers Film Production); Kamera: Jakob Stark, Tom Bergmann; Schnitt: Johannes Hiroshi Nakajima, Beatrice Segolini, Nicolás Nørgaard Staffolani; Verleih Real Fiction; © 2026.
Dafür, dass die so genannten Wechseljahre mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung betreffen, ist das Thema Menopause bzw. deren körperliche Wirkung noch immer mit Tabus behaftet. Die Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen leidet selbst unter schweren Symptomen und hat sich deshalb auf eine Recherchereise begeben, um in Gesprächen mit Wissenschaftlerinnen aus den Bereichen Gesundheitswissenschaft, Gynäkologie und Psychiatrie sowie anderen leidenden Frauen mehr über die konkreten Wirkungen der Menopause zu erfahren. Dabei folgt die Filmemacherin einem emanzipatorischen Anspruch, Aufklärung zu leisten und mögliche Auswege aus Leidenswegen aufzuzeigen.
Buch & Regie: Louise Unmack Kjeldsen; Produzent:innen: Malene Flindt Pedersen, Anne Krysiza Sørensen, Stefan Kloos, Anja Dziersk, Johanna Dorothea Raita, Anders Riis-Hansen (Hansen & Pedersen/Kloos & Co./Ten Thousand Images); Kamera: Anders Löfstedt; Schnitt: Marie-Louise Bordinggaard, Jella Bethmann; Verleih: Rise & Shine; © 2026.
Zwischen 2020-26 gedrehte Epos des rennomierten Dokumentarfilmregisseurs Volker Koepp (UCKERMARK, POMMERLAND, MEMELLAND, IN SAMARTIEN) führt ihn entlang biografischer Linien in die Landschaften Litauens, Moldaus und der Ukraine. CHRONOS – FLUSS DER ZEIT ist eine Rückkehr Koepps zu den wichtigsten Orten seines 1972 begonnenen Zyklus von dokumentarischen Erforschungen über Länder und Leute im europäischen Osten. Aus dem Wiedersehen entsteht eine persönliche Bilanz seines dokumentarischen Schaffens, wobei unter dem Eindruck des Krieges gegen die Ukraine neben den gewohnten poetischen Aspekten auch Perspektiven auf Krieg, Terror und Exil nicht ausbleiben. Nach einer Sonderaufführung am 7. März in der Berliner Akademie stellt Koepp seinen Film im Rahmen einer Kinotour auch in zehn weiteren Städten persönlich vor.
Buch & Regie: Volker Koepp; Kamera: Uwe Mann (1972), Christian Lehmann (1972), Thomas Plenert (1989–2012); Schnitt: Christoph Krüger; Verleih: Salzgeber; © 2026.
Dokumentarfilm KINOLEBEN von Goggo Gensch ist ein Streifzug durch die Geschichte der deutschen Programmkinos: Nachdem im legendären Arsenal in Tübingen nach 50 Jahren der letzte Film gelaufen ist, begleitet Regisseur Goggo Gensch den Gründer Stefan Paul – Filmemacher, Verleiher und Cineast durch und durch – auf eine Reise zu Leinwänden, die Deutschlands Programmkinobewegung prägten. Vom Abaton Kino in Hamburg über die Stuttgarter Programmkinos Delphi und Atelier am Bollwerk bis ins Wolf Kino in Berlin. Paul und Weggefährt:innen wie John Waters und Wim Wenders steuern persönliche Erinnerungen bei.
Regisseur:innen wie Aelrun Goette, Autor:innen wie Lars Henrik Gass oder Susanne Marschall erörtern die Perspektiven für das Programmkino. Ein Film über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von einer Institution jenseits des Mainstream-Films.
Buch & Regie: Goggo Gensch; Kamera: Heiko Bokern, Eva Gensch, Cassie Hamilton, Christopher Krehahn, Dorian Ostermann, Christoph Pustlauk, Dirk Schwarz; Montage: Tim Löschmann; Produktionsleitung: Maximilian Höhnle; Produzent:innen: Monika Agler, Günter Moritz; Produktion: teamWERK. Die FilmProduktion GmbH, gefördert von MFG Baden-Württemberg und DFFF; © 2026.
Am Rande der Sahara liegt der nigrische Ort Agadez. Dort testet die Europäische Union neue Grenz- und Überwachungskonzepte, um große Migrationsbewegungen 1.000 Kilometer vor dem Mittelmeer wirksam zu stoppen. So wurde Adagez zum Symbol für restriktive Migrationspolitik. Filmemacher Gerald Igor Hauzenberger und Ko-Regisseurin Gabriela Schild begleiten einen Bürgermeister, eine Journalistin und einen Händler, die versuchen in der neuen, veränderten Realität ihrer Heimat gegen Arbeitslosigkeit, Gewalt und das Versagen politischer Versprechen zu kämpfen, denn die Region, die jahrzehntelang vom Durchgang lebte, ist in eine tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Krise gestürzt.
Buch & Regie: Gerald Igor Hauzenberger & Gabriela Schild; Bildgestaltung: Thomas Eirich-Schneider, Gerald Igor Hauzenberger, Hajo Schomerus, Joerg Burger; Montage: Nela Märki, Stefan Fauland; Produktion: Framelab Filmproduktion, Mira Film, Corso Film: Sender: ORF, ZDF/3Sat, SRF, SRG SSR; gefördert von: Österreichisches Filminstitut, Filmfonds Wien, Filmstandort Austria, Zürcher Filmstiftung, Bundesamt für Kultur (BAK), Film- und Medienstiftung NRW, Creative Europe MEDIA, Robert Bosch Stiftung; Verleih: Cine Global © 2026.
Sonntag, 8. Juli 1990, Olympiastadion in Rom: Mit einem 1:0 gegen die argentinische Auswahl gewinnt die deutsche Fußballnationalmannschaft unter Teamchef Franz Beckenbauer zum dritten Mal die Weltmeisterschaft. Der Dokumentarfilm der Regisseurinnen Nadja Kölling und Vanessa Goll schildert den Verlauf des Turniers von der Vorrunde bis zum Finale Deutschland gegen Argentinien. Neben aufschlussreichem Archivmaterial, darunter private Filmaufnahmen von Torwarttrainer Sepp Maier und Bilder aus dem FIFA-Archiv besteht der Film aus Interviews mit damals Beteiligten wie Lothar Matthäus, Andreas Brehme, Jürgen Klinsmann oder Rudi Völler und ordnet das Turnier in den zeitgeschichtlichen Kontext wenige Monate nach dem Fall der Berliner Mauer und kurz vor der deutschen Wiedervereinigung ein.
Buch & Regie: Nadja Kölling, Vanessa Goll; Buch: Nils Suling; Produzenten: Vanessa Goll, Benjamin Seikel, Timm Oberwelland, Magnus Vortmeyer, Tobias Alexander Seiffert, Christian Asanger, Kamila Schmid, Nico Gammella, Fabian Klaus; Produktionsfirma: B14 Film; Kamera: Nicolai Mehring; Schnitt: Michael Scheffold; Verleih: Tobis Kinoverleih; © 2026.
Der Dokumentarfilm von Lea Hartlaub besteht aus 16 lose miteinander verbundenen Episoden, die in 91 statischen Einstellungen an rund 30 Schauplätzen auf mehreren Kontinenten gedreht wurden – darunter eine Insel im Westpazifik, ein Lesesaal in New York, eine Keramikfabrik bei Peking und eine Landebahn im Niger. Anhand dieser puristisch komponierten Tableaus beobachtet die Regisseurin Lea menschliche Handlungen, Arbeitsprozesse und kulturelle Kontexte, die um Fragen von Wissen und Wahrnehmung, um koloniale Hinterlassenschaften, Machtstrukturen und den Umgang mit Fremdheit kreisen. Die Montage stellt Bezüge zwischen geografisch und zeitlich voneinander unabhängigen Situationen her, die gleichzeitig stattfinden.
Buch, Kamera, Schnitt & Regie: Lea Hartlaub; Produzentin: Meike Martens (Blinker Filmproduktion); Real Fiction Filmverleih; © 2026.
Der Naturdokumentarfilm von Mark Verkerk illustriert, erzählt aus der Perspektive eines erfahrenen Tauchers und Unterwasserkameramanns das Geschehen in der Nordsee in seiner ganzen Vielfalt: von den wilden Gewässern bei den schottischen Inseln über das flache Delta der Niederlande bis zu den zerklüfteten Fjordküsten Norwegens. Es ist eine spektakuläre Reise durch eines der unerforschtesten und rauesten Meere Europas zwischen tosenden Wellen und geheimnisvollen Tiefen – mit eindrucksvollen Bildern, seltenen Tierbegegnungen und berührenden Geschichten aus einer maritimen Welt, die sich schon seit einer Weile im Wandel befindet.
Buch & Regie: Mark Verkerk; Produzenten: Klaudie Bertelink, Ignas van Schaick (Dutch Maritime Prod./Ems Films/M&N media group); Kamera: Peter van Rodijnen, Dick Harrewijn; Schnitt: Helen Delachaux, Mark Verkerk; Filmverleih mindjazz; © 2026.
Der palästinensische Filmemacher Kamal Aljafari stößt bei der Sichtung seines Archivs auf drei MiniDV‑Kassetten, die er im Jahr 2001 in Gaza aufgenommen hat. Die Aufnahmen entstanden während einer Reise, auf der er nach einem Mann suchte, den er 1989 im Gefängnis kennengelernt hatte. Sein ortkundiger Begleiter war damals Hasan, der ihn durch den Norden und Süden des Gazastreifens führte. Die flüchtigen Eindrücke, die Aljafari damals von Straßen, Landschaften und alltäglichen Begegnungen aufnahm erinnern nun an Orte, die durch Krieg und Zerstörung ausgelöscht wurden, aber als Erinnerungen in diesen Bildern weiterbestehen – als filmisches Mosaik, das persönliche Erinnerung mit dokumentarischer Beobachtung verbindet und Verlust und Vergänglichkeit reflektiert.
Buch, Kamera, Schnitt, Regie & Ton: Kamal Aljafari; Buch/Konzept: Kamal Aljafari in Zusammenarbeit mit Hasan Elboubou; Produktion: Kamal Aljafari Productions; Verleih Grandfilm; © 2026.
Der Film von Günter Moritz berichtet über Aussteiger aus der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas, die in Interviews von ihrer Kindheit in einem streng kontrollierten System von sexualisierter Unterdrückung und von der Zeit nach dem Ausstieg berichten. Der Film will kein Anklagefilm sein, sondern ein respektvolles Porträt von Menschen, die den Mut fanden, die Gemeinschaft zu verlassen und sich selbst neu zu finden. Es geht um existentielle Fragen, die allen Opfern religiösen Fanatismus gestellt werden können: Was bleibt, wenn man alles hinter sich lässt, was man einmal für Wahrheit hielt?
Idee & Interviews: Andreas Reiners; Regie: Günter Moritz, Produzent:in: Günter Moritz, Monika Agler (TeamWerk Die Filmproduktion); Kamera: Christopher Krehahn, Dirk Schwarz; Schnitt: Monika Agler; © 2026.
Beiträge zu den Dokus, die im November angelaufen sind, finden Sie hier:
→ zu den Kinostarts vom Februar