Der diesjährige Roman Brodmann Preis wurde am 24. April 2026 in Berlin an die Regisseurin Hélène Lam Trong für ihren Fernsehdokumentarfilm INSIDE GAZA (72 Min.) vergeben. Zusammen mit dem Produzenten Yann Ollivier (Docs & Factstory AFP Group) und dem AFP-Fotografen Mohammed Abed, einem der Protagonisten von INSIDE GAZA, nahm die Filmemacherin die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen. Das Preisgeld stiftet sie einem Hilfsfond für die Familien der in Gaza tätigen Journalist:innen.
Medienpolitisches Roman Brodmann Kolloquium
Die Preisverleihung und das vorangehende Roman Brodmann Kolloquium standen 2026 unter dem Thema: „Autokratismus, Kulturkampf, Desinformation! Stirbt die Demokratie?“ Zur Eröffnung sprach der Medienwissenschaftler, freie Autor und Forscher Dr. Simon Strick (Autor von „Rechte Gefühle: Affekte und Strategien des digitalen Faschismus“). In seiner Keynote heißt es u. a.: „Ich möchte dem Begriff „Kulturkampf“ noch eine andere Wendung geben. Dazu verlasse ich die Tagespolitik und komme zu den Bildern, die die nominierten Dokumentarfilme uns zeigen. Denn diese Bilder kämpfen. Sie kämpfen natürlich gegen das Schweigen, gegen das Nicht-Hinsehen.
Wir müssen uns Zeit nehmen für diese Filme, denn sie zeigen eine komplexere Zeit als die Tagespolitik. Sie zeigen Orte und Personen vor, während und nach der Katastrophe – ob damit ein versuchter Mord oder Völkermord, Besatzung, Krieg, oder Desinformation gemeint ist. Aber die Bilder kämpfen dabei auch gegen andere Bilder. Die Bilder aus Butscha im Film SPLITTER AUS LICHT stehen gegen die Propaganda Putins. Die Bilder und Gespräche in WAS AN EMPFINDSAMKEIT BLEIBT kämpfen mit der kollektiven Verdrängung von Femiziden in Deutschland. Der Film INSIDE GAZA zeigt neben vielen bisher ungesehenen Bildern jene Kinderleiche, an deren Echtheit die Weltöffentlichkeit gezweifelt hat, weil die israelische Regierung von einer Puppe gesprochen hatte. Auch Roman Brodmanns Film von 1967 [DER POLIZEITSTAAT] zeigte bereits einen solchen Krieg der Bilder und der Medien: Die Tribunale der Studierenden über Menschenrechtsverletzungen standen im Kampf mit der hetzerischen Vorverurteilung der Bild-Zeitung, die vom „linken Terrormob“ schrieb. Vor der Deutschen Oper wurden die Plakate der iranischen Royalisten zu Schlagstöcken gegen die Studierenden und ihre Transparente. Brodmanns Film zeigte damit einen zentralen Vorgang unserer andauernden Gegenwart: Aus Bildern werden Waffen. Im Englischen gibt es dazu den guten Begriff der Weaponization of Images.”
Im anschließenden Panel diskutierten Lars Hendrik Beger (Kulturjournalist DLF), Ann-Katrin Müller (Politikjournalistin DER SPIEGEL), Lorenz Blumenthaler (Amadeu Antonio Stiftung), Dr. Katja Muñoz (Senior Fellow, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.) mit Moderatorin Katharina Thoms (Hauptstadtkorrespondentin DLF). Im Panel „Produzieren und Berichten in Kriegs- und Krisenzonen“ waren die Gäste: Mila Teshaieva (Regisseurin), Marcus Lenz (Produzent), Mohammed Abed (Fotograf), Yann Ollivier (Produzent) und Christian Mihr (Geschäftsführer Reporter ohne Grenzen). Die Moderation hatte Dr. Leonard Novy (Autor und Politikberater)
Gewinnerfilm 2026 INSIDE GAZA
Die abendliche Preisverleihung wurde wie in den vergangenen Jahren durch die Roman-Brodmann-Rede eingeleitet. 2026 wurde sie von dem Journalisten, Filmemacher, Produzenten und Buchautor Gero von Boehm gehalten.
Übergeben wurde der Preis von der Tochter des Namensgebers, Sibylle Hanau-Brodmann, und der dreiköpfigen Jury, die den Gewinnerfilm aus den zehn Finalisten der Shortlist gewählt hat. Die Jurorinnen 2026 sind: Steffi Niederzoll, Drehbuchautorin, Regisseurin und Trägerin des Roman Brodmann Preises 2023 (für den Kinodokumentarfilm SIEBEN WINTER IN TEHERAN), Monika Preischl, Archive Producer und Mitwirkende an zahlreichen Fernseh- und Kinodokumentarfilmen, sowie Chiara Sambuchi, Journalistin, Filmemacherin und Vorstandsmitglied in der AGD DOK.
Im prämierten Dokumentarfilm INSIDE GAZA (ARTE France) beleuchtet Regisseurin Hélène Lam Trong die Erfahrungen eines Reporterteams der Agentur France Presse (AFP), das seit Beginn des Gaza-Kriegs im Palästinensergebiet festsaß. Erst im Februar 2024 konnten die sieben Journalist:innen ausreisen. Bis dahin dokumentieren sie das Leid der Zivilbevölkerung unter schwersten Bedingungen. Gleichzeitig erleben sie, dass die von ihnen gemachten Aufnahmen von westlichen Medien in Frage gestellt werden und von pro-israelischen Lobbygruppen als gefälscht diffamiert werden. Die Laudatio der Roman-Brodmann-Jury führt u. a. aus:
„In einer eindringlichen Montage erzählt der Dokumentarfilm nicht nur das Drama, die einzigen Zeug:innen einer erschütternden Brutalität zu sein – einer Welt, die unter Bomben zerbricht, in der Freund:innen, Kolleg:innen und Familienangehörige sterben. Er erzählt auch von der Erschöpfung und Einsamkeit von Reporter:innen sowie von ihrem unbeirrbaren Willen, weiter zu berichten und ihrer journalistischen Aufgabe gerecht zu werden.“
Nach der Preisübergabe wurde INSIDE GAZA in ganzer Länge gezeigt. Im anschließenden Q&A gaben die Regisseurin Hélène Lam Trong, der Produzent Yann Ollivier sowie der inzwischen in Belgien lebende Fotograf Mohammed Abed Auskunft über die Entstehung des Films und die Arbeitsbedingungen von Presseangehörigen in der Kriegszone. Chiara Sambuchi führte das Gespräch.
Der ROMAN BRODMANN PREIS 2027 wird vom Haus des Dokumentarfilms im November 2026 ausgeschrieben.
Kooperationspartner des Hauses des Dokumentarfilms sind seit Bestehen des Roman Brodmann Preises die Landesvertretung von Rheinland-Pfalz beim Bund sowie der Sender ARTE. 2026 waren zum wiederholten Male Reporter ohne Grenzen (RSF) und der DJV Berlin-JVBB Kooperationspartner.
Pressematerial
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Ansprechpartnerin für Roman Brodmann Preis & Kolloquium:








