Vom 03.09.–30.09.26 laufen dreizehn Dokumentarfilme im Kino an. Mit dabei sind EIN NOBODY GEGEN PUTIN, ALBRECHT WEINBERG – ES IST IMMER IN MEINEM KOPF und KITKAT CLUB – KINKS OF BERLIN.
WHERE THE WAVES TOOK HER dokumentiert Jana Stallein den ersten, hochemotionalen Einsatz Hebamme Anne-Katrin Klotzsch auf einem Seenotrettungsschiff im Mittelmer. Die Berlinerin leistet in einer improvisierten Bordklinik medizinische und psychologische Nothilfe unter psychischem und physischem Dauerstress.
In geschützten Räumen an Bord brechen die geretteten Frauen ihr Schweigen. Der Film thematisiert dadurch die grausamen Fluchtursachen und Erlebnisse, darunter geschlechtsspezifische Gewalt, Folter und Zwangsprostitution in libyschen Internierungslagern.
Neben den dramatischen Rettungsaktionen thematisiert der Film die traumatischen Fluchtursachen wie geschlechtsspezifische Gewalt und Zwangsprostitution in libyschen Internierungslagern.
In SAME SUN – MIT DEM FAHRRAD DURCH AFRIKA begeben sich die Filmemacherinnen Fabienne Engel und Wiebke Lühmann auf eine außergewöhnliche Extremreise aus einer zutiefst persönlichen Perspektive. Sie zeichnen den Weg von Wiebke Lühmann nach, deren Leben auf einer 20.000 Kilometer langen Radtour quer durch 22 afrikanische Länder von extremen Naturgewalten und inneren Grenzen geprägt wird.
Ihre Reise auf der Suche nach Unabhängigkeit geht von Deutschland bis ans Kap der Guten Hoffnung. Ihre Geschichten verweben sich mit den Begegnungen am Straßenrand, die die Vielfalt des Kontinents greifbar machen. Die Kamera fängt dabei die unerbittliche Erschöpfung ebenso ein wie Momente tiefer Verbundenheit.
Darüber hinaus geht der Film auch der Frage nach, wie eine Frau allein auf sich gestellt Ängste überwindet und gesellschaftliche Rollenbilder aufbricht. Dadurch entwickelt sich SAME SUN zu einer persönlichen Auseinandersetzung über Freiheit, Mut und die verbindende Kraft des Reisens.
Regie: Philipp Fussenegger
In KITKAT CLUB – KINKS OF BERLIN ergründet die Regisseur Philipp Fussenegger die verborgenen Lebensrealitäten der berüchtigten Berliner Hedonismus-Szene aus unterschiedlichen Perspektiven. Er zeichnet die Lebensgeschichten verschiedener Menschen, deren Alltag und Nächte durch die Suche nach Freiheit, Identität und sexueller Selbstbestimmung geprägt werden.
Der KITKAT steht für radikale Offenheit, den Ort, an dem gängige Tabus aufgebrochen werden. Der Film erzählt von den Erfahrungen der Drag-Künstler, BDSM-Paaren und Gründer:innen des legendären Clubs. Die Kamera fängt in kontrastreichen Bildern sowohl den rauschhaften Exzess der Partys als auch verletzliche Momente abseits der Tanzfläche greifbar ein.
Der Film befasst sich mit den Veränderungen von Freiräumen in einer kommerzialisierten Umgebung und den Grenzen des Konsenses. KITKAT CLUB – KINKS OF BERLIN behandelt auch Aspekte der gesellschaftlichen Akzeptanz, der individuellen Freiheit sowie der Identität im urbanen Raum.
Regie: Güner Yasemin Balcı und Jesco Denzel
ALBRECHT WEINBERG – ES IST IMMER IN MEINEM KOPF porträtiert das Regieduo Güner Yasemin Balcı und Jesco Denzel das Leben und das unermüdliche Engagement eines der letzten Zeugen der Shoah.
Sie zeichnen die Lebensgeschichte des über 90-jährigen Albrecht Weinberg, dessen Alltag und Erinnerungen bis heute durch das Grauen der nationalsozialistischen Konzentrationslager geprägt sind.
Im Mittelpunkt steht sein unermüdlicher Kampf gegen das Vergessen, den er durch Gespräche mit der jüngeren Generation führt. Seine Erlebnisse verweben sich mit den Fragen heutiger Schülerinnen und Schüler, für die seine Erzählungen die Vergangenheit greifbar machen. Die Kamera fängt dabei sowohl die schmerzhafte Last der traumatischen Erinnerungen als auch Weinbergs bewundernswerte Lebenskraft ein.
Gleichzeitig fragt der Film, wie Erinnerungskultur in einer Zeit ohne lebende Zeitzeugen fortbestehen kann und welche Verantwortung die Gesellschaft trägt. Dadurch entwickelt sich ALBRECHT WEINBERG – ES IST IMMER IN MEINEM KOPF zu einer persönlichen und zugleich hochpolitischen Auseinandersetzung über Versöhnung, Wachsamkeit und die Pflicht des Gedenkens.
UND ES WAR SOMMER – DIETER THOMAS KUHN & BAND dokumentiert das Phänomen der erfolgreichsten deutschen Schlager-Kultband aus einer ganz besonderen Perspektive. Regisseurin Juliane Sauter zeichnet die Lebensgeschichte und die über dreißigjährige Karriere der Musiker, deren Alltag durch schrille Kostüme, gigantische Open-Air-Konzerte und eine treue Fangemeinde geprägt ist.
Der Film fängt die besondere Atmosphäre der Konzerte auf, bei denen Generationen friedlich miteinander feiern. Die Geschichten der Bandmitglieder verweben sich dabei mit den persönlichen Erlebnissen ihrer Fans, deren Leben und Freundschaften durch die Musik maßgeblich beeinflusst wurden. Die Kamera begleitet sowohl den farbenfrohen, rauschhaften Ausnahmezustand vor der Bühne als auch die ruhigen, reflektierten Momente hinter den Kulissen.
Der Film führt auch vor Augen, dass diese nostalgische Musik in einer zunehmend komplexen Welt als emotionaler Zufluchtsort dient und hebt die verbindende Kraft des Schlagers hervor.
Regie: Christophe Cotteret
In DISUNITED NATIONS – DIE UNO UND DER NAHE OSTEN skizziert Regisseur Christophe Cotteret das komplexe Geflecht der internationalen Diplomatie und die Rolle der Weltgemeinschaft im Nahen Osten. Er zeichnet die historischen und aktuellen Bruchlinien eines Konflikts, dessen Dynamiken über Jahrzehnte hinweg von geopolitischen Interessen, blockierten UN-Resolutionen und diplomatischem Stillstand geprägt wurden.
Das Hauptaugenmerk liegt auf dem chronischen Versagen des UN-Sicherheitsrates angesichts eskalierender Gewalt und humanitärer Krisen. Die Analysen verbinden sich mit exklusiven Interviews von Diplomaten, Historikern und Augenzeugen vor Ort, die das Spannungsfeld zwischen idealistischem Völkerrecht und brutaler Realpolitik greifbar machen. Die Kamera fängt dabei in investigativen Aufnahmen und dichten Archivbildern sowohl die sterile Atmosphäre internationaler Verhandlungssäle als auch die direkten Folgen der Beschlüsse für die Zivilbevölkerung ein.
Zudem geht der Film der Frage nach, ob die Vereinten Nationen in ihrer heutigen Struktur überhaupt noch in der Lage sind, globale Krisen zu lösen.
Regie: Daniela Michel und Alexander Kleider
In THE LOVEBOX EXPERIENCE ergründen die Filmemacher Daniela Michel und Alexander Kleider das Phänomen menschlicher Verbundenheit aus einer zutiefst intimen und experimentellen Perspektive. Sie zeichnen die Lebensgeschichten und emotionalen Wege verschiedener Fremder nach, deren Alltag durch Isolation, gesellschaftliche Spaltung und die Sehnsucht nach echter Nähe geprägt ist.
Der Film illustriert die Reise der „Lovebox“ – einer kleinen, kabinenartigen Kunstinstallation, die als geschützter Raum Menschen dazu einlädt, sich jenseits von Vorurteilen zu begegnen. Die Erlebnisse der Teilnehmenden verbinden sich mit ihren Gedanken über Liebe, Verletzlichkeit und das Bedürfnis, gesehen zu werden. Die Kamera fängt in ungefilterten Bildern die anfängliche Skepsis, Momente des Zögerns und die emotionale Nähe zwischen fremden Menschen ein.
Die Dokumentation geht der Frage nach, wie ein aus der Wüste stammendes, partizipatives Kunstprojekt zu einer Antwort auf die Einsamkeit moderner Gesellschaften werden kann. THE LOVEBOX EXPERIENCE befasst sich somit mit den Themen Mitgefühl, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Empathie.
In EIN NOBODY GEGEN PUTIN rücken die Filmemacher David Borenstein und Pawel Talankin den mutigen, ungleichen Kampf eines einfachen Bürgers gegen den mächtigen russischen Staatsapparat in den Fokus. Sie zeichnen in diesem Oscar®-prämierten Dokumentarfilm die Lebensgeschichte eines gewöhnlichen Mannes aus der Provinz, dessen Alltag durch die plötzliche Konfrontation mit politischer Willkür, Korruption und staatlicher Repression geprägt wird.
Der Film folgt dem ungleichen Kampf eines einfachen Bürgers gegen den russischen Staatsapparat. Die Filmemacher schildern die Lebensgeschichte eines Mannes aus der Provinz, dessen Alltag durch die Konfrontation mit politischer Willkür, Korruption und staatlicher Repression geprägt wird.
EIN NOBODY GEGEN PUTIN beschreibt seinen Widerstand, den er trotz persönlicher Risiken im digitalen Raum und auf der Straße organisiert. Seine Geschichte verbindet sich mit den Schicksalen anderer Aktivisten, die in Russland für Demokratie und freie Meinungsäußerung einstehen. Die Kamera fängt in dichten, teilweise verdeckt aufgenommenen Bildern die Bedrohung durch den Geheimdienst und das Handeln der Akteure ein.