MEIN LIEBSTER DOKUMENTARFILM
Reihe in der ARD Mediathek
Welcher Dokumentarfilm bleibt ein Leben lang? In MEIN LIEBSTER DOKUMENTARFILM erzählen Wim Wenders, Hanna Schygulla, Campino, Sandra Maischberger, Fatih Akin, Aelrun Goette, Rosa von Praunheim und andere, welches dokumentarische Filmerlebnis sie persönlich inspiriert und emotional zutiefst berührt hat.
Die 13-teilige Interview-Reihe von Eric Friedler wurde vom Haus des Dokumentarfilms gemeinsam mit dem SWR produziert. Das Setting ist minimalistisch, der Blick der Interviewten geht direkt in die Kamera. Ihre Erinnerungen an Szenen, Bilder und Stimmen erhalten eine Intensität, die keinen Zweifel daran lässt, dass der ausgewählte Film auch ihr eigenes Schaffen und ihre Einsichten in gesellschaftliche Zusammenhänge geprägt hat.
MEIN LIEBSTER DOKUMENTARFILM ist ein Plädoyer für ein Genre, das Wirklichkeit nicht nur abbildet, sondern grundlegend reflektiert. Die Reihe lädt ein, Klassiker wie „Nacht und Nebel”, „Shoah”,„Dont Look Back” oder „When We Were Kings” wieder anzuschauen und jüngere Filme wie „Bowling for Colombine” oder „Soundtrack to a Coup d’Etat” neu zu entdecken.
Wim Wenders über SANS SOLEIL von Chris Marker
Der Dokumentarfilm “Sans Soleil” (“Unsichtbare Sonne”) folgt einer Erzählerin, die aus Briefen eines reisenden Kameramanns vorliest. So entsteht eine lose verknüpfte, essayistische Reise durch Japan und zu afrikanischen und anderen Schauplätzen. Der Off-Text reflektiert über Erinnerung, Geschichte und die Flüchtigkeit von Bildern. Der französische Regisseur Chris Marker montiert Alltagsbeobachtungen zu einer poetischen Reflexion über Zeit, Wahrnehmung und das, was Bilder in uns auslösen. Wim Wenders beschreibt Markers filmischen Essay als Gedankenspaziergang durch Kontinente und Erinnerungen. Ihn beeindruckt, wie “Sans Soleil” die Grenzen des Dokumentarischen sprengt – nicht durch Spektakel, sondern durch Haltung: neugierig, offen, radikal subjektiv. “Sans Soleil” zeige, dass Dokumentarfilm nicht nur Wirklichkeit festhalten, sondern auch Denken sichtbar machen kann.
Aelrun Goette über DER GANZ GEWÖHNLICHE FASCHISMUS von Michail Romm
Der Dokumentarfilm DER GEWÖHNLICHE FASCHISMUS von 1965 analysiert der sowjetische Filmemacher Michail Romm anhand von NS-Propagandamaterial die Entstehung, Mechanismen und Alltagserscheinungen des Hitlerfaschismus. Regisseurin Aelrun Goette (“Die Kinder sind tot”; “In einem Land, das es nicht mehr gibt”) ist beeindruckt vom Zusammenwirken der Bilder, dem schneidendem Kommentar und bitterem Humor, mit denen Romm die Mechanismen von Propaganda und Verführung offenlegt. Er bleibt nicht bei historischen Fakten stehen, sondern zeigt, wie Gleichschaltung entsteht – im Alltag, in Bildern, in Sprache. Für die in der DDR aufgewachsene Filmemacherin Goette wurde das Werk des sowjetischen Regisseurs Warnsignal und filmische Schule zugleich: mutig im Ton, präzise in der Montage, und erschreckend aktuell.
Fatih Akin über WHEN WE WERE KINGS von Leon Gast
Der Dokumentarfilm “When We Were Kings” erzählt, wie Muhammad Ali 1974 im legendären Boxkampf “Rumble in the Jungle” gegen George Foreman antritt. Regisseur Leon Gast zeigt dabei die Vorbereitung, die politische Atmosphäre in Zaire und Alis besondere Beziehung zu den Menschen in Afrika. Für Fatih Akin (“Gegen die Wand”, “Auf der anderen Seite”) ist das Oscar-gekrönte Werk mehr als ein Sportfilm. Er verknüpft Boxen, Musik, Politik und die Geschichte afroamerikanischer Selbstermächtigung zu einem Ereignis mit epochaler Kraft. Akin beschreibt die Energie der Bilder, den Sound, die Spannung im Ring vor dem Gong. Nebenbei verrät Akin ein persönliches Ritual: Bevor er Dreharbeiten für eigene Filme beginnt, schaut er “When We Were Kings” an, um sich zu erden und zu motivieren. Für Akin beweist dieser Klassiker, wie Kino Charisma, Zeit- und Weltgeschichte in einem Moment bündeln kann.
Volker Schlöndorff über NACHT UND NEBEL von Alain Resnais
Der Dokumentarfilmklassiker “Nacht und Nebel” des französischen Regisseurs Alain Resnais reflektiert die Schrecken und Gräueltaten der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Er verknüpfte für seinen Film von 1956 Aufnahmen, die Alliierte 1945 bei der Befreiung drehten, und Bildmaterial der Museen von Majdanek und Auschwitz mit Sequenzen, die die Lager ein Jahrzehnt später zeigen. Für Volker Schlöndorff ist “Nacht und Nebel” ein frühes, erschütterndes Mahnmal gegen das Vergessen. Er schildert, wie er den Film als Austauschschüler in Frankreich sah. Im Kino war er unter Hunderten französischen Schülern der einzige Deutsche. Diese Erfahrung, sagt er, habe sein Verständnis von Verantwortung und Erinnerung geprägt. Im Interview geht es um die Macht der Bilder, Scham und Aufklärung – und wie Dokumentarfilm Zeitgeschichte so erzählt, dass sie der Gegenwart zugehörig bleibt.
Sandra Maischberger über SOUNDTRACK TO A COUP D’ETAT von Johan Grimonprez
“Soundtrack to a Coup d’Etat” zeichnet als dichte Collage aus Archivmaterial nach, wie die Ermordung des ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten des Kongo, Patrice Lumumba, geopolitische Machtkämpfe und die Entsendung schwarzer Jazzmusiker aus den USA in das junge afrikanische Land in den 1960er Jahren ineinandergriffen. ARD-Talkmasterin und Produzentin Sandra Maischberger erzählt, wie der belgische Medienkünstler Johan Grimonprez im Oskar-nominierten Dokumentarfilm von 2024 Jazz und Zeitgeschichte durch Rhythmus und überraschende Schnitte zu einem elektrisierenden Sog verbindet. Sie fühlte sich emotional überwältigt und zugleich journalistisch informiert. Besonders in Erinnerung bleibt ihr eine Szene mit der südafrikanischen Sängerin und Kämpferin gegen die Apartheid Miriam Makeba, in der sich für sie die ganze Tragödie und Kraft dieser Geschichte bündeln.
Andres Veiel über SHOAH von Claude Lanzmann
Claude Lanzmanns “Shoah” (1985) ist ein Meilenstein der Filmgeschichte. Für den neunstündigen Dokumentarfilm besuchte er die Tatorte der industriellen Massenvernichtung der europäischen Juden. Den dort gedrehten Bildern stellt er eindringliche Interviews mit Überlebenden, Zeugen und Tätern gegenüber. “Shoah” verzichtet auf Archivbilder – und wird gerade dadurch unerträglich nah. Regisseur Andres Veiel (“Black Box BRD”, “Riefenstahl”) spricht über die Wucht dieses Werks und ethische Fragen, die es stellt: Wie erzählt man das Unfassbare, ohne es zu bebildern? Veiel beschreibt “Shoah” als unverrückbaren Bezugspunkt der eigenen filmischen Arbeit, als Film, der Verantwortung verlangt: vom Publikum wie von denen, die dokumentieren. Ein Gespräch über Trauma und Erinnerung, über Zuhören als filmische Methode und über die Kraft des Dokumentarfilms, Geschichte in die Gegenwart zu holen.
Campino über BUENA VISTA SOCIAL CLUB von Wim Wenders
Der Frontmann der “Toten Hosen” Campino hat sich für die Interview-Reihe den Dokumentarfilm “Buena Vista Social Club” ausgewählt. Darin sucht Wim Wenders eine Truppe von gerade international bekannt gewordenen Altmeistern der kubanischen Musik in Havanna auf. “Buena Vista Social Club” war Dank des US-amerikanische Musikers Ry Cooder weltweit zur Marke geworden. In Wenders’ Film begegnen uns die Ensemble-Mitglieder als Lebenskünstler und echte Persönlichkeiten. Sie berichten vom Alltag in einem von Umbruch und einer tiefen Wirtschaftskrise gezeichneten Land, doch besonders von ihrer unerschütterlichen Liebe zur Musik. Berührt ist Campino vor allem von der Würde dieser Künstler, von ihrer Leidenschaft ohne Pose und Stolz. Für den Sänger der “Toten Hosen” ist “Buena Vista Social Club” eine Hommage an die kubanische Kultur – und ein Film über die verbindende Kraft der Musik.
Rosa von Praunheim über ÜBERLEBEN IN NEW YORK von Rosa von Praunheim
Rosa von Praunheim (gestorben 2025) blickt auf seinen eigenen Dokumentarfilm “Überleben in New York” (1989) zurück. Er erzählt von seinen Protagonistinnen, drei jungen deutschen Frauen, die im New York der 1980er Jahre zwischen Armut, Kriminalität und Schicksalsschlägen ihren Platz suchen. Von Praunheim berichtet von den Dreharbeiten auf 16 Millimeter, vom Tempo der Stadt und von Begegnungen, die sich ihm eingebrannt haben. Im Gespräch wird spürbar, wie sehr ihn der Mut und der Erfindungsgeist seiner Protagonistinnen beindruckt haben, und was ihn persönlich am Dokumentarischen antreibt: nämlich Nähe zu wagen, die Wirklichkeit auszuhalten und Menschen nicht auf Schemata zu reduzieren.
Hanna Schygulla über „EINE GESCHICHTE ÜBER DEN WIND von Joris Ivens
Hanna Schygulla spricht in der Interview-Reihe über den Dokumentarfilm “Eine Geschichte über den Wind”. Darin habe der niederländische Regisseur Joris Ivens auf einer Reise durch China ein poetisches Werk erschaffen, das über das Leben, Kunst und die Verbindung zwischen Natur und Mensch reflektiere. Ivens filmische Suche nach dem Wind zeichne die Volksrepublik Ende der 1980er Jahre als ein Land zwischen Tradition und Moderne, Legenden und Mythen, zwischen Ironie und Staunen. Ivens war zur Zeit der Dreharbeiten bereits neunzigjährig. Schygulla beschreibt, wie die chinesische Bürokratie ihn zwingt, selbst Teil seiner Filmerzählung zu werden. Wie er in Ermangelung von Drehgenehmigungen zu überzeichneten Inszenierungen Zuflucht nimmt. Diese Mischung aus Verzweiflung und Leichtigkeit mache “Eine Geschichte über den Wind” zu einem Kunstwerk, das nicht belehre, sondern den Blick öffne.
Gero von Boehm über BOWLING FOR COLOMBINE von Michael Moore
Journalist und Dokumentarfilmregisseur Gero von Boehm spricht über den US-amerikanischen und Oscar-prämierten Dokumentarfilm “Bowling for Columbine” (2002). Ausgehend von dem Schulmassaker im Jahr 1999, bei dem zwei Amokläufer an der Columbine High School zwölf Mitschüler, einen Lehrer und sich selbst erschossen, geht Filmemacher Michael Moore darin den Ursachen von Waffengewalt in den USA nach. Von Boehm fasziniert Moores unkonventionelle Herangehensweise: provokant, humorvoll, manchmal unbequem – und dabei erzählerisch so klar, dass komplexe Zusammenhänge verständlich werden. Im Gespräch geht es um Verantwortung im Dokumentarfilm: Wie nahe darf man dran sein? Und wie wird aus Empörung ein Film, der Debatten auslösen kann und nicht nur schockieren will?
Hella Wenders über DONT LOOK BACK von D. A. Pennebaker
“Dont Look Back” von D. A. Pennebaker begleitet Bob Dylans auf einer turbulenten Englandtournee und zeigt den Singer-Songwriter als von Medien, Fans und Ruhm getriebenen Künstler. Filmemacherin Hella Wenders (“Berg Fidel – Eine Schule für alle”) schwärmt von dem Dokumentarfilmklassiker aus dem Jahr 1967. Der amerikanische Filmemacher D.A. Pennabaker ist stets nah dran, rau, ungefiltert. Wenders beschreibt, wie seine Handkamera von intimen Momenten in Hotelzimmern, Backstage und beim Song-Texten an der Schreibmaschine unmittelbares Miterleben erzeugt. Für sie war der Film als Studentin ein Aha-Erlebnis: Direct Cinema als Haltung – beobachten, nicht erklären. Hella Wenders ist überzeugt, dass “Dont look back” bis heute nachhallt: nicht nur als Porträt eines begnadeten Musikers, sondern als Blaupause für die Ästhetik moderner Musikvideos.
Stephan Lamby über THE WAR ROOM von Chris Hegedus und D. A. Pennebaker
Journalist und Dokumentarfilmer Stephan Lamby (“Nervöse Republik – Ein Jahr Deutschland”) spricht über “The War Room” (1993) von D. A. Pennebaker und Chris Hegedus. Lamby schildert den Film als authentischen Blick in den amerikanischen Politikbetrieb und als Schule des politischen Dokumentarfilms. “The War Room” führt 1992 in Bill Clintons Wahlkampfzentrale und beobachtet, wie Spindoktoren dort Strategien entwickeln, Krisen managen und Botschaften zuspitzen. Lamby erklärt, warum ihn der Film fasziniert und zugleich beunruhigt habe: weil es den Regisseuren gelungen sei, allein durch die Kamera-Beobachtung Politiker-Versprechen und -Auftritte als mediale Inszenierung, die auch in moralische Grauzonen führe, zu entlarven. Für Lamby zeigt “The War Room”, was Journalismus leisten kann, wenn er Macht nicht nur kommentiert, sondern sich dokumentierend in ihren “Maschinenraum” begibt.
Doris Metz über „DIE GROßE EKSTASE DES BILDSCHNITZERS STEINER von Werner Herzog
Doris Metz spricht über “Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner” ein Filmporträt des Schweizer Skispringers und Holzschnitzers Walter Steiner, das Werner Herzog 1974 drehte. “Filme machen ist ein Unterfangen auf Leben und Tod.” Mit diesem Satz von Herzog beginnt für Doris Metz (“Petra Kelly – Act Now!”) eine lebenslange Faszination. “Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner” sei ein Film, der die Grenzen menschlichen Muts und körperlicher Belastbarkeit auslotet. Regisseur Herzog beobachtete Walter Steiner bei Wettbewerben in Oberstdorf und Planica -zwischen Triumph, Angst und Lebensgefahr. Doris Metz beschreibt die hypnotische Kraft von Herzogs Bildern, etwa von damals noch neuen Zeitlupen, und wie Herzog den Sport in eine Erzählung über Träume und Grenzen verwandelt habe. Für sie sei der Film auch ein Selbstporträt des Regisseurs: kompromisslos, poetisch, riskant.









Haus des Dokumentarfilms und Haus der Geschichte zeigen HOLOFICTION
Das Haus des Dokumentarfilms lädt in Kooperation mit dem Haus der Geschichte anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus zu einer Matinee ein. Gezeigt wird der Film HOLOFICTION (2025) von Michal Kosakowski. Der Regisseur ist für ein Werkstattgespräch zu Gast.
HOLOFICTION – Darstellung der Shoah im fiktionalen Film
In seinem experimentellen Dokumentarfilm hat Kosakowski mit Archivbildern aus mehr als 3.000 fiktionalen Filmwerken, die die Shoah thematisieren und weltweit entstanden sind, ein eigenes neues Werk montiert. Zugleich ist HOLOFICTION (102 Min.) eine eindringliche künstlerische Bestandsaufnahme von seit Jahrzehnten wiederkehrenden Motiven und szenischen Narrativen, auf die Filmschaffende zurückgriffen, wenn sie den Massenmord an Jüdinnen und Juden zum Gegenstand einer fiktionalen Erzählung machten.
Eingeschlagene Schaufensterscheiben, Menschen, die in LKW gedrängt, Waggontüren, die geschlossen werden, zurückgebliebene Koffer, Stacheldrahtzäune, Lederstiefel, Schäferhunde – das Ausmaß an fiktionalisiertem Bildmaterial über die NS-Zeit ist überwältigend. Der Holocaust und der Zweite Weltkrieg gehören zu den am häufigsten verfilmten Ereignissen der Weltgeschichte. Regisseur Kosakowski erklärt in einem Statement, dass Ausgangspunkt seiner Arbeit an diesem Film eine Aussage des französischen Journalisten und Filmemachers Claude Lanzmann war: „Fiktion ist eine Übertretung. Ich bin der Überzeugung, dass bestimmte Dinge nicht dargestellt werden dürfen.“ (Lanzmann 1993 anlässlich der Veröffentlichung von „Schindlers Liste“)
Was vermag Kunst? Was darf Fiktion?
Kann ein Darstellungsverbot legitim sein? Wir fühlen uns unweigerlich an einen Satz von Theodor W. Adorno (1949) über Kunst nach Auschwitz erinnert: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch“ – die wohl bekannteste kulturästhetische Aussage nach dem Zweiten Weltkrieg. Aber auch Impuls für bis heute andauernde Diskurse über das, was Kunst vermag, und über die Kraft der Erinnerung gegen das Vergessen.
Aus dem Spannungsfeld zwischen Lanzmanns Forderung nach einem Darstellungsverbot und der realen Existenz unzähliger fiktionaler Holocaust-Darstellungen begann Kosakowski seine Recherche. Sie mündete in der Konzeption eines filmischen Essays, der ausschließlich aus jenen fiktionalen Bildern besteht, die – gemäß Lanzmanns Haltung – eigentlich niemals hätten entstehen dürfen. Das Prinzip der Montage: Wiederholungen, Parallelitäten, Perspektiv- und Seitenwechsel. So ist neben einer Chronologie des Holocaust auch eine Kategorisierung ikonografischer Muster entstanden. Sie macht sichtbar, wie unsere visuelle Erinnerung an historische Ereignisse konstruiert und immer wieder aufs Neue reproduziert wird. Zugleich lädt HOLOFICTION ein, über zeitgemäße Formen von Erinnerungskultur sowie die Darstellung von Politik, Geschichte und Gewalt in den Medien nachzudenken.
Premiere hatte HOLOFICTION beim Filmfest Venedig 2025. Nach der Aufführung in Stuttgart wird er als nächstes beim International Film Festival Rotterdam 2026 aufgeführt. Die Veranstaltung vom Haus des Dokumentarfilms und dem Haus der Geschichte wird von der Berthold Leibinger Stiftung gefördert.
Preview und Matinée am 25. Januar 2026
Wann: 25. Januar 2026, Matinee 11:00 Uhr/ Einlass ab 10:30 Uhr
Wo: Otto-Borst-Saal, Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart
Im Anschluss an die Vorführung folgt ein Filmgespräch mit Regisseur
Michal Kosakowski
Moderation: Ulrike Becker (HDF)
Der Entritt ist frei.
Anmeldung bis 23.01.2026 erforderlich:
Rückfragen/ Pressematerial: [email protected]
Im Oktober präsentiert das Haus des Dokumentarfilms gemeinsam mit dem Stuttgarter Haus der Geschichte, ARTE und dem Saarländischen Rundfunk (SR) den ersten Teil einer dreiteiligen Doku-Reihe zu deutschen Auswandererschicksalen aus drei Jahrhunderten als exklusive Preview.
Denn seit dem 17. Jahrhundert überquerten Millionen von Deutschen die Meere auf der Flucht vor Hungersnöten, Kriegen, religiöser Verfolgung und wirtschaftlicher Not. In Nord- und Südamerika, Afrika oder Osteuropa hofften sie ein besseres Leben zu finden.
Die Doku-Reihe von Marc Ball und Patrick Cabouat rekonstruiert auf der Grundlage von Reiseberichten und Briefen das Schicksal einzelner Migrant:innen und stellt Flucht und Fluchtgründe in ein neues Licht.
Wann: 21. Oktober 2025, 18:30 Uhr
Einlass ab 18:00 Uhr
Wo: Otto-Borst-Saal, Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart
Im Anschluss an die Vorführung folgt ein Filmgespräch mit Regisseur
Marc Ball und den Historikern William O’Reilly und Helge Wendt.
Moderation: Kerstin Gallmeyer (SR)
Der Entritt ist frei.
Anmeldung bis 20.10.2025 erforderlich:
- Ulrike Becker
Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg und das Haus des Dokumentarfilms setzen ihre Preview-Reihe nach den Sommerferien fort. Im September präsentieren wir in Kooperation mit ARTE und LETsDOK den Dokumentarfilm WELTKARRIERE EINER LÜGE: DIE PROTOKOLLE DER WEISEN VON ZION (80 Min.). Im Anschluss an die Vorführung diskutieren Regisseur Felix Moeller und der BW-Beauftragte gegen Antisemitismus Dr. Michael Blume.
Ein Gerücht wird fabriziert
Sie gehört zu den hartnäckigsten Propagandalügen des 20. Jahrhunderts: die obskure Schrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“. Das Buch wurde 1903 in Russland verfasst, im Laufe der Zeit in unzählige Sprachen übersetzt und mauserte sich zur Bibel von Verschwörungstheoretikern. Es erzählt die Legende eines belauschten Treffens auf dem Prager Friedhof, bei dem Vertreter der Stämme Israels einen Masterplan zur Übernahme der Weltherrschaft und des globalen Finanzsystems sowie zur totalen Kontrolle sämtlicher staatlicher Organe und gesellschaftlicher Strukturen besprochen hätten. Kurz gesagt, die angeblichen Protokolle sind eine Auflistung von krudesten antisemitischen Narrativen.
Das Gerücht geht um die Welt
Dass die Protokolle reiner Schwindel sind, wurde schon Anfang der 1920er Jahre zweifelsfrei nachgewiesen. Dennoch entfalteten sie eine propagandistische Wirkung, die bis in die Sozialen Medien von heute anhält. Sie beeinflussten Diktatoren, Industriebarone und Autokraten – von Adolf Hitler über Henry Ford bis Wladimir Putin – und befeuern auch in der Gegenwart rechtsextremistische und islamistische Netzwerke weltweit. Sie werden im Gründungsdokument der Terrororganisation Hamas ebenso propagiert wie von White Supremacy Communities oder QAnon-Anhängern. Sie animierten Attentäter, wie jene der Anschläge auf die Synagogen von Halle und Pittsburgh.
Antreiber für Verschwörungsmythen und Hasskriminalität
Regisseur Felix Moeller hat sich in seinem neuen Dokumentarfilm (80 Min./rbb/ARTE) die Wirkungsgeschichte der Hetzschrift vorgenommen, nicht nur ihren Einfluss auf offen extremistische Kreise, sondern auch auf gegenwärtige populärkulturelle Trends, deren demokratiegefährdendes Potenzial die Gesellschaft zu verkennen scheint. Ob islamistische Influencer:innen, der Milliardär und Sprücheklopfer Elon Musk, der US-Rapper Kayne West, der Deutsch-Rapper Kollegah oder die Entwickler von Videospielen wie „Hogwarts Legacy“, die Reihe derer, die im kulturellen Mainstream antisemitische Stereotype verbreiten, ließe sich um viele Namen fortsetzen.
Heute bedient sich der Antisemitismus der sozialen Medien. Die Ausmaße, die dort antijüdische Verschwörungserzählungen angenommen haben, sind dramatisch. Erneut dienen die angeblichen Protokolle der Weisen von Zion als Antreiber und rechtfertigen, besonders seit dem 7. Oktober 2023, Hasskriminalität und physische Übergriffe gegen jüdisches Leben.
Warum eine platte Lüge eine solche Medienkarriere hinlegen konnte und immer noch kann, dazu kommen in Felix Moellers Film anerkannte Expert:innen zu Wort, etwa der Journalist Rudy Reichstadt von Conspiracy Watch, die Aktivistin Hanna Veiler (Vorstand Jüdische Studierendenunion Deutschland), die Antisemitismusforscherin Monika Schwarz-Friesel (TU Berlin) und der Politikwissenschaftler Jakob Baier (Universität Bielefeld). Der Film wird im Herbst 2025 auf ARTE ausgestrahlt und ist im Anschuss auf arte.tv abrufbar.
Copyright für alle Abbildungen: © Blueprint Film
ARTE-Preview und Diskussion im Haus der Geschichte
Im Anschluss an unsere Preview findet im Haus der Geschichte eine Diskussion statt, an der neben dem Regisseur Felix Moeller der BW-Beauftragte gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben, Dr. Michael Blume, teilnimmt.
Der Eintritt zur Preview im HdGBW ist frei. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Wann: 28.09.2025
Wo: Stuttgart, Haus der Geschichte, Otto-Borst-Saal
Uhrzeit: 11:00 Uhr / Matinee
Gäste auf dem Podium:
Regisseur Felix Moeller; Dr. Michael Blume, BW-Beauftragter gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben
Moderation: Ulrike Becker
Anmeldung bis 26.09.2025, 12:00 Uhr: [email protected]
Rückfragen: [email protected]
Täglich das Beste vom Dokumentarfilm
Die Redaktion vom Haus des Dokumentarfilms versorgt Sie mit allen wichtigen Infos zu neuen Produktionen im Kino, Fernsehen und Stream. Interviews mit Filmschaffenden, Festivalberichte und Branchennews runden das Angebot ab.
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Neue Dokus – Kinostarts vom 04. - 26. Februar
Vom 05.02.–26.02.26 laufen sieben Dokumentarfilme im Kino an. Mit dabei sind TRIEGEL TRIFFT CRANACH – MALEN IM WIDERSTAND DER ZEITEN, COEXISTENCE, MY ASS sowie ARCHITEKTUR DES GLÜCKS.
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DOK Premiere im Februar: KINOLEBEN - ÜBER DAS TÜBINGER ASENAL UND WEITERE PROGRAMMKINOS
Als Februar DOK-Premiere in Stuttgart, Ludwigsburg und Berlin präsentiert das Haus des Dokumentarfilms den Dokumentarfilm KINOLEBEN von Goggo Gensch in Kooperation mit dem Arsenal Filmverleih.
Haus des Dokumentarfilms
Die Seite dokumentarfilm.info ist ein redaktionelles Angebot des Hauses des Dokumentarfilms (HDF). Ziel des HDF ist es, den dokumentarischen Film zu fördern. Ein umfassendes Bild des Genres liefern Online-Plattformen wie die DOKsite, der jährliche Branchentreff DOKVILLE, die Kinoreihe DOK Premiere sowie Meisterklassen und Workshops.
Dem HDF angegliedert ist zudem die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg, ein einzigartiges Archiv für historische Filme aus dem Südwesten (mehrheitlich Amateuraufnahmen sowie Werbefilme).
Mehr über das Haus des Dokumentarfilms finden Sie auf unserer Homepage und in unserer Broschüre, die Sie mit einem Klick aufs Bild rechts runterladen können.












