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Valentin Thurn: Umdenken ist lebenswichtig

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DOK PremiereDie vom Haus des Dokumentarfilms mit dem Ludwigsburger Kino Caligari veranstaltete »DOK Premiere« - diesmal zu Valentin Thurns Dokumentarfilm »10 Milliarden. Wie werden wir alle satt?« - stieß wieder ein Mal auf riesiges Interesse. Die Veranstaltung war nahezu ausverkauft. Dies lag sicherlich auch am Regisseur, der in der Region sehr bekannt ist und eine regelrechte Fangemeinde hat. Sicherlich aber ebenso an der Unterstützung von Initiativen wie »Gentechnikfreie Landkreise Ludwigsburg und Rems-Murr« und »Greenpeace«, die im Vorfeld auf die Filmvorführung aufmerksam gemacht haben. Thurn wird mit seinem Film und der Kampagne dazu über die Sozialen Netzwerke übrigens auch ein Schwerpunktthema des kommenden Branchentreffs DOKVILLE sein.

Bildhinweis: Aufnahmen der DOK Premiere  mit Valentin Thurn und Kay Hoffmann © Catharina Clausen

Thurn neuer Dokumentarfilm fragt, wie eine zukünftige Weltbevölkerung von zehn Milliarden Menschen ernährt werden kann. Thurn kontrastiert hochindustrielle Konzepte wie genmanipulierter Fisch, damit er schneller wächst, hybrides Saatgut der Konzerne, Fleisch aus dem Labor oder industriellen Gemüseanbau ohne Erde mit weltweiten Initiativen, die sich um eine regionale Versorgung und Artenvielfalt kümmern. Es ist bewundernswert, wie viele Menschen sich weltweit Gedanken darüber machen und wie schnell sich gute Ideen und tragfähige Konzepte wie die solidarische Landwirtschaft verbreiten – über Ländergrenzen hinweg.

Am meisten überrascht hat Thurn bei seinen Dreharbeiten die Afrikanerin Fanny Nanjiwa, die nach dem Verlust ihres Landes durch internationale Konzerne mit dem Anbau vielfältigen Gemüses begann und sich dadurch unabhängig gemacht hat von den Konzernen und dem oft schon genmanipulierten Saatgut. Die Information des ehemaligen Baskeballstars Will Allen, dass 99 Prozent unserer Lebensmittel aus einer Entfernung von über 2000 Kilometer angeliefert werden, sind Zahlen aus den USA. Bei uns liegen keine entsprechenden Zahlen vor, aber viele Lebensmittel haben auch bei uns einen langen Transportweg hinter sich, was durch die Agrarpolitik der EU noch gefördert wird.

Bildhinweis: Aufnahmen der DOK Premiere  mit Valentin Thurn und Kay Hoffmann © Catharina Clausen In der fast einstündigen Diskussion beantwortete der Filmemacher viele Fragen und machte deutlich, wie tief er sich in die Materie eingearbeitet hat. Denn die Lebensmittelproduktion ist vielschichtig und sehr komplex. Es geht sowohl um Ökonomie, Politik und Technik als auch um Macht und Einfluss. Beispielsweise zerstöre die EU mit ihrem Export hochsubventionierter Lebensmittel nach Afrika die dortigen Märkte und damit die Lebensgrundlage vieler Kleinbauern, die mit diesen Preisen nicht konkurrieren könnten. Thurn will keineswegs alle Fragen komplett beantworten, sondern zum Nachdenken anregen. Deshalb hat er die Informationen im Film bewusst reduziert und sich auf sehr anschauliche Beispiele konzentriert.

Thurn ist sich sicher, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann; dass zum Beispiel ein Drittel der Getreideernte weltweit an Tiere verfüttert wird. Viele Konsumenten hätten jeglichen Bezug zu den Produkten und ihrer Herstellung verloren. Hier will der Film Denkanstöße geben. In den vergangenen Jahren hat sich schon einiges verändert. Valentin Thurn fasste in einem Interview seine Ziele so zusammen: »Dem zweifellos vorhandenen Trend zur Nachhaltigkeit will ich das Niedliche, Landlustige nehmen, denn eine Umstellung unserer Ernährung hat weltpolitische Bedeutung. Beispielsweise ist lange unterschätzt worden, welch großen Anteil die Lebensmittelindustrie am Klimawandel hat: Bereiche wie Landwirtschaft, Transport, Verarbeitung und die Veränderung der Landnutzung machen 40 Prozent aus. Wir müssen nicht bei jedem Bissen daran denken, dennoch möchte ich eine gesellschaftliche Debatte anstoßen und eine bestimmte Richtung zeigen – ohne erhobenen Zeigefinger.«


Buchtipp »Harte Kost«


Zum Film »10 Milliarden« ist auch das Buch »Harte Kost. Wie unser Essen produziert wird – Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt« erschienen, das Valentin Thurn mit Stefan Kreutzberger geschrieben hat. Dort werden die Themen noch einmal detailliert behandelt und mit Zahlen unterfüttert.
 

Zumindest ein Viertel der Bevölkerung ist sensibilisiert für diese Themen und hat durch seine Kaufentscheidungen schon einiges bewegt. Die Diskussion und der Film machen Mut, im Kleinen mit Veränderungen anzufangen. So gründete Thurn die Plattform »Taste of Heimat« (www.tasteofheimat.de), auf der es Informationen zu regionalen Erzeugern und saisonalen Produkten gibt.

» Mehr Informationen zu diesem Film:
www.10milliarden-derfilm.de

(Kay Hoffmann)

Bildhinweis: Aufnahmen der DOK Premiere  mit Valentin Thurn und Kay Hoffmann © Catharina Clausen Bildhinweis: Alle Aufnahmen dieser DOK Premiere mit Valentin Thurn und Kay Hoffmann wurden uns freundlicher Weise von Catharina Clausen zur Verfügung gestellt. ZUr Website der Fotografin: www.cc-imaging.de


 

 

 

 

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24. April 2017

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