HDF-Förderpreis 2023 für „Nasim“ von Ole Jacobs und Arne Büttner

Am 30. Juni 2023 wurde in Stuttgart der Deutsche Dokumentarfilmpreis vergeben. Der Hauptpreis, mit 20.000 Euro dotiert, wurde in diesem Jahr geteilt und geht je hälftig an Lea Najjar für „Kash Kash – Without Feathers We Can’t Live“ sowie an Mila Teshaieva und Marcus Lenz für „When Spring Came to Bucha“. Er wird vom Südwestrundfunk (SWR) und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) gestiftet.

HDF-Förderpreis für „Nasim“

Zu den Preisen in den weiteren Kategorien zählt der vom Haus des Dokumentarfilms – Europäisches Medienforum Stuttgart e.V. gestiftete Förderpreis i. H. v. 3.000 Euro. Ihn erhielten die Regisseure Ole Jacobs und Arne Büttner für ihr Langfilmdebüt „Nasim“.

„Als Preisstifter freuen wir uns sehr über die Entscheidung der Jury. Gerade jetzt nach dem EU-Kompromiss zur Asylpolitik ist es wichtig, an die katastrophalen Bedingungen, unter denen Geflüchtete in Lagern leben müssen, zu erinnern.“

Ulrike Becker, Leiterin des HDF

Gestrandet in Moria, dem größten Flüchtlingslager der EU

Jacobs und Büttner drehten im ersten Coronajahr über einen Zeitraum von acht Monaten im griechischen Flüchtlingslager Moria auf Lesbos. Es war das Jahr, in dem das wegen seiner menschenunwürdigen Bedingungen berüchtigte Lager im Spätsommer abbrannte. Die Filmemacher begleiten die aus Afghanistan stammende Geflüchtete Nasim und deren Familie, die nach der Flucht aus dem Iran über die Türkei in Moria gestrandet sind. 

„Der Film konzentriert sich auf das Schicksal dieser Frau, die ihren beiden Söhnen und den Menschen ihrer Umgebung voller Empathie begegnet. Die trotz ihrer Sanftmut aber nicht Opfer der Verhältnisse bleibt. ‚Leichte Brise‘ ist die persische Bedeutung von Nasim. Und so ist auch diese Frau, die sich und ihre Umgebung unaufgeregt in Bewegung bringt, sich mehr und mehr emanzipiert und trotz des entbehrungsreichen Alltags versucht, mit Lebensfreude so gut es geht ein ‚normales‘ Familienleben aufrecht zu erhalten und die alltäglichen Herausforderungen zu meistern. […] Schließlich zerstört ein Großbrand das Lager. Sie und ihre Familie stehen wieder vor dem Nichts. Nasim jedoch gibt nicht auf, kämpft weiter und setzt sich ein für eine Verbesserung ihrer Lage, aber auch für die der anderen Geflüchteten. [Der Film] gibt den vielen anonymen Schicksalen auf der Flucht ein Gesicht.“

Jurybegründung

Plakat NASIM (Rosenpictures)

Weitere Preise

Ferner ausgezeichnet wurden:

  • Wim Wenders mit dem Ehrenpreis fürs Lebenswerk
  • Lutz Pehnert für seinen Film „Bettina“ mit dem Musikpreis des SWR
  • Kristof Gerega für „Generation Euromaidan“ mit dem Publikumspreis der SWR Landesschau, gestiftet von der LFK und der MFG
    (noch bis 14.11.23 in der Mediathek verfügbar)

  Die Aufzeichnung der Preisverleihung ist ab 5. Juli 2023 auf der Website des SWR Doku Festival abrufbar.