„Into The Ice“ eröffnet CPH:DOX 2022

Das Internationale Dokumentarfilmfestival Kopenhagen ist am 21. März 2022 mit der Weltpremiere von „Into The Ice“ und einer Gala eröffnet worden. Der sehenswerte Film stellt eine Auswahl von Wissenschaftler:innen vor, die unter Einsatz ihres Lebens in Grönland forschen.

Grönland, irgendwo im Nirgendwo. Ein riesiges Loch tut sich vor dem Expeditionstrupp auf. Es geht nahezu senkrecht in die Tiefe. Der Boden? Ist nicht in Sicht! Nur Eis. Sehr viel Eis. Unzählige Schattierungen von Blau gehen schließlich in ein schwarzes Nichts über. Doch Alun Hubbard will mit seinem Team trotzdem hinunter, über hundert Meter in die Tiefe. Nur so kann er herausfinden, was wirklich vor sich geht in diesem frostigen Gradmesser für den Klimawandel.

Filmstill aus "Into the Ice" © Lars OstenfeldIn eisiger Lebensgefahr

„Sind wir etwa zu alt für diesen Mist? Finden wir’s raus“, scherzt der Glaziologe noch, bevor er sich über die brüchige Kante in den tiefen, von Schmelzwasser geformten Eistrichter abseilt. In der sogenannten Gletschermühle, in der es bedrohlich knackt und knirscht, sind er und seine Begleiter jederzeit dem Risiko ausgesetzt, dass schwere Eisbrocken oder spitze Eiszapfen sie ernsthaft verletzen oder sogar töten könnten. Doch sie wissen: Es wäre noch viel gefährlicher, sich nicht auf dieses unbekannte Terrain zu begeben und ihre Arbeit zu tun. Denn der Klimawandel betrifft alle und muss dringend vor Ort erforscht und aufgehalten werden.

Forschung für eine bessere Zukunft

Noch basieren die meisten Berechnungen auf Computermodellen, Radarmessungen und Satelittenbildern, was zu gefährlichen Unschärfen bei der Beschreibung des Ist-Zustands und den Prognosen für die Zukunft führen kann. Trotzdem zeigen sie schon jetzt, wie bedrohlich beispielsweise die Meeresspiegel in den kommenden Jahren steigen werden. Ganze Städte und Küstenregionen drohen buchstäblich unterzugehen. Die Arbeit im Eis selbst soll dabei helfen, mehr Klarheit zu schaffen und mögliche Auswege zu finden. „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler riskieren ihr Leben, um besser zu verstehen, was wir tun müssen, um unsere Erde zu schützen. Dabei geht es nicht um die Erde an sich, sondern um das Überleben der Menschheit“, betont Filmemacher Lars Ostenfeld im GEO-Interview.

https://www.youtube.com/watch?v=inTPFADBWt0

Für die dänisch-deutsche Ko-Produktion, die im Hauptwettbewerb DOX:AWARD antritt, hat er neben Alun Hubbard noch weitere Forscher:innen mit der Kamera begleitet. Zu sehen sind u. a. Dorthe Dahl-Jensen oder Jason Box – mal bei ihren Expeditionen, mal zuhause mit der Familie und einmal sogar, als die Nachricht vom Tod eines befreundeten Kollegen eintrifft.

Filmstill aus "Into the Ice" © Lars Ostenfeld

„Into The Ice“: Wissensvermittlung und Charakterstudie

Ostenfeld gelingt der Spagat zwischen Wissensvermittlung und authentischen Charakterstudien – ganz ohne erhobenen Zeigefinger. „Was früher einmal nach Weltuntergangsszenario in einem Science-Fiction-Film geklungen haben mag, wird zunehmend Realität“, hört man ihn am Ende von „Into The Ice“ auf dem Off sagen. „Wir müssen den Wissenschaftler:innen zuhören – denen, die sagen, dass es keine Zeit mehr zu verlieren gibt. Denn die Natur versucht uns etwas Wichtiges mitzuteilen.“

Dreharbeiten zu "Into the Ice" © Caspar Haarlov

Ein Film, dessen Botschaft wie gemacht für diese Zeit ist und dessen beeindruckende Aufnahmen am besten auf der großen Leinwand wirken dürften. „Nach zwei digitalen Ausgaben von CPH:DOX kann ich mir keinen besseren Weg vorstellen, die Rückkehr des Festivals in die Kinos zu feiern, als mit einem Film von solch faszinierender Schönheit und globaler Bedeutung“, schwärmt der künstlerische Leiter des Festivals, Niklas Engstrøm. „Teils Abenteuerfilm, teils wissenschaftliche Forschungsarbeit, teils Aufruf zum Handeln, befasst sich ‚Into The Ice‘ mit der vorherrschenden Krise unserer Zeit und ist zugleich so viel mehr als eine durchschnittliche Klimadoku.“ Ein deutscher Starttermin ist noch nicht bekannt.

Visual CPH:DOX 2022

Bei CPH:DOX gibt es Kinovorstellungen vornehmlich in Kopenhagen (23.3. bis 3.4.) und Online-Screenings ausgewählter Filme mit dänischem Geoblocking (ab 1.4.2022). Einen Blick aufs gesamte Festival wirft der Artikel „Dokumentarfilmfestival CPH:DOX 2022 stellt Programm vor“.