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Dokville - Branchentreff Dokumentarfilm

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Rückblick Dokville 2019: Zwischen Fakt und Fiktion

Zwei Filme, ein Sound Designer. Astrid Beyer sprach mit Markus Krohn

Programmhinweis Dokville - 27. Juni 2019, 13.30-14.15 Uhr im Metropol 2: Markus Krohn im Gespräch zu »Chris the Swiss« mit Anja Kofmel und Marcel Vaid.

 

 

 

Astrid Beyer: Sie haben an zwei Filmen als Sound Designer mitgearbeitet, die in diesem Jahr für den Deutschen Dokumentarfilmpreis nominiert sind. »Chris the Swiss« von Anja Kofmel und »Heimat ist ein Raum aus Zeit« von Thomas Heise. Welche Gemeinsamkeiten sehen Sie bei beiden Produktionen? 

Markus Krohn: Beide Filme sind künstlerische und cineastische Dokumentarfilme mit einem hohen Anspruch auch an die Ästhetik in Bild und Ton. Beide Filme haben persönliche Geschichten der Filmemacher zum Inhalt und in beiden Fällen geht es um geschichtliche Ereignisse in Verbindung mit persönlichem Erleben. In beiden Filmen kommen Protagonisten aus der Vergangenheit »zu Wort« und erzählen über sehr persönliche Erlebnisse und Empfindungen. Sensibilität und Fingerspitzengefühl sind bei der Arbeit also mindestens genauso wichtig wie gestalterische und technische Fragen. Die Filmsprache und die ästhetische Herangehensweise in den beiden Beispielen ist aber sehr unterschiedlich. 

A.B.: Wie haben Sie die Unterschiede auf der Ton- und Musikebene herausgearbeitet? 

M.K.: »Chris the Swiss« zeigt die inneren Zustände des Protagonisten vorwiegend in den Animationen bzw. im Voice Over und verlangte in Ton und Musik die Illustration dieser Emotionen. Die nicht real angelegten Animationen, welche jedoch einen dokumentarischen Hintergrund aufweisen (Notizen, Tagebucheinträge, Gespräche usw.), erforderten ein Experimentieren beim Finden der passenden Textur und Performance der Töne. Die Bildmaterialien unterschiedlicher Herkunft und Qualität zu einem Gesamteindruck auf gesamter Filmlänge zu "verschmelzen" war ein weiteres Ziel der Tonebene. Dabei half uns die enge Zusammenarbeit mit dem Komponisten Marcel Vaid. 

»Heimat ist ein Raum aus Zeit« funktioniert auf eine Weise, in der Assoziationen und ein mehrdimensionales, z.T. philosophisches Zusammenspiel von Bild und Ton, sowie der Off-Stimme eine starke Rolle spielen. Dieses Konzept wurde bereits in der Montage angelegt. Meine Aufgabe hier war hauptsächlich, die angelegten Originaltöne (aufgenommen von Tonmeister Johannes Schmelzer) für die Kinomischung aufzubereiten, sie sensibel zu bearbeiten sowie Töne zu ergänzen, wo es hilfreich und passend war. Die Herausforderung bestand darin, das sensible Spannungsfeld zwischen den drei gestalterischen »Ebenen« Bild, Sprache und Geräusche - welche meist auch 3 inhaltliche Ebenen darstellen, zu unterstützen. Diese Spannung ist wichtig für den Film. Der Eindruck beim Schauen änderte sich deutlich, wenn die Balance dieser Elemente durch z.B. Lautstärke, Eindruck von Realismus in Tönen, zu starke Abstraktion einzelner Töne usw. beispielsweise zu Gunsten einer dieser Ebenen verändert wurde. In Bezug auf Aussage oder Interpretation kann eine Sequenz dann im ungünstigen Fall schwach oder trivial wirken. 

A.B.: Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

 

Tags: dokville