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True Crime: Wie aus einem Versprechen ein Mord in Serie wurde

»Du willst wissen, wie es ausgeht, was passiert.« Marcus Vetter berichtet bei Dokville 2018 von einem besonderen Erlebnis. Der Filmemacher, der seine Filme über Screenings in der letzten Phase des Schnittes vor Testpublikum verdichtet, erntete bei einer Testvorführung von »Der Verdacht« absloutes Interesse, das auch in 150 Minuten nicht gestillt werden konnte.

Zum Programmpunkt »True Crime« ist am zweiten Tag von Dokville 2018 Marcus Vetter zu Gast. Er hat schon viele erfolgreiche Dokumentarfilme gemacht. Aber was er mit »Der Verdacht« erlebte (im Ausland als »Killing for Love« erfolgreich verkauft), war auch für Vetter eine Premiere.

So berichtet er, wie das Thema zwar bei vielen ausländischen Sendeanstalten wie bei der BBC auf grißes Interesse stieß - aber er zugleich die Anforderung hatte, zahlreiche Schnittfassungen und alle in unterschiedlicher Länge herzustellen. Das Ganze war ein kleines Rechenspiel. »Wenn ich nicht eine optimale und fehlerfreie 180-Minuten-Fassung gehabt hätte, hätte das gar nicht funktioniert.« So konnte er zum Beispiel für England eine Serie aus sechs Folge à 30 Minuten Länge machen. In den USA sei im Moment ein Kabelsender daran interessiert, eine Serie aus vier Folgen à 45 Minuten einzusetzen.

In ihrem Dokumentarfilm »Das Versprechen« gehen Filmemacher Marcus Vetter und die Journalistin Karin Steinberger auf die Suche nach der Wahrheit hinter der Realität. Real ist, dass der Deutsche Jens Söring seit über 30 Jahren in den USA in einem Gefängnis sitzt. Real ist auch, dass er als junger Mann einen Doppelmord an den Eltern seiner damaligen Freundin zugab. Doch was ist wahr? Der Film entrollt eine True-Crime-Story und ist doch viel mehr »als nur eine Story« über ein Verbrechen.

Es ist ein Verbrechen aus Leidenschaft, wie es Hollywood nicht besser hätte erfinden können: Ein blutiger Doppelmord in den USA an einem reichen kanadischen Ehepaar; zwei in sexueller Obsession verbundene Verdächtige, die von Amerika nach Europa fliehen und schließlich in England verhaftet werden, wo einer von ihnen, ein junger Deutscher, die alleinige Schuld übernehmen wird. 18 Jahre alt ist Jens Söring, als er den Fehler begeht, der sein Leben und das von allen, die ihn lieben, zerstören wird. Söring will Elizabeth, Tochter des ermordeten Paares, beschützen. Jens vermutet: sie ist die Täterin. Aber er ist jung, blind vor Liebe und, wie er fast ein halbes Menschenalter später sagen wird, überfordert davon, das erste Mal in seinem Leben ein Problem alleine lösen zu müssen.
Söring gesteht, den Doppelmord begangen zu haben. Doch kaum hat er das getan, will Elizabeth, die Frau, die ihn bis eben noch zu lieben vorgab, nichts mehr von ihm wissen. Eiskaltes Kalkül scheint die Triebfeder ihres Planes zu sein. Es folgen zwei spektakuläre Schauprozesse im US-Bundesstaat Virginia, Auftritte eines aggressiven Staatsanwaltes und eines unerfahrenen Verteidigers, Zeugen verschwinden und Entlastungsbeweise werden ignoriert. Am Ende sitzen Jens und Elizabeth hinter Gittern, der Todesstrafe nur knapp entkommen, aber weggesperrt für den Rest ihres Lebens.

Was Marcus Vetter sonst noch zu seinen Erfahrungen mit dokumentarischen Serienthemen hat - inklusive eine perfekten Erklärung, was eigentlich Cliffhanger sind - werden wir nach Dokville in einem Videmitschnitt auf www.dokville.de publizieren.

(Thomas Schneider)

Tags: Dokville 2018

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