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LFS 000743 Goeppinger Wochenschauen still01 c LFSBW webLandesjubiläum Baden-Württemberg 2022

Alle Filme der LFS-Reihe im Überblick

Zum 70-jährigen Jubiläum des Landes Baden-Württemberg hat die im Haus des Dokumentarfilms angesiedelte Landesfilmsammlung (LFS) zwölf kurze Videos erstellt. Sie lassen die Lebensbedingungen im Südwesten vom Kriegsende bis zum beginnenden Wirtschaftswunder lebendig werden. Bis April 2023 können sie hier angesehen werden.

1945 – Kriegsende und Neubeginn

Mit dem Rheinübergang der US-Truppen Ende März 1945 werden auch Baden und Württemberg für circa fünf Wochen direktes Kriegsgebiet. Nach erbitterten Endkämpfen um Ruinen ziehen lange Kolonnen deutscher Soldaten in die Kriegsgefangenschaft. Beim Einmarsch der alliierten Truppen herrscht blankes Chaos in den Innenstädten, öffentlicher Nahverkehr, Wasser-, Strom- und Gasversorgung sind völlig zusammengebrochen. Viele Städte, besonders Pforzheim, Heilbronn, Freiburg u.a. sind schwer zerbombt. Franzosen und Amerikaner werden als Sieger und Besatzer empfunden; Bilder, in denen sie als Befreier gefeiert würden, gibt es kaum.

1946 – Hunger und Hoffnung

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes teilen die alliierten Siegermächte den deutschen Südwesten in drei Nachkriegsländer mit der Autobahn Karlsruhe – Stuttgart – Ulm als Trennlinie. Die Wohnungsnot in den kriegszerstörten Städten ist groß, dazu strömen Geflüchtete und Heimatvertriebene in den Südwesten. Die Industrieproduktion ist 1946 auf ein Drittel der Produktion von 1936 gesunken. Nur der Schwarzmarkt blüht. Lebensmittelrationalisierung und Brennstoffmangel prägen den Hungerwinter 1946/47. Während die französische Besatzungsmacht in den südlichen Landesteilen viel demontiert, sind die Amerikaner in ihrer Zone eher hilfsbereit.

1947 – Besatzer und Besiegte

Zeitgleich mit langwierigen Schutträumarbeiten beginnt der Wiederaufbau. Ein Überleben der US-Zone ist nur durch enorme finanzielle Anstrengungen möglich. Der Marshall-Plan hilft Europa wirtschaftlich wieder auf die Beine.
Die USA verfolgen dabei verschiedene Ziele: humanitäre Hilfe für die hungernde Bevölkerung, neue Absatzmärkte und die Eindämmung des sowjetischen Kommunismus in Europa. Daneben setzten die Amerikaner auf eine Umerziehung zur Demokratie.

1948 – Auf dem Weg zu neuem Leben

In der Westzone führen die Besatzungsmächte per Dekret die Währungsreform durch. Ein Dokument der ungleichen Vermögensverteilung. Während Sach-, Immobilien- und Produktionsvermögen unangetastet bleiben, schrumpft das Spar- und Barvermögen der Bevölkerung von 100 Reichsmark im Endeffekt auf 6,50 DM. Der kleine Sparer ist im Nachteil. Grundnahrungsmittel bleiben rationiert, Lebensmittelkarten bis Frühjahr 1950 in Gebrauch. „Otto Normalverbraucher“ wird zum gängigen Begriff für den Durchschnittsbürger ohne weitere Zulagen oder finanzielle Erleichterungen.

Reiselust

Ausflüge in die Umgebung, Sommerfrische im eigenen Land, Erholung im Schwarzwald und am Bodensee bestimmen die Reisewünsche in den Nachkriegsjahren. Auslandsreisen für Normalbürger sind erst ab 1951 möglich, als die BRD von den Alliierten die Passhoheit zur Ausstellung von Reisepässen zurückerhält. Bezahlte Urlaubstage ab 1955 und die Fünftagewoche ab 1956 schaffen bessere Voraussetzungen für Freizeit und Reisen, außer für die bäuerliche Bevölkerung, die keine geregelte Arbeits- und Urlaubszeit kennt.

1949 – Alteingesessene und Neubürger

Der Südwesten mit seinen neuen wie alten Einwohnern steht in der Nachkriegszeit vor großen Herausforderungen. Einquartierungsmaßnahmen, Wohnen unter Extrembedingungen in Behelfsbauten und Notwohnungen, doch wird auch jede Hand beim Wiederaufbau gebraucht. Der Film „Heimat ist Arbeit“, wirbt 1949 für die Integration der Neubürger. In Oberschwaben erproben Landwirte das Wirtschaften auf genossenschaftlicher Basis „Zehn Bauern unter einem Hut“ begleitet das Experiment im Film.

Sport und Spiel

Lizenzen für Sportvereine werden anfangs nur zögerlich erteilt und sind an Auflagen gebunden. Die NS-Propaganda hatte sich die Sportbegeisterung der Deutschen zunutze gemacht, um die militaristische Ausbildung der Jugend voranzutreiben. In Zukunft soll kein gleichgeschalteter Sport, auch kein Arbeitersport mit Klassenkampfparolen gestattet sein. Die moderne Erziehung zu „maßvoller Körperkultur“ will positiv stärken und zur Völkerverständigung beitragen.

1950 – Neubau-Boom

Ein rasanter Wiederaufbau beginnt zeitgleich mit der Trümmerbeseitigung in den Innenstädten und endet mit Großbauten und Wohnsilos. Die Planer der ersten Stunde suchen nach modernen Konzepten zum Neuaufbau der zerstörten Städte. Manche überlegen, die alte Stadt aufzugeben und auf der grünen Wiese neu anzufangen.
Gelder aus dem Marshallplan werden in den Wiederaufbau investiert. Neue Stadtviertel entstehen mit alternativen Baukonzepten, Notkirchen werden errichtet, Schulen reformiert und neu gebaut, die gesamte Infrastruktur modernisiert und erweitert.

Kinofieber

Das Kino zählt zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen in der Nachkriegszeit. Fast jedes Dorf besitzt einen Kinosaal, die Städte große Lichtspielpaläste, nicht selten bis auf den letzten Platz ausverkauft. Vorstellungen für Jugendliche gibt es am Sonntagnachmittag. In die Hauptvorstellung dürfen nur Besucher ab 18 Jahren. Ein Kinoerlebnis besteht aus Wochenschau, Kulturfilm, Reklame-Dias und Werbefilm, Höhepunkt des Abends ist der Spielfilm. Triumphe feiert der deutsche Heimatfilm, sein Erfolgsrezept: sympathische Hauptdarsteller, keine Rede von der NS-Zeit, ein zwingendes Happyend, viele Bilder von der Heimat und sehr viel Musik.

1951 – Wohlstand für Alle

Stürmisch das wirtschaftliche Wachstumstempo. Bald übersteigen die Exporte erstmals nach Kriegsende die Importe, Lebensmittelmarken und Bezugsscheine für Kleidung, Schuhe u.a. werden abgeschafft. Frühe Einkaufsparadiese laden ihre Kundinnen zur Selbstbedienung ein. Konsumrausch und Fresswelle gehen Hand in Hand. Das amerikanische Wohlstandsmodell vor Augen, erreicht der Technisierungstrend allmählich auch die Privathaushalte.

Feste feiern

Im wiedergewonnenen Frieden erwacht die Lebensfreude. Tanzvergnügen, Feste und Bräuche im Verlauf eines Jahres, eine bunte Mischung mit vielfältigen Gelegenheiten: besinnliche Familienfeiern, ausgelassene Geselligkeit, fröhliche Kinderumzüge. Und alle Jahre wieder… die Fasnet.

1952 – Gründung des Südweststaats

Ein historisches Ereignis: Sieben Jahre nach Kriegsende werden Baden und Württemberg ein Land. Jahrelang wird heftig gestritten, verhandelt und schließlich abgestimmt. Am 25. April 1952 ist es vollbracht. Der Ministerpräsident von Württemberg-Baden gibt die Geburt eines neuen Bundeslandes bekannt, das noch keinen Namen hat.
Aus dem Nebeneinander soll ein Miteinander werden. Es wird noch Monate dauern, bis man sich auf einen gemeinsamen Namen einigen kann.

Hintergründe zur Filmreihe 

Weitere Hintergründe zum Web-Projekt der Landesfilmsammlung liefert der Artikel 70 Jahre Baden-Württemberg: Archivfilme zur Nachkriegszeit. Zusammengestellt wurde es von Anita Bindner vom Haus des Dokumentarfilms, die betont, dass bei der Arbeit an der Reihe „nicht die großen Ereignisse der Politik im Mittelpunkt standen, sondern der Zeitgeist und [...] das Lebensgefühl der Menschen.“ Entsprechend wurden vor allem Privatfilme als geschichtliche Quellen herangezogen. Sie kommen aus dem Bestand der Landesfilmsammlung Baden-Württemberg, die übrigen Ausschnitte stammen aus anderen Archiven, etwa dem Bundesarchiv.

 

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(red)  
 
 
 
 

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