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    Kino-Tipps

»Die rote Linie – Widerstand im Hambacher Forst«

»Die rote Linie« ist ein packender Dokumentarfilm über den Kampf um den Hambacher Forst, das Ringen um den Ausstieg aus der Kohleverstromung und dem wachsenden öffentlichen Widerstand. Schon der Einstieg macht Lust auf den Film. Ein Orchester mit Chor begibt sich in die Gruben des Kohleabbau vor einen Riesenbagger und spielt ein Stück. Deutlich zu hören die Aufforderungen über Megaphone, das Betriebsgelände zu verlassen, da es sich um eine Straftat handelt. Langsam zieht sich die schwer gewappnete Polizei zusammen. Drei Jahre begleitete die Regisseurin Karin de Miguel Wessendorf die Proteste gegen die Rodung des Hambacher Forstes und gegen die Zerstörung der Dörfer am Rand der Braunkohle-Tagebaus, der größten CO²-Quelle Europas. Zuerst ist es nur ein Aufbegehren einzelner Gruppen mit sehr unterschiedlichen Zielen, doch im Herbst 2018 wird der Protest gegen die Rodung schließlich zu einer breiten überregionalen Bewegung. Der Protest zeigt, wie dringend eine öffentliche Diskussion zum Ausstieg aus der Kohle ist. »Die rote Linie« ist keine ausgewogene Fernsehreportage, sondern der Film schlägt sich klar auf die Seite der Demonstranten, begleitet ihr Proteste, beobachtet und dokumentiert das Wachsen der Proteste. Produziert hat ihn Valentin Thurn, der sich mit seinen Umwelt- und Nachhaltigkeitsfilmen (»Taste the Waste«, »10 Milliarden«) einen Namen gemacht hat. 

Die Regisseurin erzählt die Geschichte des Widerstands in großen Bildern die hauptsächlich ihre beiden Kameramänner Frank Kranstedt und Gerardo Milsztein gestaltet haben. Ergänzt werden sie durch Aufnahmen weiterer Personen und Ausschnitten aus aktueller Berichterstattung im Fernsehen. Ihr gelingt es sehr gut, die Atmosphäre der Proteste zu zeigen und wie sie sich im fast aussichtslos scheinenden Kampf á la David-gegen-Goliath auch verändert. Über die Jahre begleitet sie drei Hauptprotagonisten mit dem jungen Baumbesetzer Clumsy, Antje Grothus, eine Anwohnerin des benachbarten Ortes Buir und Mitglied einer Bürgerinitiative, sowie Lars, einem Familienvater, der in einem Geisterort ausharrt, der dem Tagebau geopfert werden soll und der der Umsiedlung trotzt. Zunächst sind sie eine kleine Gruppe, doch der Widerstand wächst. Vor allem scheint es nach dem Pariser Klimaabkommen und den Diskussionen um den geregelten Ausstieg aus der Kohle immer widersinniger, dies letzte Stück Wald auch noch dem Kohleabbau zu opfern.

Die Regisseurin zur Motivation für ihren Film: »Am Anfang meiner Recherchen fuhr ich nach Immerath, ein Dorf im Abbaugebiet des Tagebaus Garzweiler, das mittlerweile nicht mehr existiert. Damals war Immerath zwar noch intakt, doch es lebten bereits nur noch wenige Menschen im Ort. Die meisten hatten ihre Heimat schon aufgegeben. Einige wenige waren geblieben, um der Umsiedlung zu trotzen. Der Anblick dieses Geisterdorfes, der leeren Straßen, der verlassenen Häuser und Geschäfte, hat mich zutiefst erschüttert. Wenn es nach den Plänen von Politik und RWE gehen würde, sollen sich im Rheinland bis zum Jahr 2045 die Bagger weiter durch das Land fressen, unersetzliche Natur zerstören und Menschen aus ihrer Heimat vertreiben. Dass dies im 21. Jahrhundert in einem Land, das sich als Vorreiter der Energiewende darstellt, für das Allgemeinwohl noch als unumgänglich betrachtet wurde, wollte mir nicht einleuchten. Spätestens an diesem Tag beschloss ich, dass ich einen Film über die Menschen machen wollte, die sich dagegen wehren.« Leider erfolgte der Rodungsstopp Anfang Oktober erst, nachdem ein junger Journalist im Hambacher Forst zu Tode gestürzt ist. Zur Großdemo kommen danach über 50.000 Teilnehmer. 

Im Abspann informiert der Film, dass die Kohlekommission einen vorzeitigen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 vorschlägt. Der Erhalt des Hambacher Forstes sei wünschenswert. So wird Deutschland jedoch die Pariser Klimaziele nicht erreichen. 

(Kay Hoffmann)

Tags: Kino

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