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Berührende Schlingensief-Doku zum zehnten Todestag

Am 21. August 2010 ist Christoph Schlingensief gestorben. Er galt als Enfant Terrible des deutschen Films und Theaters und wusste zu provozieren. Die renommierte Editorin Bettina Böhler würdigt sein Schaffen in „Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien“. 

Nach der Duden-Definition ist ein Provokateur jemand, der andere zu Handlungen gegen jemanden herausfordert. Auch wenn er es abgestritten hat, war Christoph Schlingensief, der 2010 mit 49 Jahren an Krebs starb, ein solcher Herausforderer im positiven Sinn. Denn für ihn war die deutsche Gesellschaft zu abgeklärt und bieder –und musste deshalb immer wieder konträre Positionen ertragen. Er verglich sein Tun mit dem seines Vaters, der Apotheker war und mit einer geringen Dosis Gift die Menschen heilte. Mit seinen provozierenden Filmen und Auftritten wollte er die Menschen dazu bringen, Position zu beziehen und aus ihrem Alltag auszubrechen.

Hassliebe zum Heimatland als Antriebsfeder

Schlingensiefs Verhältnis zu Deutschland war zwiegespalten: Einerseits verspürte er eine Verbundenheit mit den Menschen und Orten seiner Herkunft, seiner Kernfamilie und so etwas wie „Heimat“, andererseits rebellierte er gegen sie – auch gegen den Kleinbürger in sich selbst – und provozierte bis hin zur Forderung „Tötet Helmut Kohl“ auf der documenta X 1997. Dass er 2004, am deutschesten Ort der Hochkultur, in Bayreuth Wagners Erlöser-Oper „Parsifal“ inszenieren durfte, und später die Einladung erhielt, den Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig zu gestalten, erfüllte ihn mit Stolz, weil er erkannte, dass die Hassliebe zu seinem Land doch noch mit Anerkennung erwidert wurde.

Plakat Kinodoku Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien

Bettina Böhlers intensives Porträt von Schlingensief

Bettina Böhler ist eine sehr erfahrene Editorin und hat Filme zum Beispiel von Christian Petzold oder Valeska Grisebach montiert. Mit Christoph Schlingensief hat sie 1992 für den Film „Terror 2000 – Intensivstation Deutschland“ und 1997 für „Die 120 Tage von Bottrop“ zusammengearbeitet. „Ich habe Christoph als klugen, empathischen und auch verletzlichen Menschen erlebt, mit einem untrüglichen Gefühl dafür, den Finger in die Wunde zu legen“, erinnert sie sich. 

In ihrem Dokumentarfilm unternimmt sie erstmals den Versuch, den Ausnahmekünstler Schlingensief in seiner gesamten Bandbreite zu zeigen. Das intensive Porträt durchlebt die ganze Entwicklung Schlingensiefs vom quasi pubertierenden Filmemacher im Kunstblutrausch über den Bühnenrevoluzzer von Berlin und Bayreuth bis hin zum Bestsellerautor. Die tiefgründige Annäherung an sein mannigfaltiges Oeuvre ist das erste umfassende Filmporträt über den provokanten Film- und Theaterregisseur.

DOK Premiere mit Filmgespräch am 23.9. in Ludwigsburg

Am 23. September 2020 wird „Schliengensief – In das Schweigen hineinschreien“ um 16.30 und 20.00 Uhr als DOK Premiere im Ludwigsburger Caligari Kino gezeigt (Reservierung ab September unter kinokult.de). Die Regisseurin Bettina Böhler wird nach den beiden Vorführungen jeweils für ein Filmgespräch zur Verfügung stehen.

(Kay Hoffmann / PR)

Tags: doknews, DOK Premiere

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