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Hybrid-Lösung beim goEast Filmfestival 2020

»Ein Festival kann nicht komplett online stattfinden. Begegnungen finden im echten Leben statt«, sagt Heleen Gerritsen, Leiterin des goEast-Festivals, in der digitalen Pressekonferenz am 29. April 2020. Für das Jubiläum hat man sich daher, anders als zum Beispiel das Sunny Side of the Doc, für eine Hybridlösung aus Verschiebung einzelner Termine und Inhalte sowie einer Digital-Version entschieden.

Über einhundert Filme aus 40 Ländern, darunter etliche Deutschlandpremieren, standen für den 5. bis 11. Mai 2020 bereits für das goEast Filmfestival in den Startlöchern. Nur ein eingeschränkter Teil davon wird als sorgfältig ausgewähltes Onlineprogramm on demand bei Vimeo präsentiert.

Filme aus Mittel- und Osteuropa on demand

Online findet man unter anderem »A Cinema Prayer«. In dem biografischen Filmessay von Andrey Tarkovsky Jr. nähert sich der Sohn mithilfe seltener Archiv- und Tonaufnahmen dem Erbe seines Vaters an, der als einer der einflussreichsten russischen Filmemacher gilt.

Ein Dokumentarfilm, der zwischen investigativem Ansatz und poetischer Umsetzung, emotionalem Zugang und innovativem Stil schwankt, ist »Never Happend« von Barbora Berezňáková. Dieser dreht sich um die Entführung des Sohnes des slowakischen Präsidenten Michal Kováč Mitte der 1990er Jahre.

Kino als Kulturort vs. Streaming

Pro Film sind 400 Tickets in Deutschland verfügbar (Stichwort: Geoblocking), was ungefähr der Kapazität der Caligari FilmBühne Wiesbaden entspricht. Der virtuelle Eintritt liegt bei 6,50 Euro für Langfilme, 3 Euro für das Kurzfilm-Programm »Anarcho Shorts«. »Wie gut das genutzt wird, wird man sehen. Wir sind ja keine Streaming-Plattform wie Netflix«, erläutert Gerritsen sinngemäß. 

>> zu den Filmen on demand

Außerdem sind einige innovative, kreative Lösungen angekündigt, darunter »Cocktail Tutorials« (was das genau sein soll, bleibt aktuell noch offen) oder der Open Frame Award, für den die Hauptspielstätte, die Caligari Filmbühne, sehr beeindruckend im virtuellen Raum nachgebaut wurde. In dem 360°-Kino werden die meisten der Virtual-Reality-Aktivitäten dann abgehalten. Das verspricht Festivalfeeling der etwas anderen Art. 

Verschobene Veranstaltungen beim goEast Festival

Da Filmkunst trotz allem auf die große Leinwand gehört und das Kino als Kultur- und Begegnungsort nicht wegzudenken ist, wie das goEast Festival mehrfach während der Pressekonferenz hervorhebt, wandert ein Großteil der Veranstaltungen und Screenings aber auf spätere Zeitpunkte im Jahr. Verschoben werden etwa das Symposium »Filmerbe der Umbruchszeit« (24.-27. Juli 2020), das Paneuropäische Picknick (September 2020) und die Wettbewerbsfilme (November 2020), für das die Preisgelder in diesem Jahr solidarisch auf alle Anwärter*innen verteilt werden. Die Auszeichnung hat demnach eher symbolischen Charakter. Die Jury findet sich im Vorfeld für die Entscheidung digital zusammen, die am letzten Festivaltag bekannt gegeben werden soll.

Plakat: Symposium goEast

Symposium »Filmerbe der Umbruchszeit«

Das Symposium »Filmerbe der Umbruchszeit« setzt sich mit dem gesellschaftlichen und politischen Umbruch in Mittel- und Osteuropa in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren auseinander, das die Transformationszeit auf Film bannt. »Die Energie und Intensität in den Produktionen von damals ist erstaunlich«, so Gerritsen. »Ein sehr schönes und vielfältiges Programm, das wir hoffentlich Ende Juli im Kino des DFF in Frankfurt am Main zeigen können.« Im Deutschen Filminstitut & Filmmuseum soll dann außerdem thematisiert werden, welche Probleme sich durch die über lange Zeit nicht systematisch erfolgte Archivierung für das kulturelle Gedächtnis der Transformationsländer ergeben haben.

Gezeigt werden beispielsweise »Miejsce urodzenia« (Geburtsort) des erfolgreichen polnischen Dokumentarfilmers Paweł Łoziński, ebenso das russische Filmdrama »Der Tschekist« von Aleksandr Rogozhkin über die Verbrechen der Bolschewiki, das thematisch und wegen seiner schonungslosen, kalten, fast dokumentarischen Anmutung zu Diskussionen einlädt. 

(Elisa Reznicek)

Tags: doknews

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