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„Wettermacher“: DOK Premiere und Kinostart im August

„Wettermacher“ von Stanislaw Mucha porträtiert drei Meteorologen am Ende der Welt, in einer russischen Wetterstation am Polarmeer. Am 16.8.22 zeigen wir den Film als DOK Premiere in Stuttgart, am 18.8. ist der offizielle Kinostart des Dokumentarfilms. 

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Vom Leben in der Isolation

„Erwarten Sie keinen Film über den Klimawandel! Dort, wo wir waren, vergisst man, wie man das Wort Klima buchstabiert!“, so der renommierte Regisseur Stanislaw Mucha. Mit ruhiger Kamera beobachtet er das Treiben auf einer Wetterstation zu verschiedenen Jahreszeiten. Die Forscher sind meistens unter sich. Jeden Sommer kommt sehnlichst erwartet ein Versorgungsschiff und bringt den Vorrat für das nächste Jahr.

Karge Landschaft, verschlossene Menschen

Auf der Wetterstation ‚Chodowaricha‘, was übersetzt Gang des Verrückten heißt, tun die Meteorologen Wladimir, Sascha und ihr Mann Alexander Dienst. Es ist ein Leben in der Isolation. Die Landschaft ist faszinierend, aber sehr herausfordernd. Diese Station gilt bei Kollegen als freiwilliges Arbeitslager. Sie reden nicht viel und wenn es Konflikte gibt, werden diese eher totgeschwiegen. Denn alle haben ihre spezielle Vergangenheit und ihre Gründe, genau dort zu arbeiten. Aber dies ist kein Thema, sondern wird im zurückhaltend eingesetzten Kommentar des Regisseurs erzählt. So richtig nahe kommt er seinen Protagonisten nicht.

 

Traditionspflege

Der Dokumentarfilm liefert jedoch spannende Beobachtungen ihres Alltags. Braucht man medizinische Betreuung, muss man einen Hubschrauber bestellen oder eine wochenlange Reise auf dem Schneeschlitten auf sich nehmen. Die alte Wetterstation zeigt die Tradition der Wetterbeobachtung an diesem Ort. Die aktuellen Werte werden über Funk weitergegeben, da das Internet selten funktioniert. Vasil ist ihr einziger Nachbar und ist dort aufgewachsen, da schon seine Eltern hier gearbeitet haben. Heute kümmert er sich um den aufgegebenen, schiefen Leuchtturm, auf dem sein Vater gearbeitet hatte.

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Die Meteorologen auf der Wetterstation © W-film

Die Wortkargheit seiner Helden korrespondiert mit der eigenwilligen Schönheit der Tundra, den Schneestürmen und eisigen Temperaturen. Jack, der Hund der Station, hält es nicht mehr aus und ergreift die Flucht. Dabei wäre er so wichtig, um die Drei vor Eisbären zu warnen, die immer wieder auf der Suche nach Essbarem sind. Selbst die Nomaden, die den Meteorologen Ren-Fleisch bringen, haben einen großen Respekt vor den Bären.

Skurrilität des Alltags

Eigentlich wollte Mucha einen Film über einen Mann drehen, der seit Jahren auf dieser Station arbeitete. Doch vor den Dreharbeiten gab er das ‚Ringen mit der Isolation‘ auf und verließ den Ort als Psychowrack. Außer dem Eremiten Vasil kamen die drei Neuen und dadurch veränderte sich der Film radikal. „Mit der Kamera haben wir die vier Eremiten und ihren äußerst filmtalentierten Hund begleitet. Wir besuchten sie im Herbst, im Winter und im Sommer und zeigen ihren alltäglichen Kampf mit der Kälte, dem Sturm und der Abgeschiedenheit. Das ist existenzielles Theater – tragisch und komisch zugleich“, so Regisseur Stanislaw Mucha.

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Die Meteorologen leben in völliger Isolation © W-film

Stanislaw Mucha: Meister absurder Situationen

Der 1970 in Polen geborene Regisseur hat nach einem Schauspielstudium an der heutigen Filmuniversität Babelsberg studiert, das er im Jahr 2000 mit einem Diplom und Auszeichnung abschließt. In seinen Dokumentarfilmen wie „Absolut Warhola“ (2002), „Die Mitte“ (2004), „Die Wahrheit über Dracula“ (2010) oder zuletzt „Kolyma — Straße der Knochen“ (2017) hat er sich auf die einfühlsame Beobachtung des osteuropäischen Alltags spezialisiert.

Muchas Filme werden mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, u.a. dem Don Quijote Award, diversen Publikumspreisen (u.a. auf dem Filmfestival Mannheim), sowie dem Preis der deutschen Filmkritik. 2003 erhält er den Adolf-Grimme-Preis für sein abendfüllendes Kinodokumentarfilm-Debüt „Absolut Warhola“ und 2004 den Hessischen Filmpreis für „Die Mitte“. 2010 folgt eine Grimme-Preis-Nominierung für seinen ersten Spielfilm „Hope“ und er wird für den Friedensfotopreis des Stiftes Klosterneuburg in Österreich für „Humanitäres Engagement in der Kunst“ nominiert. „Die Wahrheit über Dracula“ (2010), „Die Pfandleiher“ (2012) und „Happy End“ (2012) setzen seine Erfolge als Dokumentarfilmer fort.

Stanislaw Mucha gilt als viel beachteter Autorenfilmer. Seine Dokumentarfilme zeichnen sich durch zahlreiche komische Geschichten, absurde Entwicklungen und schräge Figuren aus, die Mucha aber nie der Lächerlichkeit preisgibt. Viele seiner Filme avancierten zu absoluten Festivallieblingen. Für seinen letzten Dokumentarfilm „Kolyma“ (2017) begab sich Mucha auf eine außergewöhnliche Reise in den Nordosten Sibiriens. „Wettermacher“ ist ein weiteres Porträt ungewöhnlicher Existenzen in arktischen Gefilden, worin er drei Meteorologen und deren Alltag auf einer Wetterstation porträtiert.


wfilm wettermacher plakat webUnsere DOK Premiere

WETTERMACHER
Ein Film von Stanislaw Mucha

Di. 16.8.2022, 18.00 Uhr Delphi Arthaus Kino Stuttgart Filmgespräch mit den Regisseur Stanislaw Mucha und Goggo Gensch (Haus des Dokumentarfilms);
Reservierung notwendig unter www. https://arthaus-kino.de

Produktion: Zinnober Film GmbH, B & T Film GmbH, Strandfilm Productions GmbH

Ab dem 18.8.2022 ist der Dokumentarfilm in den deutschen Kinos zu sehen.


(Kay Hoffmann)

Tags: doknews

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