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„Educational Film as Practice“: Geschichte des Bildungsfilms

Vom 9. bis 11. Juni fand im Austrian Film Museum in Wien die internationale Konferenz „Educational Film as Practice“ statt. Organisiert wurde sie vom gleichnamigen Forschungsprojekt, das die Geschichte des Bildungsfilm in Österreich im Fokus hat.

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Reger Austausch auf internationaler Ebene

Die Konferenz war der Abschluss dieses Forschungsprojektes, das drei Jahre lang rund 500 Filme für die Zeit zwischen 1918 und den 1960er Jahren analysierte. Es wird durchgeführt von der Universität Wien und dem Ludwig Boltzmann Institut und gefördert vom Austrian Science Fund (FWF). Neben klassischen Lehr- und Unterrichtsfilmen wurden ebenfalls Bildungsfilme behandelt, die z.B. in der Wiener Urania vorgeführt wurden. Bei der Konferenz wurden erste Ergebnisse präsentiert und diese mit internationalen Entwicklungen verglichen. Deutlich wurde, dass es einen regen Austausch auf europäischer und internationaler Ebene gab, sowohl von den Filmen als auch von den Konzepten und der Gestaltung dieser Filme für den Lehr- und Unterrichtsbereich.

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Die Urania in Wien (links) und das Austrian Film Museum (rechts) © Kay Hoffmann/HDF

Internationale Standards des Bildungsfilms

Erste Aktivitäten hatten Anfang der 1920er Jahre begonnen. Bis in die 1960er Jahre wurden die schwarzweißen Filme in der Regel auf 16 mm Sicherheitsfilm gedreht und stumm präsentiert. Der Ton sollte nicht die Stimme des Lehrers stören und seine Autorität in Frage stellen. Dies gab den Lehrenden die Möglichkeit, die Filme individuell zu präsentieren und in ihren Unterricht einzubauen. Nicht verfilmbare Vorgänge wurden als Zeichentrick und Animation gestaltet oder mit Fotos erklärt. Dieses Gestaltungsmittel wurde regelmäßig in naturwissenschaftlichen und medizinischen Filmen eingesetzt, wie Projektmitarbeiterin Katrin Pilz eindrücklich zeigte.

Das Medium Film wurde von vielen als ideales Erziehungsmittel gesehen und man wollte damit dem kommerziellen Kino der Unterhaltung bewusst etwas entgegensetzen. Um den Lehrenden die Grundlagen zu vermitteln, erschienen wie in Deutschland Beihefte, die die Filme ausführlich vorstellten und in einen Kontext stellten. Das Forschungsprojekt berücksichtigte die zeitgenössische Literatur zum Bildungsfilm und pädagogische Konzepte. Projektmitarbeiter Nico de Klerk kritisierte den Ansatz von Frank Freeman, den Lernerfolg in Experimenten nachweisen zu wollen.

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Präsentation auf der Konferenz „Educational Film as Practice“ © Kay Hoffmann/HDF

Zwischen Aufklärung und Propaganda

Neben Bildung ging es oft auch um Propaganda, ob nun für den Staat, ein politisches System oder die Industrie, die die Produktionen oft unterstützte. Viele Lehr- und Unterrichtsfilme sind im Stil von Industrie- und Imagefilmen gestaltet, in dem sie den Prozess der Herstellung eines Produkts von der Gewinnung der Rohstoffe, ihrer Verarbeitung in der Fabrik bis zum fertigen Produkt zeigen. Dies ist der Fall in den vorgeführten Filmen „Vom Holz zur Zeitung“ (1923) und in „Deutscher Bernstein“ (1940), der dem traditionellen Sammeln von Bernstein den hochindustriellen Abbau im Tagebau gegenüberstellte.

Beim Publikum beliebt waren Reise- und Expeditionsfilme. In den 1920er Jahren sehr erfolgreich war ein Film über Shackletons Südpol-Expedition 1923, dessen Filmsequenzen oft mit Vorträgen, Landkarten und Fotos ergänzt wurden, wie es Projektmitarbeiter Vrääth Öhner auf der Konferenz vorführte. Wie dies Genre von den Nationalsozialisten für Propagandazwecke genutzt wurde, zeigte der Kulturfilm „Deutsch-Litta, ein volksdeutsches Dorf in der Slowakei“ (1942) über die dortige deutsche Minderheit, die ihre Kultur bewahrten und pflegten.

Eher erschreckend waren Filmbeispiele zur psychiatrischen Behandlung von traumatisierten Soldaten im Zweiten Weltkrieg, an denen verschiedene Behandlungsmethoden ausprobiert wurden, wie Julia Köhne zeigte. Das Medium Film wurde von staatlichen Stellen dazu eingesetzt, politische Ziele z.B. in der Landwirtschaft durchzusetzen, wie der Projektleiter Joachim Schätz erläuterte.

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Vortrag zur Archivrecherche auf der Konferenz „Educational Film as Practice“ © Kay Hoffmann/HDF

Vom Natur- und Tierfilm zum Bergfilm

Die theoretischen Grundlagen der Methodendiskussion und Historiografie des Anthropozän diskutierte Nicholas Baer. Als Fallbeispiel wählte er Naturschutzfilme des Natur- und Tierfilmpioniers Hermann Hähnle, dessen Filme in der Landesfilmsammlung Baden-Württemberg archivarisch betreut werden. Projektmitarbeiterin Marie-Noelle Yazdanpanah stellte Arnold Fancks Film „Im Kampf mit dem Berge“ (1921), der damals ebenfalls mit Vortrag und Dias präsentiert wurde, dem Film „Mit Steigeisen und Eispickel“ (1934) gegenüber, bei dem Amateurfilmer ihr Hobby filmisch dokumentierten. Er gewann den 1. Preis beim Sportfilmfestival in Barcelona, was wiederum den internationalen Austausch zeigt.

Eine engagierte Paneldiskussion zur Medienarbeit mit Schüler:innen in den 1970er Jahren zeigte verschiedene Filmprojekte. Der Überblick über die Entwicklung in Schweden und dem Engagement der privaten Filmproduktion Svensk Filmindustri und einem politischen Aufklärungsfilm des IWF in Göttingen zum Bundestagswahlkampf schloss das überzeugende Konferenzprogramm ab.


(Kay Hoffmann)

Tags: doknews

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