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So war die DOK Premiere von „Träum weiter!“ in Stuttgart

Innerhalb einer Woche haben das Haus des Dokumentarfilms und Arthaus Filmtheater Stuttgart drei DOK Premieren im Atelier am Bollwerk ausgerichtet. Nach „Der Wilde Wald“ und „Dear Future Children“ war am 6.10.21 „Träum weiter! Sehnsucht nach Veränderung“ zu sehen.

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Filmemacher Valentin Thurn bei der DOK Premiere von „Träum weiter!“. Durch den Abend führte Astrid Beyer vom Haus des Dokumentarfilms (Fotos: Elisa Reznicek/HDF)

„Träume nicht dein Leben. Lebe deinen Traum“, heißt es. Doch was ist, wenn diese Aufforderung mehr als nur ein schmuckes, aber inhaltsleeres Wandtattoo wird? Fünf sehr unterschiedliche Menschen haben den Schritt gewagt und lassen den Worten handfeste Taten folgen: Raus aus dem Hamsterrad, rein ins autarke alternative Leben.

DOK Premiere von „Träum weiter! Sehnsucht nach Veränderung“

Valentin Thurn hat sie für „Träum weiter! Sehnsucht nach Veränderung“ filmisch begleitet. Ein Musiker und Konzertmanager will auf den Mars. Ein junger Architekt kündigt seinen gut dotierten Job und baut Tiny Houses. Eine Großfamilie setzt in Portugal auf selbstbestimmtes Lernen ohne Schulpflicht. Zwei andere Protagonisten wollen wahlweise hoch oder weit hinaus: Lastenballons und schwimmende Müll-Safety-Insel – vieles ist möglich, wenn man die Gedanken von der Leine gesellschaftlicher Normen lässt. 

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zum Inhalt von „Träum weiter! Sehnsucht nach Veränderung“

Während Valentin Thurn ihnen noch vor Beginn der Corona-Pandemie ein Stück des individuellen Weges folgt, verzichtet er auf kommentierende Einordnungen. Die Zuschauer:innen bilden sich selbst ein Urteil und diskutieren nach der nahezu ausverkauften Vorstellung im Atelier am Bollwerk Stuttgart angeregt mit dem Regisseur.

Raum für kreative Ideen schaffen

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Angesprochen auf den Entstehungsprozess von „Träum weiter!“, verweist der Macher von „Taste The Waste“ (2011/2012) und „10 Milliarden“ (2015) auf die persönliche Dimension des Projekts: „Das Thema kam auf, als ich mich selbst wie in einem Hamsterrad gefühlt habe und nicht wusste, wie ich da wieder rauskommen soll. Ich hatte viel angefangen, arbeitete an mehreren Sachen parallel. Das war einerseits schön, aber bedeutete auch, dass ich zu nichts anderem mehr gekommen bin“, erklärt er gegenüber Astrid Beyer vom Haus des Dokumentarfilms, die das Filmgespräch moderiert. „Wenn ich auf der Suche nach kreativen Ideen bin, aber nur vor dem Computer sitze und angestrengt hineinstarre, kommt nicht viel dabei raus. Erst wenn ich den Gedanken Raum gebe, kann etwas wirklich Neues entstehen. Das kann morgens unter der Dusche passieren, beim Fahrradfahren oder wenn ich einfach aus dem Fenster schaue.“

Auswirkungen der Corona-Krise

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Für ein tiefgreifenderes Umdenken in diese Richtung habe bei ihm die Corona-Krise gesorgt, so Thurn weiter, der als Autor und Produzent von Dokumentarfilmen für Fernsehen, Kino und Online-Medien europaweit gefragt ist. „Richtig verändert hat sich die Lage für mich erst mit der Pandemie. Ich weiß, dass die Situation zum Beispiel für Familien mit kleinen Kindern die Hölle war. Mir aber hat sie geholfen zu erkennen, dass es mir guttut, deutlich weniger durch die Gegend zu fahren und zu tun. Natürlich bin ich unheimlich gern draußen, führe Regie und überlege mir eine Dramaturgie. Auch so eine Kinotour wie jetzt zu ‚Träum weiter‘ ist super – aber nach zwei Wochen freue ich mich, wieder zu Hause zu sein.“

Träumen für den gesellschaftlichen Wandel

Den politischen Aspekt seines Films, der eher auf den zweiten Blick ersichtlich wird, spricht Valentin Thurn ebenfalls bei der DOK Premiere an. „Themen wie den Klimawandel bekommen wir angesichts des ständigen Wirtschaftswachstums nicht in den Griff – das wissen wir alle. Was wir aber nicht wissen, ist, wie es denn anders gehen soll. Vielleicht müssen wir anfangen kollektiv zu träumen, um etwas in Gang zu setzen.“ Den ersten und entscheidenden Schritt verhinderten jedoch oftmals die inneren Ängste, so Thurn. 

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Peter Erasmus (links), Chef der Arthaus Filmtheater Stuttgart, mit Valentin Thurn und Astrid Beyer (Fotos: Elisa Reznicek/HDF)

Als Beispiel nennt er den im Film gezeigten Architekten und jungen Vater Van Bo Le-Mentzel, der mit seiner Urangst konfrontiert worden sei, die Familie nicht mehr versorgen zu können – und dieser fast nachgegeben hätte. „Träum weiter!“ zeigt: Die Reduktion seiner Festanstellung um 30 Prozent ist für ihn zu Beginn eine sehr viel größere Hürde als das komplette Loslassen der vermeintlichen Sicherheit in letzter Konsequenz. Doch am Ende wird Le-Mentzel für seinen Mut belohnt. Die persönliche Zufriedenheit und die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns wiegen in diesem Fall mehr als 13 stattliche Gehälter vom Architekturbüro.

Inspirierender Anstoß zum Nach- und Umdenken

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„Das Augenmerk liegt für mich aber nicht darin, dass einzelne Charaktere zur Identifikationsfigur werden“, betont Thurn abschließend. „Mein Hauptanliegen ist es, bei den Zuschauern die Lust zu wecken, eigenen Träumen nachzugehen.“ Dies ist Valentin Thurn mit „Träum weiter! Sehnsucht nach Veränderung“ gelungen, der vom Publikum der DOK Premiere als inspirierender wie inspirierter Film gelobt wird. Deutschlandweiter Kinostart war am 7. Oktober 2021.

(Elisa Reznicek)

Tags: doknews

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