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Deutscher Dokumentarfilmpreis für ICH BIN GRETA

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Der vom SWR und der MFG gestiftete Deutsche Dokumentarfilmpreis geht 2021 an ICH BIN GRETA von Nathan Grossman. Den Förderpreis vom Haus des Dokumentarfilms bekommt WAS TUN von Michael Kranz. Die Online-Preisverleihung fand am 18.6.2021 im Rahmen des SWR Doku Festivals statt.

Nach dem Wirbel um LOVEMOBIL von Elke Margarete Lehrenkrauss ist wieder mehr Ruhe in der Dokumentarfilmszene eingekehrt. Das neue Normal – Jury-Sitzung und Preisverleihung online – prägt entsprechend auch beim Deutschen Dokumentarfilmpreis die Tagesordnung. Die pandemiebedingt virtuelle Vergabe des Deutschen Dokumentarfilmpreises in fünf Kategorien übernimmt Moderator Max Moor wie bereits im Vorjahr charmant wie routiniert am 18. Juni 2021. Die Award Zeremonie ist sonst feierlicher Abschluss der partnerschaftlich verbundenen Veranstaltungen SWR Doku Festival und DOKVILLE vom Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart.

Deutscher Dokumentarfilmpreis 2021 für ICH BIN GRETA

Der mit 20.000 Euro dotierte, vom Südwestrundfunk und der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH gestiftete Hauptpreis geht an den schwedischen Regisseur Nathan Grossman für ICH BIN GRETA. Der Film über die Entwicklung einer 15-jährigen Schülerin zur globalen Umweltaktivistin beginnt geradezu als glückliche Fügung – denn niemand, auch der Filmemacher selbst, konnte bei Drehbeginn die Dynamik und Brisanz der „Fridays for Future“-Bewegung absehen.

„Ich habe den Tipp von einem Freund bekommen, der Gretas Familie kennt. Und ich beschäftige mich auch mit dem Klimawandel; also dachte ich mir, da geh ich mal mit der Kamera hin und schaue, ob etwas Interessantes passiert“, erklärt Grossman. „Sie saß da allein und ich hab sie gefragt, ob ich ihr ein Mikro anstecken darf. So ging das Ganze los“, erinnert sich Grossman. Das Resultat ist ein dokumentarisches Porträt einer jungen Frau, das laut Jury auf vielerlei Weise zutiefst berührt.

„Obwohl Nathan Grossmans Film sich stark auf die Person Greta Thunberg fokussiert, und vielleicht gerade, weil er das in einer Konzentriertheit tut, die Gretas eigener Ausschließlichkeit entspricht, zeigt er auf, dass es um etwas sehr Großes geht – nämlich um nicht weniger als um die Zukunft der Menschheit.“

Zur Filmkritik bei dokumentarfilm.info 

Förderpreis vom Haus des Dokumentarfilms für WAS TUN

Den mit 3.000 Euro dotierten Förderpreis des Hauses des Dokumentarfilms bekommt Michael Kranz für seinen Film „Was tun“. Der Regisseur fährt nach Bangladesch, um sich auf die Suche nach einer bestimmten jungen Frau zu machen, die er in einem früheren Dokumentarfilm von Michael Glawogger gesehen hatte. Es ist eine Reise, die ihn und die Zuschauer:innen immer tiefer in die Welt der Zwangsprostitution führt. Als Mädchen war die damals 15-Jährige zur Sexarbeit gezwungen worden. Was ist aus ihr geworden und wie ist die Situation im Land heute? 

„Es ist so schade, dass die Preisträger:innen in diesem Jahr noch nicht wieder auf der Bühne vor großem Publikum ausgezeichnet werden können“, so Ulrike Becker, Leiterin des Hauses des Dokumentarfilms. „Gerade so persönliche und intensive Filme wie der von Michael Kranz verdienen den großen Applaus. Ein engagiertes und keineswegs einfaches Thema, das anfangs von großen Zweifeln, sogar seitens seiner Hochschule, begleitet war, und doch ließ der Regisseur sich nicht aufhalten. Danke, lieber Michael, dass du uns auf diese Reise mitgenommen hast.“

Auch die Jury betont: „Filmisch ist der Dokumentarfilm ‚Was tun‘ gut gemacht, spannend und bewegend. […]. Wenn es um Grausamkeit, Bedrohung des Lebens oder Verfolgung gegen Menschen geht, kann es kein Beobachten mehr geben, nie wieder. Das ist das Fazit dieses Films und das gilt für so viele Bereiche – damit sind wir alle furchtbar überfordert, aber so ist es!“

Eine Zuschauer:innen-Jury der SWR Landesschau hat 2021 erstmals über den mit 3.000 Euro dotierten, neu geschaffenen Publikumspreis entschieden, der ebenfalls an WAS TUN geht. Dieser wird von der Landesanstalt für Kommunikation und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg gestiftet. Die Preisverleihung fand bereits am 16. Juni 2021 statt.

Preis der Norbert Daldrop Förderung für Kunst und Kultur: THE CASE YOU

5.000 Euro Preisgeld gehen an Alison Kuhn für THE CASE YOU, der fünf Schauspielerinnen zusammenbringt, die ihre Geschichte systematischer Übergriffe sexueller und gewaltsamer Natur erzählen. Die Jury betont: „Dass dieser Film gemacht wurde, ist ein Akt der Emanzipation. Wie er gemacht wurde, ist mindestens genauso emanzipatorisch: Die Zuschauer dürfen selbst entscheiden, wie sie was finden und was sie wann fühlen. Weder Musik noch Schnitt manipulieren die Wirkung des Gezeigten. Das ist selten und wohltuend und in einem Film über besonders perfide Formen der Manipulation schlicht und einfach konsequent.“

Musikpreis der Opus GmbH an HELMUT LACHENMANN – MY WAY

Der mit 5.000 Euro dotierte Musikpreis der Opus GmbH ist Wiebke Pöpel für „Helmut Lachenmann – My Way“ sicher. Sie erzählt den Lebensweg des Komponisten und begleitet ihn bei Proben mit Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern, in Leonberg, auf den Spuren seiner Lehrzeit bei Luigi Nono, am Opernhaus Zürich sowie in seinem Refugium hoch über dem Lago Maggiore. „Helmut Lachenmann öffnet Augen, Ohren, Herzen, indem er Musik ganz eigen, mutig und provozierend-verunsichernd gestaltet“, so die Jury des Musikpreises (Fola Dada, Lutz Gregor, Rainer Homburg), die den Film auch als eine Einladung versteht, Musik auf eine andere Art zu hören und zu erfahren.

Ehrenpreis für das Lebenswerk an Georg Stefan Troller

Der neu geschaffene, undotierte Ehrenpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises geht an Georg Stefan Troller. Das SWR Doku Festival und die MFG Baden-Württemberg würdigen damit das Lebenswerk des Regisseurs, Autors und Fotografen, einer Legende des Fernsehdokumentarismus.

Zum ausführlichen Beitrag bei dokumentarfilm.info

Wer mehr über das Leben und Werk von Georg Stefan Troller erfahren möchte, findet mit AUSLEGUNG DER WIRKLICHKEIT ein sehr gut gemachtes Porträt über ihn. Der Film von Ruth Rieser feierte beim DOK.fest München 2021 Premiere.

(Elisa Reznicek)

Tags: doknews, deutscher dokumentarfilmpreis

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