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Doku-Premiere „Der nackte König“ – online ab 11.2.2021

Pünktlich zum 42. Jahrestag der Islamischen Revolution startet der Kölner W-Film Verleih den Dokumentarfilm „Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution“ von Andreas Hoessli online als VoD-Premiere.

 

Revolutionen im Iran und Polen im Fokus

In dem beeindruckenden Dokumentarfilm „Der nackte König“ mit großen Bildern geht es um zwei Revolutionen. 1979 im Iran und 1980 in Polen. Wie konnte der revolutionäre Funke überspringen? Was ging in den Köpfen der jungen Frauen und Männer vor, die Veränderungen einforderten?

 

Filmstills aus „Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution“ (W-Film/Mira Film) 

 

Regisseur Andreas Hoessli, der zu dieser Zeit ein Forschungsstipendium in Warschau hatte, begibt sich auf eine persönliche Spurensuche. Dabei findet er auch heraus, dass er vom polnischen Geheimdienst oberserviert wurde und sie überlegt hatten, ihn anzuwerben. In Polen lernte er den bedeutenden Schriftsteller Ryszard Kapuściński kennen, der als Reporter von der Revolution im Iran berichtet hatte. Obwohl der bei Volk verhasste Schah Mohammad Reza Pahlavi Anfang 1979 den Iran verließ und so den Weg ebnete für die Rückkehr von Ayatollah Chomeni, wurden viele Ziele der Revolutionäre nicht erreicht. Es kam eine religiös-autoritäre Elite an die Macht mit den bekannten Folgen des Fundamentalismus. In Polen waren die streikenden Arbeiter auf der Lenin-Werft in Gdansk die treibende Kraft. Sie gründeten die Gewerkschaft „Solidarność“, der sich innerhalb von vier Monaten zehn Millionen Menschen anschlossen – ein Drittel der Bevölkerung. Die kommunistische Partei- und Staatsmacht wusste sich nicht anders zu helfen als im Dezember 1981 den Kriegszustand auszurufen und die Gewerkschaft zu verbieten. So erzählt der Film auch vom Scheitern der Revolutionen.

„Der nackte König“ ist ein kunstvoller Filmessay

In seinem Dokumentarfilm „Der nackte König“ rekonstruiert Andreas Hoessli sehr genau die revolutionäre Situation von damals und die Atmosphäre. Er begibt sich auf eine philosophische Spurensuche nach dem Sog von Revolutionen und ergründet ihre Faszinationskraft. Die Menschen wollten sich nicht mehr abfinden mit der Situation und gierten nach Freiheit und Mitsprache. Das mobilisierte die Massen. Zeitzeugen berichten sehr eindrücklich von der Atmosphäre der Angst und Einschüchterung. Hoessli lässt die Geschichte von Bruno Ganz erzählen, der eine poetische Note einbringt. Hoessli arbeitet mit spannendem historischem Filmmaterial, beispielsweise von den Krönungsfeierlichkeiten vom Schah 1967, den Demonstrationen auf der Straße oder den Diskussionen der polnischen Arbeiter auf der Werft.

Persönliche Erfahrungen

„Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution“ ist das Resultat der persönlichen Warschau-Erfahrungen, die Andreas Hoessli Ende der 1970er Jahre gemacht hat, wie er Dr. Kay Hoffmann vom Haus des Dokumentarfilms im Interview erzählt. 

„Es war ein Gefühl, wie wenn sich alles Vergangene, das sich in diesem Land zugetragen hatte, in ungezählten Ritzen in der Gegenwart wiederfinden würde Und dass die damals gelebte Gegenwart nur ein provisorischer, ein prekärer und fragiler Zustand war. Dieses Lebensgefühl des Unbestimmten und Unvorstellbaren hatte seltsamerweise etwas zutiefst Befreiendes. Und an diese ganz besondere Schönheit des Unbestimmten erinnerte ich mich während der Arbeiten an meinem Film.“

Filmplakat "Der nackte König" (W-Film/Mira Film)Hauptpreis beim DOK.fest München 2019 

„Der nackte König“ war 2019 der Gewinner des Hauptpreis im Internationalen Wettbewerb des DOK.fest München. Die Jury begründete ihre Entscheidung so: „Wir würdigen diesen Film als präzises psychologisches Porträt einer immer wieder erschütterten, auseinanderbrechenden Welt. Indem er sich durch die Zeit bewegt, setzt sich dieser Essay über die Macht bloßer Aufzeichnung und Dokumentation hinweg und untersucht im Wechselspiel von Romantizismus und Eingrenzung die Überbleibsel der Revolution.“

„Der nackte König“: Online-Premiere und VoD ab 11.2.2021

Da nicht klar ist, wie lange der Lockdown für die Kinos anhält, hat sich W-Film entschlossen, den kunstvollen Filmessay im Internet als „Video on Demand“ (VoD) anzubieten. Am Mittwochabend, den 10. Februar 2021, findet die Online-Filmpremiere von „Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution“ mit anschließendem Filmgespräch statt. Ab Donnerstag, 11. Februar 2021 ist der Dokumentarfilm im W-film Online-Kino für 7,99 € über Vimeo verfügbar. Wird der Lockdown aufgehoben, soll „Der nackte König“ zudem bundesweit auf der großen Kino-Leinwand gezeigt werden, denn dort wirkt er sicher noch einmal ganz anders. 

(Kay Hoffmann)

Trailer „Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution“

„Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution“ 
Regie: Andreas Hoessli, Editor: Lena Rem, Bildgestaltung & Produzent: Peter Zwierko, Koproduzenten: Pawel Kosun, Jacek Naglowski, Agnieszka Janowska, Anna Martensen. Produktion von Mira Film (CH) zusammen mit Centrala (PL) und TM Film (DE) sowie Telewizja Polska S.A. und Arte G.E.I.E.
Unterstützt durch Bundeamt für Kultur, Zürcher Filmstiftung, Polish Film Institute, MFG Filmförderung Baden-Württemberg, Kulturfongs Suissimage, UBS Kulturstiftung, Ernst Göhner Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Succés Passage Antenne, Filme für eine Welt

Tags: doknews

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