»Der Zorn junger Männer«

Eine letzte Chance bleibt den jugendlichen Gewalttätern, die der Filmemacher Uli Kick für seinen Dokumentarfilm »Der Zorn junger Männer« begleitet hat. Entweder sie ergreifen diese und wirken aktiv ein Jahr in einem Anti-Aggressivitäts-Training mit – oder sie landen im Knast. Und das war’s dann wohl. Der Bayerische Rundfunk zeigt den Film von 2014 bis 7. August 2018 in der Mediathek des Senders.

Außenseiter, sagt der Filmemacher Uli Kick, hätten ihn schon immer mehr interessiert: »Gangster und Heilige, Drogenabhängige und Ganzkörpertätowierte, Straßenkehrer und Künstler, Hochbegabte und Hauptschüler.« In seinen Dokumentarfilmen – nur sieben in knapp 25 Jahren, was eindeutig davon spricht, dass Kick einer ist, der lange hinschaut, bevor ein Thema (ab)schneidet – hat er sich in der Tat immer für diejenigen interessiert, die »ganz unten« stehen.

Szene aus »Der Zorn junger Männer« © filmworks / Uli Kick

Szene aus »Der Zorn junger Männer« © filmworks / Uli Kick


Der Zorn junger Männer (BR Mediathek)

(Video laut Sender abrufbar bis 7. August 2018)

Vor einem Jahrzehnt erzählte er in »Klassenkampf« von Jugendlichen, die schon in der Schule ihr Leben gelebt zu haben scheinen. Ohne Aussicht auf einen Arbeitsplatz und ohne Motivation, ihr Leben auf andere Weise wertvoll zu gestalten, bleiben an diesem Kampf viel zu viele als Verlierer übrig. »Der Zorn junger Männer« ist dann, wenn man so will, etwas wie eine Fortschreibung dieses Themas. Denn wo Hoffnungs- und Ziellosigkeit ein von Hartz IV kontrolliertes Leben bestimmen, entsteht Zorn. Und diese Wut findet Uli Kick in seinem bislang letzten Dokumentarfilm wieder: den 2014 fertiggestellten und 2015 bei den Hofer Filmtagen uraufgeführten Film »Der Zorn junger Männer«.

Auch hier finden wir wieder junge Menschen am Abgrund ihres Nichtlebens. Was ihnen nach Schule, Arbeitslosigkeit, Herumhängen und In-den-Tag-Vegetieren geblieben ist, ist eine letzte Chance. Ein Jahr lang können sie in einem »Anti-Aggressivitäts-Training« ihrem Leben die vielleicht letzte Wendung geben: Entweder sie fangen an, sich jetzt mit sich und ihren Gewalttaten radikal auseinanderzusetzen, oder sie gehen in den Knast.

Das AAT-Projekt gilt als erfolgreich. Rund 60 Prozent der zuvor als jugendliche Gewalttäter abgestraften Männer schaffen es, ihr Verhalten zu erkennen und zu verändern. Doch was es bedeutet, sechs von zehn zur Umkehr zu bringen und dabei vier auf der Strecke lassen zu müssen, zeigt Uli Kicks Dokumentarfilm auf drastische Weise.

Am Ende des ganzen Prozesses steht eine einzige Frage: Woher kommt der Zorn. Da schließt sich der Kreis zum »Klassenkampf« von 2007. Die Ursachen für die Taten von heute liegen oftmals weit zurück. Die Gewalt, die daraus resultiert, wird nicht relativiert. Die eigentlichen Opfer werden benannt, teil drastisch geschildert. Doch der Film zeigt auch Verletzungen, die tief in der Seele verankert sind. Das sind Wunden, an die Polizei und Justiz mit den üblichen Mitteln nicht herankommen.

Der Zorn junger Männer
Dokumentarfilm, D 2014, 89 Minuten
Regie und Buch: Uli Kick
Produktion: filmworks in Koproduktion mit BR, WDR und ARTE