ROMAN BRODMANN PREISTRÄGER 2026

INSIDE GAZA gewinnt ROMAN BRODMANN PREIS 2026

Der diesjährige Roman Brodmann Preis wurde am 24. April 2026 in Berlin an die Regisseurin Hélène Lam Trong für ihren Fernsehdokumentarfilm INSIDE GAZA (72 Min.) vergeben. Zusammen mit dem Produzenten Yann Ollivier (Docs & Factstory AFP Group) und dem AFP-Fotografen Mohammed Abed, einem der Protagonisten von INSIDE GAZA, nahm die Filmemacherin die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen. Überreicht wurde der Preispokal von Sibylle Hanau-Brodmann, der Tochter des Namenspatrons.
Medienpolitisches Roman Brodmann Kolloquium

Gemeinsam mit dem Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) führen wir die Preisausschreibung und das Kolloquium 2025 zum vierten Mal durch. Wir danken vor allem Staatssekretärin Heike Raab, die uns Jahr für Jahr ermöglicht, die Medien- und Dokumentarfilmbranche in die Räume der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz in Berlin einzuladen.

→ zur Shortlist mit den zehn nominierten Filmen

Die Preisverleihung und das vorangehende Roman Brodmann Kolloquium standen 2026 unter dem Thema: „Autokratismus, Kulturkampf, Desinformation! Stirbt die Demokratie?“ Zur Eröffnung sprach der Medienwissenschaftler, freie Autor und Forscher Dr. Simon Strick (Autor von „Rechte Gefühle: Affekte und Strategien des digitalen Faschismus“). In seiner Keynote heißt es u. a.: „Ich möchte dem Begriff „Kulturkampf“ noch eine andere Wendung geben. Dazu verlasse ich die Tagespolitik und komme zu den Bildern, die die nominierten Dokumentarfilme uns zeigen. Denn diese Bilder kämpfen. Sie kämpfen natürlich gegen das Schweigen, gegen das Nicht-Hinsehen. Wir müssen uns Zeit nehmen für diese Filme, denn sie zeigen eine komplexere Zeit als die Tagespolitik. 

Sie zeigen Orte und Personen vor, während und nach der Katastrophe – ob damit ein versuchter Mord oder Völkermord, Besatzung, Krieg, oder Desinformation gemeint ist. Aber die Bilder kämpfen dabei auch gegen andere Bilder. Die Bilder aus Butscha im Film SPLITTER AUS LICHT stehen gegen die Propaganda Putins. Die Bilder und Gespräche in WAS AN EMPFINDSAMKEIT BLEIBT kämpfen mit der kollektiven Verdrängung von Femiziden in Deutschland. Der Film INSIDE GAZA zeigt neben vielen bisher ungesehenen Bildern jene Kinderleiche, an deren Echtheit die Weltöffentlichkeit gezweifelt hat, weil die israelische Regierung von einer Puppe gesprochen hatte. Auch Roman Brodmanns Film von 1967 [DER POLIZEITSTAAT] zeigte bereits einen solchen Krieg der Bilder und der Medien: Die Tribunale der Studierenden über Menschenrechtsverletzungen standen im Kampf mit der hetzerischen Vorverurteilung der Bild-Zeitung, die vom „linken Terrormob“ schrieb. Vor der Deutschen Oper wurden die Plakate der iranischen Royalisten zu Schlagstöcken gegen die Studierenden und ihre Transparente. Brodmanns Film zeigte damit einen zentralen Vorgang unserer andauernden Gegenwart: Aus Bildern werden Waffen. Im Englischen gibt es dazu den guten Begriff der Weaponization of Images.”








Im anschließenden Panel diskutierten Lars Hendrik Beger (Kulturjournalist DLF), Ann-Katrin Müller (Politikjournalistin DER SPIEGEL), Lorenz Blumenthaler (Amadeu Antonio Stiftung), Dr. Katja Muñoz (Senior Fellow, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.) mit Moderatorin Katharina Thoms (Hauptstadtkorrespondentin DLF).

Im Panel „Produzieren und Berichten in Kriegs- und Krisenzonen“ waren die Gäste: Mila Teshaieva (Regisseurin), Marcus Lenz (Produzent), Mohammed Abed (Fotograf), Yann Ollivier (Produzent) und Christian Mihr (Geschäftsführer Reporter ohne Grenzen). Die Moderation hatte Dr. Leonard Novy (Autor und Politikberater).

Gewinnerfilm 2026: INSIDE GAZA

Die abendliche Preisverleihung wurde wie in den vergangenen Jahren durch die „Roman-Brodmann-Rede” eingeleitet. 2026 hielt sie der Journalist, Filmemacher, Produzent und Buchautor Gero von Boehm.

Von Boehm, der als junger Journalist beim Südwestfunk den damals beim Süddeutschen Rundfunk beschäftigten, älteren Kollegen Roman Brodmann persönlich kannte, führte zu Brodmanns Arbeitsweise aus:

„Was mich an Brodmanns Werk fasziniert: Er hat keine großen Weltthemen gesucht. Er hat geschaut, was vor seiner Nase lag. 1966 drehte er DIE MISSWAHL – BEOBACHTUNGEN BEI EINER SCHÖNHEITSKONKURRENZ. Auf den ersten Blick: Bericht über Glitzer und Damenwahl, Grimme-Preis mit Bronze. Auf den zweiten Blick: eine Beobachtung darüber, wie eine Gesellschaft Frauen als Ware inszeniert, wie Körper bewertet werden, wie das Lächeln eingeübt wird, während die Kamera läuft. Brodmann hat das nicht behauptet. Er hat es gezeigt. Der Zuschauer durfte selbst urteilen. Den Film könnte man gerade heute wieder zeigen. […] Die im Grunde eher feuilletonistische als analytische Haltung, die Roman Brodmann uns vorgemacht hat, hat durchaus Vorzüge: Sie verführt nicht zu jenen Vereinfachungen, aus denen Thesen-Fernsehen sich häufig speist, und bietet dafür doch mitunter ausdrucksstarke und aufschlussreiche Bilder, die auch ohne verbalen Zeigefinger verständlich sind: Das war sein Geheimnis – und das war kein Trick, sondern echte handwerkliche Überzeugung. Er hat es einmal selbst formuliert, sinngemäß: „Ich will den Leuten nicht sagen, wie etwas wirklich ist, sondern ich will die Leute fragen: Meint ihr nicht, dass es auch anders sein könnte? Wobei ich gar nicht behaupte: Es ist anders. Ich finde nur, die Frage muss gestellt und beantwortet werden, wenn wir uns in irgendeiner Weise im Sinne der Aufklärung weiterentwickeln wollen.” Soweit Brodmann. Nicht sagen also. Fragen. Nicht belehren. Zeigen. Den Zuschauer ernst nehmen, statt ihn zu erziehen.“

Die vollständige „Roman-Brodmann-Rede” von Gero von Boehm finden Sie in der angehängten pdf-Datei.

Übergeben wurde der Preis von der Tochter des Namensgebers, Sibylle Hanau-Brodmann, und der dreiköpfigen Jury, die den Gewinnerfilm aus den zehn Finalisten der Shortlist gewählt hat. Die Jurorinnen 2026 sind: Steffi Niederzoll, Drehbuchautorin, Regisseurin und Trägerin des Roman Brodmann Preises 2023 (für den Kinodokumentarfilm SIEBEN WINTER IN TEHERAN), Monika Preischl, Archive Producer und Mitwirkende an zahlreichen Fernseh- und Kinodokumentarfilmen, sowie Chiara Sambuchi, Journalistin, Filmemacherin und Vorstandsmitglied in der AG DOK.








Im prämierten Dokumentarfilm INSIDE GAZA (ARTE France) beleuchtet Regisseurin Hélène Lam Trong die Erfahrungen eines Reporterteams der Agentur France Presse (AFP), das seit Beginn des Gaza-Kriegs im Palästinensergebiet festsaß. Erst im Februar 2024 konnten die sieben Journalist:innen ausreisen. Bis dahin dokumentieren sie das Leid der Zivilbevölkerung unter schwersten Bedingungen. Gleichzeitig erleben sie, dass die von ihnen gemachten Aufnahmen von westlichen Medien in Frage gestellt werden und von pro-israelischen Lobbygruppen als gefälscht diffamiert werden. In der Laudatio der Roman-Brodmann-Jury heißt es:

„In einer eindringlichen Montage erzählt der Dokumentarfilm nicht nur das Drama, die einzigen Zeug:innen einer erschütternden Brutalität zu sein – einer Welt, die unter Bomben zerbricht, in der Freund:innen, Kolleg:innen und Familienangehörige sterben. Er erzählt auch von der Erschöpfung und Einsamkeit von Reporter:innen sowie von ihrem unbeirrbaren Willen, weiter zu berichten und ihrer journalistischen Aufgabe gerecht zu werden.“

Die vollständige Laudatio entnehmen Sie der angehängten PDF-Datei.






Nach der Preisübergabe wurde INSIDE GAZA in ganzer Länge gezeigt. Im anschließenden Q&A gaben die Regisseurin Hélène Lam Trong, der Produzent Yann Ollivier sowie der inzwischen in Belgien lebende Fotograf Mohammed Abed Auskunft über die Entstehung des Films und die Arbeitsbedingungen von Presseangehörigen in der Kriegszone. Chiara Sambuchi führte das Gespräch.

https://vimeo.com/1187622092

Pressematerial

Weitere Materialien und Fotos finden Presseangehörige in unserer Presse-Cloud. Um Angabe der Foto-Credits wird gebeten. Für alle hier veröffentlichten Fotos der Veranstaltung: © RBP/HDF 2026. 

Link: https://cloud.hdf.de/s/mmKkwHLo3wmf2Tb

Kontakt: Ulrike.Becker@swr

Der ROMAN BRODMANN PREIS 2027 wird vom Haus des Dokumentarfilms im November 2026 ausgeschrieben.

Kooperationspartner des Hauses des Dokumentarfilms sind seit Bestehen des Roman Brodmann Preises die Landesvertretung von Rheinland-Pfalz beim Bund sowie der Sender ARTE. 2026 waren zum wiederholten Male Reporter ohne Grenzen (RSF) und der DJV Berlin-JVBB Kooperationspartner. Kuratiert werden der ROMAN BRODMANN PREIS und das KOLLOQUIUM von Ulrike Becker (HDF).