DOKVILLE Special Screening
DER HELSINKI EFFEKT
Ein Film von Arthur Franck – erzählt von Schauspieler Bjarne Mädel
Im Rahmen von DOKVILLE 2026 veranstaltet das Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Haus des Dokumentarfilms am 17. Juni, dem Vorabend des Branchentreffs, ein Special Screening von DER HELSINKI EFFEKT. Im Anschluss an die historische Doku von Arthur Franck, erzählt von Schauspieler Bjarne Mädel, folgt ein Filmgespräch mit Dagmar Mielke (Redakteurin rbb/ARTE) und Stefan Kloos (Produzent Kloos & Co).
Der Film verspricht Hochgenuss für alle, die sich für kreative Arbeit mit historischen Filmmaterialien und den Umgang mit scheinbar trockenen Archivquellen wie etwa endlose Konferenzprotokolle interessieren. Dem finnischen Regisseur Arthur Franck ist es gelungen, aus dem, was als „Schlussakte von Helsinki“ in die Geschichte einging, ein so spannendes wie unterhaltsames Lehrstück über die Kunst der Diplomatie zu arrangieren.
KSZE – Dialog im Kalten Krieg
Die „Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“, kurz: KSZE, war ein zwei Jahre währender Verhandlungsmarathon mit dem Ziel, einen Raum des Vertrauens und der Sicherheit von Vancouver bis Wladiwostok zu schaffen. Staats- und Regierungschefs aus 35 Ländern waren daran beteiligt und befanden sich zu Zeiten, als es nur Festnetztelefone, Faxe und Telexe gab, miteinander in ständigem Austausch. Die Schlussakte war wegweisend für die Entspannungspolitik. Es war der Versuch, den Kalten Krieg zu beenden. Vermutlich wäre es ohne die Schlussakte von Helsinki nie zur deutschen Wiedervereinigung gekommen.
Der Film DER HELSINKI EFFEKT taucht ein in die dritte und entscheidende Phase der KSZE. Er dröselt ausgehend vom 1. August 1975, dem Tag der Unterzeichnung der Schlussakte, die Gemengelage der damaligen Weltpolitik auf. Einer Politik, deren Ziele und Interessen links und rechts des „Eisernen Vorhangs“ definiert wurden, und einer Welt, die in zwei unversöhnliche ideologische Blöcke geteilt war. Hier die Westmächte, dort die Sowjetunion.
Trockenes Material – Künstliche Beatmung durch KI
Regisseur Arthur Franck hat dazu die Archive des finnischen Fernsehens durchforstet und ergänzend ehemalige Geheimprotokolle mithilfe von KI vertont. Der Kommentartext legt die Nutzung von KI von Anfang an offen und nimmt das Publikum auch sonst mit, wenn es um die Schwierigkeiten geht, aus trockenem Archivmaterial und transkribierten Gesprächsprotokollen einen nicht langweiligen Film zu machen. Franck ergänzt die historischen Fernsehbilder, indem er schriftlich fixierte Mitschriften, die inzwischen öffentlich zugänglich sind, mit den Stimmen der damaligen politischen Schwergewichte versieht. Zum Sprechen bringt er auf diese Weise Leonid Breschnew, Henry Kissinger, Gerald Ford, den Systemkritiker Alexander Solschenizyn und viele Andere. Er macht sie zu Protagonisten eines Szenarios, das teils an ein absurdes Theaterstück erinnert. Gastgeber des Helsinki-Treffens ist Finnlands Präsident Urho Kekkonen. Weitere Player sind James Harold Wilson, Helmut Schmidt, Erich Honecker sowie Nicolae Ceausescu. Alles läuft auf unterschiedlichen Wegen – geraden und krummen – auf den 1. August 1975 zu, den Tag, als die Schlussakte nach zweijährigen Verhandlungen endlich unterzeichnet wird.
Die Welt atmet auf, der Kalte Krieg ist beendet. Wirklich? Oder scheint es nur so? „Die Welt, in die die KSZE hineingeboren wurde, gibt es nicht mehr“, so der Regisseur Arthur Franck. „Aber die gegensätzliche Spannung ist die gleiche geblieben. Sie spukt in uns herum wie Geister. In Russland, im Nahen Osten, in den USA, in Ungarn und der Türkei, im gegenwärtigen fragilen Zustand unserer demokratischen Institutionen.“
https://www.youtube.com/watch?v=HJkrMUW1Kog
Diplomatie damals – Geopolitische Konflikte heute
Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gewinnt die Helsinki-Konferenz von 1975 eine unbeabsichtigte Aktualität. Alle damalige Diplomatie scheint umsonst gewesen zu sein. Putin und Trump heißen die gegenwärtigen Gegenspieler. Die Machthaber in China und Nordkorea spielen ihr eigenes Spiel.
„Als Geschichte“, meinen Franck und auch sein Erzähler, Schauspieler Bjarne Mädel, ist der Film, „eine Gegenerzählung zur Paranoia und Angst, die den Kalten Krieg befeuerten: Veränderung ist möglich. Gleichzeitig ist sie ein Beispiel dafür, wie geopolitische Albträume nachhaltig beendet werden können: durch geduldige und scheinbar oft langweilige Diplomatie.“
Also doch Hoffnung – am Ende eines langen, weil nie endenden Tunnels?
Wann: Mittwoch, 17.06.2026
Wo: Haus der Geschichte BW, Otto-Borst-Saal
Beginn: 19:00 Uhr (Filmlänge: 90 Minuten)
Einlass: ab 18:30 Uhr
Filmgespräch mit:
Dagmar Mielke (Redakteurin rbb/ARTE)
Stefan Kloos (Produzent Kloos & Co Medien)
Moderation: Ulrike Becker (HDF)
Der Eintritt ist frei. Anmeldung erforderlich: [email protected]

