Geschichtsdoku-Tipps für den Monat November 2023

Im November sind die empfehlenswerten historischen Dokus besonders vielseitig. Es geht um organisierte Kriminalität, das Kennedy-Attentat, Partisanen und einen Skandalroman.

Info
Die Geschichtsdoku-Tipps stellen Fernsehproduktionen vor, die sich mit zentralen Ereignissen des 20. Jahrhunderts und der jüngsten Vergangenheit beschäftigen. Oft zeichnen sie sich durch den Einsatz von aufwändig recherchiertem und aufbereitetem Archivmaterial aus. Auf weitere Eingrenzungen verzichtet die Redaktion, um die Vielfalt des Formats zu spiegeln.

„Partisanen – Krieg aus dem Hinterhalt“

Partisanen sind bewaffnete Kämpfer:innen, die nicht zu den regulären Streitkräften eines Landes gehören. Ihre Wurzeln gehen zurück auf Freischärler im Deutsch-Französischen Krieg (1870 – 1871). Doch auch heute noch kämpfen Partisaninnen und Partisanen in den zahlreichen Kriegen rund um den Globus. Mit Aufnahmen von ihren Einsätzen in der Ukraine beginnt auch die Dokumentation von Michael Kloft und Andreas Hancke, die das ZDF in der Reihe „Terra X History“ ausstrahlt.

Ausgehend von diesem aktuellen Beispiel erfolgt ein umfangreicher Rückblick auf die Geschichte des bewaffneten Freiheitskampfes. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Gruppen des Zweiten Weltkriegs, beispielsweise der Résistance in Frankreich oder der Polnische Heimatarmee. Umfangreiches Archivmaterial und zahlreiche Interviews mit Historiker:innen beleuchten die Hintergründe der unterschiedlichen Widerstandbewegungen. Der für die Dokus in dieser Reihe übliche Kommentar von Isaak Dentler schließt zudem etwaige Lücken. So entsteht ein dichter Einblick in die Welt der Partisaninnen und Partisanen.

  • Sendetermin: Sonntag, 12.11.23, 23:40 Uhr im ZDF (Erstausstrahlung) und vom 12.11.2023 in der ZDF-Mediathek.
  • Credits: „Partisanen – Krieg aus dem Hinterhalt“, eine Dokumentation von Michael Kloft und Andreas Hancke. Eine Produktion von Spiegel TV im Auftrag des ZDF.

„JFK Revisited – Die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy“

Das Attentat auf John F. Kennedy am 22.11.1963 ist von Mythen umrankt wie kaum ein anderes historisches Ereignis des 20. Jahrhunderts. Viele Menschen sind mit der offiziellen Darstellung der Ereignisse nicht einverstanden. Und so wurden über die Jahre zahlreiche Bücher und Filme veröffentlicht, die eine alternative Sicht der Dinge präsentieren. Einer der berühmtesten Vertreter ist dabei sicherlich Oliver Stones Spielfilm „JFK – Tatort Dallas“ von 1991. Es ist nicht nur der finanziell erfolgreichste Film des Regisseurs, sondern hat auch dazu beigetragen, dass die amtlichen Dokumente zum Attentat früher öffentlich zugänglich gemacht worden sind als ursprünglich geplant.


Die Erkenntnisse aus diesen Unterlagen sind für Stone der Ausgangspunkt, um erneut die Unstimmigkeiten in der offiziellen Version des Tathergangs aufzuzeigen. Ausführliche Interviews mit den verbliebenen Zeitzeug:innen und verschiedenen Expert:innen zeigen zuerst, wie einseitig die Warren Kommission direkt nach dem Attentat gearbeitet hat. Nach und nach arbeitet der Film allerdings immer spekulativer, um eine Verschwörung hinter der Ermordung Kennedys aufzudecken. Stones Arbeit mag tendenziös sein, doch die Verve, mit der sein knapp zweistündiger Dokumentarfilm arbeitet, ist durchaus beeindruckend.

  • Sendetermin: Mittwoch, 22.11.2023, 20:15 Uhr auf 3sat (Erstausstrahlung) und vom 15.11.2023 bis zum 13.02.2024 in der 3sat-Mediathek.
  • Credits: „JFK Revisited – Die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy“, ein Dokumentarfilm von Oliver Stone. Eine Produktion von Camelot Productions.

„Im Kopf eines Nazis – Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell“

Der dritte Film, den wir für den November 2023 empfehlen, ist keine typische historische Dokumentation. Er widmet sich nur am Rande einem historischen Ereignis, arbeitet dafür aber umso eindringlicher mit hervorragend ausgewähltem Archivmaterial. Als Jonathan Littells monumentaler Roman „Die Wohlgesinnten“ 2006 erschien, löste er einen veritablen Skandal aus. Zu unerhört war eine Erzählung der Gräuel des NS-Regimes rein aus der Täterperspektive. Doch im Dokumentarfilm „Im Kopf eines Nazis“ von Jean-Christophe Klotz spielt dieses Ereignis nur eine Nebenrolle. Im Fokus steht viel mehr die Bedeutung dieses Perspektivwechsels – und die Romanhandlung selbst.

Zahlreiche Expert:innen beleuchten, wie eine fiktionalisierte Realität dazu beitragen kann, psychologische Motive hinter Gehorsam und Grausamkeit nachzuvollziehen. Neben diese Interviews werden Passagen aus Littells Roman gestellt, visualisiert mithilfe pointiert gewählter Archivbilder. So wird sichtbar, wie tief die Fiktion in der Realität verwurzelt ist. Und wie wichtig sie sein kann, um einem Verständnis der Geschichte näher zu kommen.

  • Sendetermin: Mittwoch, 22.11.2023, 22:05 Uhr auf Arte (Erstausstrahlung) und vom 08.11.2023 bis zum 06.05.2024 in der Arte-Mediathek, zusammen mit sieben weiteren Dokus zu Skandalromanen.
  • Credits: „Im Kopf eines Nazis – Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell“, ein Dokumentarfilm von Jean-Christophe Klotz. Eine Koproduktion von Les Films du Poisson und Arte France.

„Mafia und Banken“

Die dreiteilige Dokumentation „Mafia und Banken“ von Julie Lerat und Christophe Bouquet zeichnet die hundertjährige Geschichte der Zusammenarbeit von Finanzwesen und organisiertem Verbrechen nach. Beginnend im New York der 1920er Jahre, als die amerikanischen Ableger der italienischen Cosa Nostra Kredite vergeben, werden nach und nach die Machenschaften aller größeren kriminellen Organisationen beleuchtet. Die russische Mafia verwaltet die Auslandskonten des KGB. Ein Triaden-Boss wird Chef der Börse von Shanghai. Und das kolumbianische Medellín-Kartell wäscht sein Geld mit Hilfe von Banken in Florida.


Das Weltumspannende Netzwerk von Banken und kriminellen Organisationen wird von einem Off-Kommentar und zahlreichen Interviews mit Expert:innen aus Justiz und Finanzwesen beleuchtet. Umfangreiches Archivmaterial vermittelt einerseits das jeweilige Zeitkolorit, zeigt aber auch die thematisierten Ereignisse, sofern möglich. Besonders hervorzuheben ist zudem der von Rémi Berger komponierte Soundtrack der Doku. Mit seiner an elektronischer Tanzmusik angelehnten Ästhetik verleiht er dem Film eine besondere Dynamik. Und trägt so dazu bei, dass das Thema äußerst lebendig vermittelt wird.

  • Sendetermin: Dienstag, 28.11.2023, drei Teile ab 20:15 Uhr auf Arte (Erstausstrahlung) und vom 21.11.2023 bis zum 01.06.2024 in der Arte-Mediathek.
  • Credits: „Mafia und Banken“, eine Dokumentation in drei Teilen von Julie Lerat und Christophe Bouquet. Eine Koproduktion von Yami 2 und Arte France.