
Der 1. Juli wird heiß und schwül, da kommt eine Abkühlung ganz recht: Der Filmemacher Joachim Tschirner nimmt uns in "Yellow Cake" mit unter die Erde und schildert die Machenschaften des Uranbergbaus, wie man es nie zuvor gesehen hat. In der Nacht zum Montag lässt es sich dann am Besten mit den süßen Klängen von "La Paloma" in den Schlaf wiegen und von Ferien auf Kuba träumen. Das bekannteste Lied der Welt ist ein Lied der Sehnsucht und der Liebe.
Sonntag, 1. Juli 2012
mdr, 23.25: Yellow Cake
Am Anfang der nuklearen Kette steht der Uranerzbergbau. Nur wenig ist von ihm bekannt, denn ein Geflecht aus Geheimhaltung und Desinformation liegt über seiner fünfundsechzigjährigen Geschichte. Weltweit und bis heute. Auch in den jüngsten öffentlichen Debatten über die Kernenergie spielen die verheerenden Folgen der Urangewinnung eine zentrale Rolle. In Sachsen und Thüringen existierte bis zur politischen Wende der drittgrößte Uranbergbau der Welt. Er trug den Tarnnamen Deutsch-Sowjetische Aktiengesellschaft WISMUT. Bis 1990 lieferte die WISMUT 220.000 Tonnen Uran in die Sowjetunion. Rechnerisch reichte das aus für den Bau von 32.000 Hiroshimabomben. Für jede Tonne musste das Zehntausendfache an Gestein aus der Erde geholt, verarbeitet und irgendwo gelagert werden. Unvorstellbare Mengen hochgiftiger und radioaktiver Hinterlassenschaften sind das Ergebnis. Seit zwanzig Jahren versuchen nun Tausende ehemalige Bergleute mit gigantischem Aufwand, ihre Vergangenheit zu bewältigen. Die Beseitigung des radioaktiven Mülls kostet den Steuerzahler am Ende fast sieben Milliarden Euro, doch ein Ende ist noch nicht in Sicht. Der Film begleitet einige Jahre lang das größte Sanierungsprojekt in der Geschichte des Uranerzbergbaus und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise, die von den ostdeutschen Uranprovinzen Thüringen und Sachsen zu den großen Uranminen der Welt in Namibia, Australien und Kanada führt. Während die Frage unbeantwortet bleiben muss, ob man die radioaktiven Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus für Jahrtausende sichern kann, steigt der Weltmarktpreis für Uran unablässig. Im Laufe der Arbeit an diesem Film um das Zwanzigfache.
Yellow Cake
Regie: Joachim Tschirner, Dokumentarfilm, D 2010, Um Welt Film Produktionsgesellschaft mbH, In Koproduktion mit: November Film, ARTE, RBB, MDR, Gefördert durch: Kulturelle Filmförderung des Bundes BKM, DEFA-Stiftung,Wismut GmbH, Thüringer Kultusministerium, Mitteldeutsche Medienförderung, FFA-Filmförderanstalt, Medienboard Berlin-Brandenburg
rbb, 00.55 (So-Mo): Alles koscher in Berlin?
Es sind 55 Quadratmeter "Jiddischkeit", wie die Juden sagen würden, so etwas wie jüdisches Herz und jüdische Seele: das Café Bleibergs mitten in Berlin-Charlottenburg. Hier kümmert niemanden besonders, wie normal oder nicht normal jüdisches Leben in Deutschland 60 Jahre nach dem Holocaust wieder ist, am allerwenigsten die Chefin des Etablissements. Die heißt Manuela Ramona Gabriela Chaya Ruth Hoffmann-Bleiberg und hatte von Gastronomie noch keinen Schimmer, als sie vor rund drei Jahren ihr Café eröffnete. Doch heute ist das Café Bleibergs für viele längst wie eine zweite Familie geworden. In seinen südländisch angehauchten Räumen treffen sich alle möglichen einsamen Seelen und skurrilen Gestalten. Autor Uri Schneider hat mit der Kamera das Leben und die Leute im Café Bleibergs beobachtet und herausgekommen ist dabei etwas, was er selbst mit augenzwinkernder Ironie eine "unorthodoxe Dokumödie" nennt.
Alles koscher in Berlin?
Regie: Uri Schneider
hr, 01.00 (So-Mo): La Paloma lindert die Sehnsucht
150 Jahre La Paloma, vom Liebeslied zum Protestlied, von der kleinen Habanera zur Grande Dame der Popmusik: Das meist gespielte Lied der Welt, "La Paloma", kam als kubanische Habanera auf die Welt, komponiert von dem Basken Sebastián Iradier. Der starb schon bald vergessen in der Heimat, während sein Lied bis heute Menschen in aller Welt berührt. Stets ist es das Lied der Sehnsucht - Sehnsucht nach einem Ort oder einer geliebten Person. Im rumänischen Teil des Banats tröstet es bei Beerdigungen die Hinterbliebenen, auf Sansibar ist es das Abschiedslied bei Hochzeiten. In Mexiko rührte es einst den unglücklichen Kaiser Maximilian zu Tränen, während die Republikaner sich in einer Spottversion über das Kaiserpaar lustig machten. Zu seinen Klängen marschierten die Kinder in Auschwitz ins Gas. Hans Albers' alkoholgetränkte Version wurde von Joseph Goebbels verboten. 1961 brachten Elvis Presley und Freddy Quinn das Lied in die Hitparaden. Was ist das Geheimnis dieses Liedes? Warum rührt es Menschen so vieler Hautfarben und Religionen zu Tränen? Der Film von Sigrid Faltin folgt dem Lied auf seiner Reise um die Welt.
La Paloma lindert die Sehnsucht
Dokumentarfilm, D 2008
Buch und Regie: Sigrid Faltin
Produktion: White Pepper Film Freiburg
Koproduzierende Sender: NDR, WDR, ZDF, Arteen Monat eine Liste der unterhaltsamsten Dokumentarfilme, Dokumentationen und Reportagen des aktuellen TV-Programms zusammen.
(Katja Silberzahn | Quellen und Fotos alle o.g. Sender und Webseiten)