Verführung ist ein sinnliches Erlebnis. In zwischenmenschlichen Beziehungen kommt sie allerdings nur selten vor, deshalb suchen wir uns Ersatzbefriedigungen, die uns glücklich machen: der Computer, das Essen im Kühlschrank, das Autofahren oder das Jubeln auf dem Fußballfeld. Die Hauptsache ist doch, es macht Spaß und schadet keinem anderen. Dass dies häufig leider nicht der Fall ist, zeigen u.a. die ausgewählten Dokumentationen an diesem Freitag.
Freitag 29. Juni 2012
Einsfestival, 14.45: Spielen, spielen, spielen
Wenn Marc-Oliver am Nachmittag von der Schule nach Hause kommt, hat er nur ein Ziel: seinen Computer. Mindestens sechs Stunden spielt er täglich, am Wochenende auch mal Nächte durch. Marc-Oliver ist süchtig nach Computerspielen. Wegen seiner Spielsucht hat er das Gymnasium geschmissen und nur mit Mühe einen Hauptschulabschluss geschafft. Immer war der Computer ihm wichtiger. Es ist eine Sucht, die seine Mutter nicht versteht und gegen die sie hilflos ist. "Wir haben alles versucht, um ihn vom Bildschirm wegzuholen. Wir haben mit ihm über die Spiele gesprochen, haben gedroht und den Computer schließlich abgeschaltet. Es hat alles nichts genützt".Die Dokumentation "Spielen, spielen, spielen... wenn der Computer süchtig macht" gibt Einblicke in den täglichen Kampf von Familien gegen die Computerspielsucht ihrer Kinder.
Spielen, spielen, spielen... wenn der Computer süchtig macht
Regie: Sonia Mayr, Anja Reschke, Henning Rütten, Dokumentation, 45 Minuten, WDR
Einsfestival, 15.30: Verführer Supermarkt
Wir alle sollen möglichst viel kaufen. Mit einem ausgeklügelten System verfolgen Handel und Industrie dieses Ziel. Die Dokumentation zeigt wie es funktioniert und wie sich Kunden dagegen wehren können. Es gibt im Supermarkt verschiedene Ebenen, die uns Verbrauchern nicht bewusst sind, aber zu mehr Konsum verleiten sollen.
Verführer Supermarkt
Regie: Carsten Rau, Hauke Wendler, Dokumentation, 45 Minuten
Einsfestival, 17.00: Stark reduziert
Mitte 2009 hat die Billigkette Woolworth Insolvenz angemeldet. Seitdem sucht der Zwangsverwalter nach einem Käufer für die Filialen. "Stark reduziert" werden bei Woolworth nicht nur die Waren angepriesen, sondern der Spruch gilt auch für das Personal. Viele Festangestellte müssen gehen, andere sollen für wesentlich weniger Lohn arbeiten. Die Betriebsrätin Brigitte K. muss sich entscheiden, ob sie das Angebot des Insolvenzverwalters annimmt für nur noch fast die Hälfte des bisherigen Lohns zu arbeiten. Was spielt sich in einer Filiale wie in Köln-Mülheim ab, wenn die langjährigen Kolleginnen gehen, das Sortiment ausgedünnt wird und auch die Kunden verunsichert sind? Wird Woolworth es schaffen oder wird aus der Insolvenz noch die endgültige Pleite? Das Film-Team konnte den Kampf ums wirtschaftliche Überleben ein halbes Jahr lang intensiv begleiten.
Stark reduziert
Regie: Ines Jacob, Ute Hilgefort, Dokumentation, 45 Minuten
3sat, 20.15: Wut am Steuer
Regelmäßig jubeln die Unfallforscher, dass das Autofahren in den letzten Jahren dank besserer Straßen und Autos zunehmend sicherer geworden und die Zahl der Unfälle rückläufig sei. Was sich hingegen alles andere als verringert hat, sind Aggressivität und Risikobereitschaft der Verkehrsteilnehmer. Wildes Gehupe und grobe Beleidigungen sind keine Seltenheit. Die Reportage "Wut am Steuer" begibt sich auf Spurensuche im deutschen Verkehrsalltag. Sie ist dabei, wenn Autofahrern die Hutschnur platzt, Radfahrer ausrasten und Fußgänger sich wehren. Polizisten berichten vom täglichen Kampf auf der Straße, Psychologen erläutern die Mechanismen der Aggressivität, und Autodesigner erklären, warum ihre Branche dennoch kein Interesse an einem "friedlichen" Auto hat, das den Fahrer automatisch ausbremst.
Wut am Steuer
Regie: Tristan Chytroschek, Dokumentation, 45 Minuten
ZDFkultur, 20.15: Hoffenheim – Das Leben ist kein Heimspiel
Märchenhafter Aufstieg eines Dorfvereins oder einfach eine clevere Geschäftsidee? "Hoffenheim - Das Leben ist kein Heimspiel" zeigt die TSG 1899 Hoffenheim bei ihrem Sturm auf die 1. Bundesliga und begleitet die beteiligten Akteure in ihrem nicht ganz alltäglichen Alltag: den leidenschaftlich engagierten Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus beim Hürdenlauf in der Provinz, den angesichts des rasanten Tempos verunsicherten Ur-Fans Torro beim Kampf um seine Liebe und den Mäzen des Fußballtraums bei der Suche nach Anerkennung für sein Hoffenheimer Lebenswerk. "Hoffenheim - Das Leben ist kein Heimspiel" ist die authentische Dokumentation einer der größten sportlichen und wirtschaftlichen Unternehmungen der deutschen Fußballgeschichte und zugleich ein emotionaler Heimatfilm, das liebevolle Porträt eines Dorfes und seiner Idylle, an der die Stürme der gesellschaftlichen Veränderung nicht spurlos vorbei gehen.
Hoffenheim - Das Leben ist kein Heimspiel
Regie: Frank Pfeiffer, Rouven Rech, Dokumentarfilm, D 2010, 90 Minuten
(Katja Silberzahn | Quellen und Fotos alle o.g. Sender und Webseiten)