"Sie können es sich nicht vorstellen, was das für ein Gefühl ist!" Man konnte es Matthias Triebel noch Monate später am leichten Beben der Stimme anhören, welche Euphorie ihn erfasst haben muss, als er hörte, dass der von ihm produzierte Dokumentarfilm "Jane's Journey" möglicherweise für den Oscar prämiert werden sollte. Der Oscar - das ist noch immer der schönste Filmpreis. Wenn auch nicht der wichtigste - zumindest für einen Dokumentarfilm. Denn am Ende gewinnen immer die Amis. Dennoch laufen jetzt wieder die Bewerbungsfristen. Wir erklären, wie man sich anmeldet.
Im kommenden Jahr werden zum 85. Mal die Oscars vergeben. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences - kurz: AMPAS - hat für den Bereich Dokumentarfilm wieder zwei Auszeichnungen ausgelobt. Einer der goldenen Jungs geht als "Documentary Short Subject" an einen dokumentarischen Film bis zu 40 Minuten Länge. Der andere Golden Boy wird als "Documentary Feature" für Filme über 40 Minuten vergeben. Beide Vorgaben passen auch zu den in Deutschland produzierten Formaten - wobei, siehe weiter unten, eine Fernsehproduktion in der Regel keine Chancen hat.
Favorisiert sind in beiden Kategorien ohnedies fast immer die amerikanischen Produktionen. In diesem Jahr aber hatte es Wim Wenders' Tanzdoku "PINA" tatsächlich unter die fünf Nominierungen geschafft. Ein toller Erfolg - bei der Prämierung allerdings gewann dann "Undefeated". Ein amerikanischer Film, klar! Doch es war dennoc ein gutes Jahr für den deutschen Dokumentarfilm. Matthias Triebels "Jane's Journey" (Foto rechts) hatte zwar nach der Vornominierung doch nicht den Sprung in die Nominiertenliste geschafft. Ein solcher Achtungserfolg für diesen in Deutschland produzierten Film über die Tierforscherin Jane Goodall entschädigt dennoch für fünf harte Jahre, die Triebel und seine Kollegen in das Projekt gesteckt haben. (Hier können Sie nachhören, was Matthias Triebel über die Entsstehungsgeschichte des Films zu berichten weiß.)
Bevor man sich um einen Oscar bewerben kann, muss man es mit seinem Film allerdings ins Kino geschafft haben. Und zwar nicht nur in Buxtehude, sondern auch auf mindestens einer amerikanischen Leinwand. Ist ja auch logisch, denn der Oscar ist so etwas wie der Amerikanische Filmpreis. Internationale Dokumentarfilme können sich ausschließlich über eine Kinoauswertung in den USA für die Teilnahme am Wettbewerb qualifizieren und müssen ihre Welturaufführung im Rahmen einer öffentlichen Kinoaufführung nachweisen. Filme müssen innerhalb von zwei Jahren nach ihrer Fertigstellung im Zeitraum zwischen dem 1.1.2012 und dem 31.12.2012 eine Woche lang jeweils zwischen 12 Uhr und 22 Uhr in mindestens zwei täglichen Vorführungen und gegen Entgelt in einem Kino gelaufen sein. Und zwar bei langen Filmen im Großraum Los Angeles und im Großraum New York (Documentary Feature); und bei kurzen Filmen im Großraum Los Angeles oder im Großraum New York (Documentary Short Subject)
Als Beleg für die Vorführungen verlangt die AMPAS grundsätzlich die Vorlage des Vorführplans vor Beginn der Vorführungen; außerdem eine Bestätigung des Kinobesitzers über stattgefundene Vorführungen und einen Nachweis über Werbung für die Vorführungen in Gestalt von Anzeigen auf der Filmseite einer bedeutenden Zeitung und Vorlage dieser Anzeigen bei der AMPAS. Dazu zählen The New York Times, Time Out New York, The Village Voice New York, Los Angeles Times, LA Weekly. Außerdem muss der eingereichte Film eine Filmbesprechung in The New York Times und/oder Los Angeles Times nachweisen.
Eingereichte Filme dürfen nicht älter als zwei Jahre alt sein und müssen in englischer Sprache gedreht oder englisch untertitelt sein und die Vorführformate 35 mm, 70 mm oder DCP aufweisen. Es können nur thematisch abgeschlossene, ungekürzte, nicht eigens bearbeitete Produktionen eingereicht werden (also keine Teile von Serien, Kurzfassungen, Einzelelemente größerer Projekte, Bearbeitungen von eigentlich nicht Teilnahme berechtigten Filmen o. ä.).
Die Anmeldung muss vom Rechteinhaber selbst in die Wege geleitet werden. Und der muss auf seinen Terminkalender achten, denn der Anmeldeschluss endet am 3. September 2012 (Documentary Short Subject) und am 24. September 2012 (Documentary Feature).
Sie denken, das schaffen Sie alles locker? Die Redaktion von dokumentarfilm.info wünscht auf jeden Fall viel Erfolg und wird im Frühjahr 2013 von der Oscar-Nacht berichten.
(Thomas Schneider / Foto: AMPAS, Jane's Journey)