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Mittwoch, 7. Dezember
3sat, 20.15: Ich und die anderen und die Medien
"Mir san mir", sagen die Bayern und präsentieren so ihr Selbstbewusstsein - als Gemeinschaft. Denn das "Selbst" bedarf der Gemeinschaft. Ständig kommunizieren wir, direkt im Gespräch, früher per Brief, heute per E-Mail. Wir chatten, twittern und tratschen - lokal und global. Eine Herde von Individualisten, die immer ausgeklügeltere Formen des Kommunizierens produziert. Genauso wichtig, wie die Kommunikation mit anderen, ist es, sich abzugrenzen und eigenständig zu sein. Das Miteinander bietet Sicherheit, der eigenständige Weg bietet Freiheit. Zwischen diesen Polen bewegen wir uns hin und her. Der moderne Mensch ist ein betonter Individualist, immer im Widerstreit zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit, zwischen Anpassung und Revolte. Er findet und erfindet Rollen, die ihm Ausdruck geben, die seine Wertigkeit und seine Vorstellung von Welt widerspiegeln. Waren diese Rollen früher langlebig, so wechseln sie heute angesichts der medialen Vielfalt schnell und oft zum Teil schon in multiple Rollenspiele. Wir produzieren Daten, veräußern sie, stellen sie um, schieben sie herum, informieren uns mit ihnen. Diese Daten bilden in ihrer Gesamtheit einen Superorganismus ab, der mehr als die Summe seiner einzelnen Teile ist. Der Mensch ist nur ein kleines Fischchen im globalen Schwarm des digitalen Meeres. Die Dokumentation "Ich und die anderen und die Medien" zeigt die Bedeutung von Kommunikation in unserer heutigen medienverstrickten Welt.
Donnerstag, 8. Dezember
ServusTV, 20.15: Falco – Muss ich denn sterben, um zu leben
Fast könnte man meinen über FALCO sei alles gesagt worden. Regisseur und Produzent Rudi Dolezal, seinerzeit so etwas wie Falcos "Leibfilmer", stellte sich einer besonderen Herausforderung: Einen neuen Falco-Film zu produzieren, der nicht nur größtenteils aus neugedrehtem und unveröffentlichtem Material besteht, sondern auch inhaltlich sogenannte "Untold Stories" über Falco erzählt.
ZDFkultur, 23.30: Und Zeit wird hier zum Raum Schlingensief, Wagner und der Animatograph
Am 21. August 2010 starb, nur wenige Wochen vor seinem 50. Geburtstag, der Künstler und Film-, Opern- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief an seiner Krebserkrankung. Vor sechs Jahren, im Sommer 2004, inszenierte er Wagners "Parsifal" in Bayreuth und unterlief in einem Kraftakt brillant alle Konventionen, bereicherte die Oper mit Film und Installation. Doch der Kampf gegen die Konventionen des "Grünen Hügels" war so zermürbend, dass Schlingensief sagte, dass er bei dieser Arbeit wahrscheinlich Krebs bekommen werde. Ein Jahr später schuf er auf dem ehemaligen NVA-Flugplatz Neuhardenberg mit der Installation "Der Animatograph - Odins Parsipark" eine begehbare Fortsetzung des Bayreuther "Parsifal". Darin führt er Wagner und Parsifal mit nordischen Sagen, deutscher Geschichte und Joseph Beuys zusammen. Die Berliner Filmemacherin Johanna Schickentanz hatte Christoph Schlingensief 2005 in Neuhardenberg getroffen und mit ihm über seinen "Parsifal" und den "Animatographen" gesprochen.
SWR, 00.15 (Do-Fr): Händler-Träume
Der Film "Händler-Träume" erzählt fünf Geschichten rund um den Globus, von Gewinnern und Verlierern, Handeln und Hoffen, Erfolg und Verheißung. Über 150 Millionen Menschen sind Nutzer von Ebay, dem weltweit größten Auktionshaus im Internet.
Freitag, 9. Dezember
Arte, 21.45: Das automatische Gehirn (1/2)
Über 90 Prozent von allem, was wir täglich machen, erledigt unser Gehirn quasi ohne uns. Unbewusst, oft ohne, dass wir es merken. Die zweiteilige Dokumentation "Das automatische Gehirn" wirft einen Blick auf diesen "inneren Autopiloten", am Beispiel von Martha und Jake: zwei Menschen, die sich zufällig über den Weg laufen. Und die - wie wir alle - von unbewussten Mustern im Kopf gesteuert werden, angefangen beim Zähneputzen am Morgen, bei der Auswahl der Anziehsachen, der Art, Auto zu fahren bis hin zur möglicherweise wichtigsten Entscheidung unseres Lebens: der Frage, in wen wir uns verlieben.
Arte, 22.30: Herr Pilipenko und sein U-Boot
Die letzten 30 Jahre hat Wladimir Pilipenko fast ausschließlich in seiner Werkstatt verbracht. Aus Schrottteilen hat er - mitten in der ukrainischen Steppe - ein U-Boot gebaut. Das giftgrüne Gefährt funktioniert sogar - zumindest im örtlichen Dorfteich. Doch Pilipenko will beweisen, dass er mit seinem U-Boot im Schwarzen Meer richtig abtauchen kann. Nach aufwendigen Vorbereitungen bricht Pilipenko endlich auf. 400 Kilometer Steppe und beschwerliche Bergketten muss er mit seinem U-Boot auf einem altersschwachen Getreidetransporter hinter sich bringen, bis an die Ufer der Krim.
Herr Pilipenko und sein U-Boot
Samstag, 10. Dezember
Arte, 21.45: Die Chefin
Fast 20 Jahre herrschte Bürgerkrieg in Liberia. Im Januar 2006 wurde die in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Ellen Johnson Sirleaf als erste frei gewählte Präsidentin eines afrikanischen Landes vereidigt. Sie besetzte mehrere entscheidende Führungspositionen mit Frauen. Mit deren Hilfe will sie demokratische Strukturen in Liberia etablieren. Der Dokumentarfilm gewährt einen einzigartigen Einblick in die Arbeitsweise einer neu gewählten afrikanischen Regierung.
Phoenix, 22.30: Folter – Made in USA
Können Mitglieder der Bush-Regierung wegen "Kriegsverbrechen" vor Gericht gestellt werden? Der Film von Marie-Monique Robin durchleuchtet den Mechanismus, der dazu führte, dass die "größte Demokratie der Welt" massenhaft und systematisch Folter einsetzt. Die Filmemacherin nutzt dabei bislang unveröffentlichtes Archivmaterial und lässt hochkarätige Zeugen zu Wort kommen.
Folter - Made in USA im Dokfilminfo YouTube-Channel
Sonntag, 11. Dezember
Arte, 22.20: Eliot Ness gegen Al Capone
6. Oktober 1931: Das Bundesgericht von Chicago verhandelt über Al Capone. Der Prozess dauert sieben Tage. Capone, der noch kurz zuvor von der "Times" zu den zehn wichtigsten Persönlichkeiten der Vereinigten Staaten gerechnet worden war, erscheint an diesem Tag vor der neugierigen Menge und vor Hunderten von Journalisten aus aller Welt als erschöpfter, geschlagener Mann. Im Handumdrehen wird er zum Staatsfeind Nr. 1. Mit "Eliot Ness gegen Al Capone" hat Patrick Jeudy eine opernhaft und barock anmutende Dokumentation geschaffen, in der sich Wirklichkeitstreue und Intelligenz eines realistischen Romans mit der Kraft und Dichte eines Gangsterfilms verbinden.
BR, 23.20: Selbstbeschreibung - Der Filmemacher Georg Stefan Troller in einem Selbsporträt
Der gebürtige Wiener Georg Stefan Troller zählt zu den großen Reporterlegenden und ist einer der bedeutendsten und meistausgezeichneten Dokumentarfilmer unserer Zeit. In "Selbstbeschreibung" stellte sich der damals 80-Jährige seiner Vergangenheit und befragte den Wiener Schauspieler Alexander Pschill, der dafür die Rolle von Trollers jugendlichem Alter Ego übernahm - ein Selbstgespräch mit verteilten Rollen, eine faszinierende Rückschau auf ein bewegtes Leben und eine Selbstabrechnung, teils ernst, teils komisch, meist beides zusammen. Das Bayerische Fernsehen zeigt das Doku-Spiel anlässlich Trollers 90. Geburtstag am 10. Dezember 2011.