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Oscars für "The White Helmets", "O.J. Made in America"

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Doku-NewsBei der 89. Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag haben in den dokumentarischen Film-Kategorien die erwarteten amerikanischen Favoriten gewonnen: der fast acht Stunden lange Dokumentarfilm »O.J. Made in America« und die Kurz-Dokumentation »The White Helmets«. Nominiert waren in beiden Kategorien auch in Europa bekannte Filmemacher - unter anderem Gianfranco Rosi mit »Fuocoammare« (»Fire at the Sea«) und Marcel Mettelsiefen mit »Syrien: Von Aleppo nach Goslar« (»Watani: My Homeland«). Zumindest der Sieg der fast acht Stunden langen O.J.Simpson-Biografie des amerikanischen Filmemachers Ezra Edelman war ein Favoritensieg. Beide Oscar-Dokus sind in Deutschland derzeit nur über internationale Streamingnetzwerke zu empfangen.

Foto: Szene aus »The White Helmets« © Netflix

Foto: Szene aus »The White Helmets« © Netflix

Der deutsch-spanische Filmemacher Marcel Mettelsiefen befindet sich spätestens seit vergangenem Wochenende in bester Gesellschaft: unter anderem wie Joshua Oppenheimer oder Wim Wenders, die beide für den Doku-Oscar nominiert waren ohne ihn zu gewinnen, hat Mettelsiefen bei der Oscar-Nacht 2017 nur die Rolle des Nominierten ausgefüllt. In seiner Kategorie »Documentary Feature« holte die Kurz-Doku »The White Helmets« den Oscar. Mettelsiefen, der mit der Doku »Watani: My Homeland« nominiert war, bezeichnete seine Teilnahme am Oscar-Rennen dennoch als großen Sieg.

Marcel Mettelsiefen hatte seinen Film unter anderem im Herbst 2016 bei einer Veranstaltung des Hauses des Dokumentarfilm in Stuttgart vorgestellt. Er berichtete damals, wie schwierig es gewesen sei, in Syrien eine objektive Haltung bewahren zu können. Man sei sofort dabei, sich auf eine Seite zu schlagen, obwohl gleichzeitig die Situation undurchschaubar und komplex sei.

In der Kategorie »Doc Shorts« gewann mit »The White Helmets« dennoch ein »syrisches Thema«. Der britische Filmemacher Orlando von Einsiedel berichtet in seiner für den Streamingdienst Netflix gedrehten Doku über den syrischen Zivilschutz, eine private Freiwilligengruppe, die ihren Sitz in Großbritannien hat. Die Mitglieder der Organisation versuchen humanitäre Hilfe in Syrien zu leisten.

Bei den langen Dokumentarfilmen - wobei in diesem Jahr das Wort lang besonders betont werden sollte - siegte der Kino-Dokumentarfilm »O.J. Made in America« von Ezra Edelman. In dieser Biografie des ehemaligen Sportlers O.J. Simpson greift der amerikanische Filmemacher einen der spektakulärsten Kriminalfälle in der jüngeren amerikanischen Geschichte auf: die Ermordung von Simpsons damalige Frau Nicole Browen Simpson und ihrem Liebhaber Ronald Lyle Goldman im Juni 1994. O.J. Simpson wurde damals nach einem spektakulären Mordprozess freigesprochen, sitzt aber wegen eines anderen Verbrechens heute in Haft. Der Film von Ezra Edelmann wurde als fünfteilige Miniserie und als Kino-Dokumentarfilm veröffentlicht.

Foto: Szene aus »O.J. Made in America« © ESPN

 

Foto: Szene aus »O.J. Made in America« © ESPN

 

Nominiert bei den »Documentary Features« war auch der italienische Regisseur Gianfranco Rosi, der in seinem bei der Berlinale 2016 mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten Dokumentarfilm »Fuoccoammare« den Alltag der Bewohner der gleichnamigen italienischen Insel zeigt. Sie ist in den vergangenen Jahren zum Symbol geworden für eine verfehlte Flüchtlingspolitik der EU wurde. Auf der anderen Seite ist so Hoffnungsort für die Flüchtlinge, nach ihren oft abenteuerlichen Fluchten über das Mittelmeer in altersschwachen oder zu kleinen Booten. Rosi kontrastiert geschickt ihr Schicksal mit den Inselbewohnern, die trotz des Ausnahmezustands gerne helfen.

Die Academy Awards aka »die Oscars« werden gerne als internationale Welt-Filmehrung wahrgenommen, sind in Wirklichkeit aber eben doch nur die US-amerikanischen Filmpreise. Will heißen: auch wenn immer wieder europäische Themen, Akteure und Filme nominiert werden, so gewinnen doch mit steter Regelmäßigkeit die Filme, die sich am besten auf dem amerikanischen Kinomarkt positioniert und behauptet haben. Und beide Oscars geht Business - speziell im Dokumentarischen - vor Kunst.

Dies waren die Nominierungen in den dokumentarischen Kategorien bei der 89. Verleihung der Oscars:

Bester Dokumentar-Kurzfilm
»Doc Shorts«

Watani: My Homeland
Marcel Mettelsiefen and Stephen Ellis

Extremis
Dan Krauss

4.1 Miles
Daphne Matziaraki

Joe‘s Violin
Kahane Cooperman and Raphaela Neihausen

The White Helmets
Orlando von Einsiedel and Joanna Natasegara

Bester Dokumentarfilm
»Documentary Feature«

Fire at Sea
Gianfranco Rosi and Donatella Palermo
Stemal Entertainment

I am not your Negro
Raoul Peck, Rémi Grellety and Hébert Peck
Velvet Film

Life Animated
Roger Ross Williams and Julie Goldman
Motto Pictures and A&E IndieFilms

O.J. Made in America
Ezra Edelman and Caroline Waterlow
Laylow Films and ESPN Films

13th
Ava DuVernay, Spencer Averick and Howard Barish
Forward Movement


Gewinner aus den Vorjahren

2016
»Amy - The Girl Behind The Name«
»A Girl in the River: The Price of Forgiveness« (Kurz-Doku)

2015
»Citizenfour«
»Crisis Hotline: Veterans Press 1« (Kurz-Doku)

2014
»20 feet from stardom« 
»The Lady in Number 6« (Kurz-Doku)

2013
»Searching for Sugarman«
»Inocente« (Kurz-Doku)

2012
»Undefeated«
»Saving Face« (Kurz-Doku)

2011
»Inside Job«
»Strangers No More« (Kurz-Doku)

2010
»The Cove«
»Music by Prudence« (Kurz-Doku)

2009
»Man On Wire«
»Smile Pinki« (Kurz-Doku)

2008
»Taxi To The Dark Side«
»Freeheld« (Kurz-Doku) 

(Thomas Schneider)

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24. April 2017

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