"Das Programm ist Zumutung und Arbeit", so begriff der Regisseur, Autor und Redakteur Horst Königstein seine Mission, Qualitätsfernsehen zu machen. Dieser Tage verlässt er nach über 40 Jahren den NDR und geht in Ruhestand. Zum Abschied bekommt er von seinem Stammsender ein Geschenk, das seine eigene Handschrift trägt: ein Dokudrama über Horst Königstein höchstpersönlich. Zusammen mit Heinz Breloer entwickelte er in den 90er Jahren dieses Genre und steht jetzt selbst im Mittelpunkt eines Programmschwerpunktes über die Fernsehgeschichte.
Oliver Schwabes Porträt über Königstein ist mehr als eine Hommage an dessen Verdienste um das Fernsehen. Schwabe nähert sich sozusagen mit dessen eigenen Mitteln seinem Protagonisten an. Deshalb ist auch einiges in diesem Film frei erfunden. Wahr ist, dass sich Königstein gerne mit Ringo Starr verglich. Verbindende Elemente: Die Liebe zur Musik und eine große Nase. Als Leitmotiv führt diese zurück bis zu den Anfängen der Beatles- Erfolge in den 60ern als seinerseits Königstein begann, seine Handschrift in der ARD zu hinterlassen.
Es entsteht eine Komposition von Zitaten des filmischen Werks, ergänzt mit Interviews und Ausschnitten aus Arbeiten mit Curt Bois, Annette Humpe, Dennis Hopper, Udo Lindenberg, Rod Stewart, Pete Townshend, Ringo Starr und Frank Zappa. Außerdem werden seine Dokudramen über "öffentliche" Personen wie zum Beispiel Inge Meysel, Veit Harlan, Birgit Breuel und "Die Manns" im Kontext ihrer Wirkung und ihrer medialen Rückwirkung betrachtet.
Immer wiederkehrende Themen bei Königstein sind der Starkult und die Existenz als Star. Was heißt es, was bedeutet es, prominent zu sein - das fragte er sich als Autor, suchte nach dem Menschen hinter der Promi-Maske und protokollierte die Eitelkeiten aller Beteiligten. Solche Sequenzen montiert Regisseur Oliver Schwabe jeweils mit der Gegenwartsebene zusammen und lässt sie von Königstein kommentieren: Der heutige Königstein wird von Matthias Brandt gespielt, der Königstein der 1970er-Jahre von Tom Schilling. So entsteht ein Dokudrama über öffentliches Nachdenken über die Möglichkeiten und Grenzen des Mediums Fernsehen. Für seine Verdienste um eben dieses erhielt der heute 65Jährige zahlreiche Preise und Auszeichnungen unter anderem die "besondere Ehrung" im Rahmen des Adolf-Grimme-Preises.
Ich, Ringo und das Tor zur Welt
Regie: Oliver Schwabe und Jan Bonny
D 2010, 90 Min.
NDR
(Sybille Neth / Quelle und Foto: NDR)