Deutschland lud in den 60er Jahren eine große Zahl von Gastarbeitern ein, für eine begrenzte Zeit hier zu arbeiten. Die Männer und Frauen, die aus ihrer Heimat in ein fremdes Land, mit einer ihnen fremden Kultur kamen, versuchten sich so gut wie möglich einzugliedern und Geld zu verdienen. So wie der Türke Cahit Cubuk, der als Koch arbeitete. Er lernte eine junge deutsche Frau kennen, die sich Hals über Kopf in ihn verliebte und schwanger wurde. Der kleine Marcus Attila Vetter aber lernte seinen Vater erst Jahrzehnte später kennen.
Der Journalist und Filmemacher Marcus Vetter begibt sich in Mein Vater, der Türke auf die Suche nach seinem Vater und dessen Familie in der Türkei.
Sein Vater stammt aus dem kleinen Bergdorf Cubuk Koye. Um Geld zu verdienen fuhr Cahit nach Deutschland und verliebte sich in eine gerade mal 20 Jahre junge Frau. Sie genossen eine kurze ausgelassene Zeit, bis sie schwanger wurde. Eines Tages, der kleine Marcus war noch nicht geboren, fuhr Cahit in Urlaub nach Anatolien und kam nie wieder zurück. Die verzweifelte, hochschwangere Mutter musste den Sohn alleine aufziehen und verweigerte Cahit später den Umgang mit dem Kind. Sie war enttäuscht und verletzt, denn erst spät erfuhr sie, dass Cahit noch eine Frau in der Türkei hatte, zu der er zurückkehrte und mit ihr vier Töchter zeugte, immer in der Hoffnung er bekäme noch ein Sohn.
Als sich Marcus Vetter zu Besuch in der Türkei anmeldet, überschlagen sich die Gefühle aller Familienmitglieder. Die ganze Familie ist gespannt auf den unbekannten Sohn, Bruder und Onkel. Offen erzählen Marcus Schwestern über ihre enttäuschten Erwartungen, die sie an ihre Eltern in der Kindheit stellten und über die fehlende Anerkennung des Vaters, der es nie lange zuhause ausgehalten hatte und immer auf Reisen war.
Es ist ein Film über das Zusammentreffen zwei sehr verschiedener Kulturen, bei dem die Elterngeneration nach anderen Vorstellungen lebt. Die Geschwister hingegen stellen fest, dass sie letztendlich die gleichen Vorstellungen von einer intakten Familie und Liebe teilen. Aber auch Cahit Cubuk stellt sich endlich den Fragen seines Sohnes, die ihn sein Leben lang beschäftigt haben.
Mein Vater, der Türke wurde als Bester Dokumentarfilm beim 12. Filmfestival Türkei/Deutschland ausgezeichnet. 2006 erhielt er den Prix Europa, sowie den Golden Gate Award beim San Francisco InternationalFilmfestival 2007.
Mein Vater, der Türke
Marcus Attila Vetter und Ariane Riecker
Türkei,Deutschland 2006, 90 Min.
SWR
(Katja Silberzahn / Quelle: Arte / Foto: SWR)