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Winfried Junge ist ein Dokumentarfilmer, der viel Herz in seine Filme investiert. 1961 startete er ein einzigartiges Projekt: "Lebensläufe – Die Kinder von Golzow". 46 Jahre lang begleitete Junge den Alltag einer Schulklasse aus Golzow, im Bezirk Frankfurt O. Er dokumentierte ihre Geschichten, ihren Alltag, Freude und Leid. 70 Kilometer Film in 42 Stunden direkt aus dem Leben wie es Geschichten nicht besser erfinden können. Anlässlich des 75. Geburtstages von Winfried Junge zeigt der rbb einige der Golzower Lebenswege.
Die Idee eine Langzeitdokumentation zu drehen stammte von dem bekannten Dokumentarfilmer und DEFA-Redakteur Karl Grass, für den Winfried Junge als frischgebackener Filmhochschulen-Absolvent arbeitete. 1961 wurde Junge Regisseur im DEFA-Studio für die Wochenschau und den Dokumentarfilm. Im gleichen Jahr begann er mit den Dreharbeiten zu seinem ersten Golzow-Film Wenn ich erst zur Schule geh. 1992 stieß Junges Frau Barbara zu dem Projekt hinzu und führte ebenfalls Regie. Im Laufe der Jahre etablierten sich die Golzower als eine gerngesehene Institution in den Kinos der ehemaligen DDR und in den Fernsehapparaten der Bundesrepublik.
2007 jedoch endet das Projekt, das in der Zwischenzeit eine erfolgreiche Sozialstudie geworden war. Die Kinder von Golzow sind ein Porträt über den Sozialismus, die Wiedervereinigung und Zeugnis darüber, wie sich Geschichte in Lebenswege prägt. Die Ästhetik des Alltäglichen, die diese Filme ausstrahlen, begeistern auch heute noch viele Zuschauer.
Winfried Junge meint dazu: "Nimmt man die Geschichten der Kinder von Golzow in der Summe, so sind sie wohl jeder der gängigen Soaps überlegen. Und nicht nur, weil sie einfach ein authentisches Zeitdokument sind. Die Golzower Geschichten sind allemal lebensvoller und reicher als diese, und sie gehen Millionen etwas an. (…) Eine Langzeitbeobachtung wie die über die Kinder von Golzow will den Zuschauer wieder dazu bringen, genau hinzusehen und zuzuhören. (…) Als Konsequenz dessen, dass in die Wohnzimmer dank grenzenloser Medienvernetzung eine entfremdete Wirklichkeit gelangt, erleidet die individuelle Identität Schaden, wird der Mensch, den die Massenmedien krank machen, sich selbst immer fremder."