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Neu im Kino: The Doors - When You are strange

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The DoorsVöllig zu Unrecht wird die Musik der Rockband The Doors heute vor allem auf das Mitwirken von Sänger und Texter Jim Morrison reduziert. Dem mit 27 Jahren an seinem exzessiven Leben zu Grunde Gegangenen wird auch in Tom DiCillos Dokumentarfilm ein Denkmal gesetzt. Dabei wäre es an der Zeit, die anderen Bandmitglieder zu würdigen. Ray Manzarek, Robby Krieger und John Densmore kommen kurz weg. Heldenverehrung garantiert auch im Dokumentarfilm Erfolg. Und Morrison wurde nach seinem Tod im Erbrochenen kurzum zum größten Helden der Rockmusik stilisiert.

Es ist eigentlich erstaunlich, dass es über eine der einflussreichsten Bands der sechziger und siebziger Jahre bis heute keinen dokumentarischen Film gab. Oliver Stones Filmporträt "The Doors" liegt auch schon wieder 19 Jahre zurück - und war eine inszenierte und mit Schauspielern nachgestellte Biographie. So gesehen hatte Regisseur DiCillo ("Living in Oblivion") den richtigen Riecher. Die Musik der Doors ist nämlich keineswegs vergessen. "Light My Fire", "Break on through" oder "When the music is over" sind Songs, die nicht nur im Oldieradio laufen. Sie haben für eine Generation der heute 40- bis 60-Jährigen den Soundtrack des Lebens geschrieben.

Tom DiCilloFür sie, die mit der Musik der Doors auch den Aufbruch in eine andere Zeit verbinden, hat Tom DiCillo (Foto rechts) diesen Film eigentlich gemacht. Und doch ist gerade für diese Zuschauer nichts Neues dabei. Zunächst stützt sich der Regisseur auf eine ganze Menge an Fakten, erschlägt den Zuschauer beinahe mit seinem dokumentarischen Quellmaterial. Morrison steht stets im Vordergrund. Einen ganz besonderen Dreh hat DiCillo gefunden, um einen von Morrison gedrehten und nicht vollendeten Film einzubringen. In diesem Film fährt Morrison selbst auf dem Highway . Als er das Radio anschaltet, hört er die Nachricht von seinem eigenen Tod. Durch diese Verfremdung - eine Idee des Regisseurs - wird das dokumentarische Fundstück entwertet. DiCillo musste seinen Zuschauern eigens erklären, dass Morrison sich tatsächlich selbst spielte und nicht von einem Mimen nachgestellt wurde. So kann man Realität auch irreal erscheinen lassen. Morrison hätte es vielleicht sogar guut gefunden und einen Line auf den Fake gezogen.

Wer so leichtsinnig mit seltenem Quellmaterial umgeht, der ist auch an anderen Stellen wohl eher geneigt, auf Showelemente zu setzen. Der Film konzentriert sich leider zu stark auf die Band ohne vergisst, ihre Erfolge in einen zeitgeschichtlichen Kontext zu stellen. Diesen Fehler haben schon viele gemacht. Ein Blick in die Web-Enzyklopadie Wikipedia ist erhellend: der solide Eintrag über die Doors, wird von dem über Jim Morrison um ein Vielfaches geschlagen. Über Robby Kriegers Mitwirken bei den Doors - immerhin ein bahnbrechendes Gitarrenspiel - findet man gerade mal einen Absatz. Lobend muss man erwähnen, dass DiCillo auf Reactments und die übliche Befragung von Zeitzeugen verzichtet hat. Sein Film entwickelt deshalb eine enorme Dynamik. Das Originalmaterial wird von der Musik der Doors beflügelt.

Bereits Anfang 2009 wurde der Film beim Sundance-Festival vorgestellt. Seither gab es eine gravierende Veränderung: Der Kommentar wurde anfangs noch vom Regisseur selbst eingesprochen. Nun hat dies der berühmte Schauspieler Johnny Depp übernommen. Auch das, meint man, ist wohl eher dem Markt geschuldet als einer künstlerischen Eingebung. Der Name des Schauspielers taucht dann auch gleich dick in der Bewerbung des Filmes auf. In Deutschland wird "The Doors - When You are strang" im Originalton mit Untertiteln gezeigt - d hat der deutsche Verleih Kinowelt eine gute Entscheidung getroffen.

( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. / Fotos: Kinowelt)

Mehr Infos zu diesem Film:
Website zum Film (kinowelt.de)
Kinotermine in deutschen Kinos (www.kino.de)
Wikipedia-Fakten zu The Doors
Offizielle Website der Band

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Sonntag, 05. September 2010