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    TV-Tipps

»Saat des Terrors« und »Spur des Terrors« online sehen

Vom »neuen Harrich« spricht Das Erste-Programmdirektor Volker Herres und meint damit: »Saat des Terrors« (ein fiktionaler »Wirklichkeitskrimi«) und die anschließende Dokumentation »Spur des Terrors« (der Spielfilm bis 21. Februar 2019 in der Mediathrk des Ersten abrufbar, die Doku sogar bis 21. November 2019). Beide Filme hat der investigative Filmemacher Daniel Harrich verantwortet. Hat der Südwestrundfunk, der »den Harrich« seit Jahren betreut und produziert, eine neue Marke für spannenden und zugleich aufdeckenden TV-Journalismus geschaffen?

Szene aus »Spur des Terrors« © SWR

Szene aus »Spur des Terrors« © SWR

Das gemischte Doppel aus Spielfilm, gerne auch als Dokudrama dargeboten, und anschließendem Dokumentarfilm kennt man schon seit ein paar Jahren. Große und aufwendige Produktionen wie »Hotel Adlon« oder »Unsere Mütter, unsere Väter« und etliche andere haben - mal mehr und mal weniger erfolgreich - das »Dokuschwänzchen« im Nachklang zur fiktionalen Unterhaltung fest etabliert. Wenn es dabei kostengünstig gehen soll, wird die Kurzdoku schnell aus Spielszenen und ein paar Making-of-Einstellungen zusammengerührt. Im schlechtesten Fall also ist das Doppel nur ein Hauptfilm mit Nachspiel.

In einer ganz anderen Liga allerdings spielen die von dem in München geborenen Daniel Harrich verantworteten Produktionen. Beginnend 2013 mit »Der blinde Fleck« (über das Münchner Oktoberfest-Attentat) hat Harrich sich bereits mit vielen politisch brisanten Themen beschäftigt. Waffenhandel, gepanschte Medizin und nun also der weltweite Terror und die Verstrickungen der Geheimdienste in die Geisel unserer Zeit. Nur vordergründig nutzt Harrich das etablierte Format - also Spielfilm und angehängte Dokumentation. Beide Produktionen basieren aber stets gemeinsam auf oft jahrelang dauernden Recherchen, die unter strenger Geheimhaltung und auf internationalem Terrain erfolgen.

Mit der nunmehr vierten Produktion kann man der Harrich'schen Formaterfindung des »investigativen Spielfilms« durchaus Markenniveau zusprechen. Der federführend produzierende SWR und Das Erste, in dem auch das Terror-Doppel wieder zur Erstsendung kommt, tun gut daran, diese aufwendige Produktion als Alleinstellungsmerkmal für hochwertigen TV-Journalismus, der zugleich unterhalten will und kann, herauszustellen. Mitproduzent ist Harrich selbst mit seiner Diwafilm.

In »Saat des Terrors« (dem Spielfilm, bei dem unter anderem Christiane Paul, Axel Milberg und Heiner Lauterbach aus der ersten Riege der deutschen TV-Stars mitwirken) und »Spur des Terrors« (der 30 Minuten kurzen, aber brisanten Recherche über einen Geheimagenten, der zum Terrorhelfer wurde) bearbeitet Daniel Harrich die Rolle der westlichen Geheimdienste beim Versuch, Kontrolle über Terrorzellen zu gewinnen. Was sich im ersten Moment nach einer Verschwörungstheorie anhört (»war 9/11 eine Auftragsarbeit von CIA, FBI oder wem auch immer?«), hat durchaus eine bundesdeutsche Realität. Ein ehemaliger Verteidigungsminister sah ja beispielsweise die Gefahr Deutschlands auch am Hindukusch in Afghanistan gefährdet.


Saat des Terrors & Spur des Terrors (Das Erste Mediathek)

Videos laut Sender abrufbar bis 21. Februar 2019 (Spielfilm) / 21. November 2019 (Doku)

Aus dokumentarischer Sicht ist »Spur des Terrors« mehr als nur die Rechtfertigung für das drei Mal längere fiktionale Werk »Saat des Terrors«. Harrichs Recherche über den Doppelagenten David Coleman Headley, der unter den Augen der westlichen Geheimdienste zum islamistischen Doppelagenten und Terror-Mastermind wurde, ist investigativer Journalismus mit Sprengkraft. »Die Schritte gingen über zerschossenes Glas und sie kamen immer näher«, heißt es an einer Stelle. Was sich nach einer Szene aus einem Actionfilm mit Bruce Willis anhört, ist die Schilderung einer Überlebenden eines Terroranschlags. Es ist die Erinnerung an die Realität, kein Flashback eines Kinoerlebnisses. Das Besondere an der Arbeitsweise von Daniel Harrich ist: Der Zuschauer kann anschließend nicht sagen »Da haben die sich aber wieder was ausgedacht«; im besten Fall gelangt er stattdessen zur Erkenntnis, dass er Etwas vor Augen geführt bekam, was spannend, aber auch real war.

Solche Erkenntnis ist - nicht mehr und nicht weniger - das Beste, was TV-Journalismus erreichen kann.

(Thomas Schneider)

Rechercheszene zu »Spur des Terrors« © SWR

Rechercheszene zu »Spur des Terrors« © SWR