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DOK Leipzig bestätigt seinen Ruf als ein sehr politisches Festival

Am Wochenende ging das 61. Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm mit einer Preisverleihung zu Ende. Es wurden in den verschiedenen Kategorien sieben Goldene Tauben sowie 15 weitere Preise mit einer Gesamtdotierung von 78.000 Euro vergeben. Insgesamt hat DOK Leipzig seinen Ruf bestätigt, ein sehr politisches Festival zu sein. Dies gilt sowohl für die gezeigten Filme, als auch die Debatten und Diskussionen während des Festivals.

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Szene aus »I Had A Dream« © Deckert Distribution / Movimenta

Großer Gewinner war in diesem Jahr Claudia Tosi für »I Had a Dream«. Neben der Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb Langer Dokumentar- und Animationsfilm (10.000 €) gewann sie den Preis der interreligiösen und der Filmkritiker der FIPRECSI Jury. In der Langzeitstudie über das letzte politische Jahrzehnt Italiens stellt Regisseurin Claudia Tosi mit ihren beiden linken Protagonistinnen die brutale Frage, ob Demokratie und Politik überhaupt noch am Leben sind. Sie zeigt sehr genau die Mühen der Ebene und auch die Desillusionierung der beiden Politiker und ist damit auch symptomatisch für andere Länder als Italien. Eine Lobende Erwähnung erhielt Goran Dević für den Film »On the Water« – eine poetisch-politische Studie über Langzeitfolgen des Balkankrieges. Ebenfalls drei Preise konnte Karen Winther für »Exit« gewinnen, die Aussteiger aus der rechtsextremen Szene in den USA, Norwegen und Deutschland porträtiert.

Alle Gewinner von DOK Leipzig 2018 unter https://www.dok-leipzig.de/

Den Deutschen Wettbewerb (10.000 €) konnte der kontrovers diskutierten Beitrag »Lord of the Toys« von Pablo Ben Yakov von der Filmakademie Baden-Württemberg für sich sichern. Er porträtiert erfolgreiche Youtube-Blogger aus Dresden, die durchaus rechte Positionen vertreten. Sie haben eine immense Fangemeinde. Mit seinen präzisen Beobachtungen legt der Film eine Jugendkultur und deren erschreckende Sprache offen, die das Internet bewusst nutzt – mit weitreichenden Folgen in den Alltag. Die Jury begründete ihre Entscheidung, dass »er smart, differenziert, extrem mutig und von einer schmerzhaften politischen Brisanz ist … Die Filmemacher haben eine Grenzüberschreitung geleistet; sie lassen sich vollständig auf ein anderes Milieu, eine andere Generation, eine andere politische Haltung ein, um ernsthaft dem auf dem Grund zu gehen, worüber man in Tageszeitungen als Gefahr für unsere Demokratie liest. Sie gehen so tief rein, wie man reingehen kann.«

Im Next Masters Wettbewerb (5000 €) wurde die brasilianische Produktion »Cinema Morocco« von Ricardo Calil ausgezeichnet. In einem leerstehenden Kinopalast fanden arme Familien, Migranten, Obdachlose, Flüchtlinge Unterschlupf gefunden, die mit ihrem Alltag im Mittelpunkt stehen. Der Preis, gestiftet von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, dient als Anschubfinanzierung für das nächste Filmprojekt. Im Internationalen Wettbewerb Kurzfilm (jeweils 5000 €) wurden »All Inclusive« von Corina Schwinggruber Ilić als bester Dokumentarfilm sowie »Egg« von Martina Scarpelli als bester Animationsfilm geehrt. Die Goldene Taube für den besten deutschen Kurzfilm (5000 €) ging an »Marina« von Julia Roesler; sie erhielt auch den Healthy Workplaces Film Award. Die Goldene Taube Kurzfilm im Next Masters Wettbewerb (5.000 €) ging an die dänische Produktion »Escapar, the Recurring Dream« von Barbara Bohr. Eine lobende Erwähnung erhielt »The Republic’s Couriers« von Badredine Haouari. Mit dem DEFA-Förderpreis (4000 €) gewürdigt wurde Florian Baron für »Stress« über traumatisierte amerikanische Soldaten, der vor allem durch seine visuelle Gestaltung überzeugen konnte. Der MDR-Filmpreis (3000 €) für einen herausragenden osteuropäischen Dokumentarfilm ging an die ukrainische Produktion »No Obvious Signs« von Alina Gorlova über eine Soldatin, die nach ihrem Einsatz mit dem Wiedereinstieg in den Alltag kämpft.

Der Publikumspreis Leipziger Ring (2500 €) ehrt einen Dokumentarfilm über Menschenrechte, Demokratie und bürgerschaftliches Engagement, gestiftet von der Stiftung Friedliche Revolution. Der Preis ging in diesem Jahr an den Film »In Search …« von Beryl Magoko. Mit dem DOK Neuland Award für ein herausragendes Projekt in der aktiven Ausstellung wurde Kalina Bertin für »Manic VR« ausgezeichnet.

Insgesamt hat DOK Leipzig seinen Ruf bestätigt, ein sehr politisches Festival zu sein. Dies gilt sowohl für die gezeigten Filme, als auch die Debatten und Diskussionen während des Festivals. So hat sich das Festival klar für eine Frauenquote ausgesprochen, was in diesem Jahr deutlich Früchte trug. Die AG DOK veranstaltete ein Panel, bei dem die aktuelle Situation von Frauen im Dokumentarfilm diskutiert wurde. Mit ihren umfangreichen Rahmenveranstaltung und Branchenveranstaltungen gehört zu den wichtigsten Dokumentarfilmfestivals in Europa.

47.155 Zuschauer und Besucher kamen zur 61. Ausgabe von DOK Leipzig. »Besonders beeindruckt war ich in diesem Jahr von den zahlreichen Nachwuchstalenten, die wir entdeckt haben«, sagte Festivalleiterin Leena Pasanen zum Abschluss des Festivals. »Außerdem beweist der Gewinnerfilm im Deutschen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm, wie wichtig es ist, sich auch mit polemischen und kritischen Themen zu beschäftigen – besonders wenn diese in unserer Region verankert sind«, kommentierte sie die Kontroverse über den Gewinnerfilm »Lord of the Toys«.

(Kay Hoffmann)

Tags: DOK Leipzig

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